17.04.2017 - 14:36 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Osternacht in der Stadtpfarrkirche Vohenstrauß: Von Gottes Liebe überwältigt

Es ist stockfinster und bitterkalt an diesem Ostersonntagmorgen, als sich die Kirchgänger mit ihren schön geschmückten Speisenkörben aus allen Himmelsrichtungen ganz still auf dem Weg zur Kirche machen. Das Osterfeuer auf dem Vorplatz der katholischen Stadtpfarrkirche knistert bereits.

von Elisabeth DobmayerProfil

(dob) Nur die entzündeten Apostelleuchter weisen den Weg in dem ansonsten noch dunklen Gotteshaus. Die Mädchen und Buben, die sich als Ministranten mit Dekan Alexander Hösl in aller Herrgottsfrühe um die Feuerstelle versammeln, frösteln. Nach der Segensfeier im Freien ziehen sie mit dem zarten Kerzenlicht in die Kirche ein. Der Geistliche stimmt das feierliche "Lumen Christi" an. Die Flamme verkündet, dass die Finsternis dem Licht weichen muss, und die Ministranten reichen das Kerzenlicht an die ersten Besucher in jeder Bank weiter. So breitet sich das Licht schnell im gesamten Raum aus. Der Glanz spiegelt sich in den Augen der Besucher.

Als die bekannten Bibelstellen aus dem Alten Testament vorgelesen werden, ziehen erste zarte Lichtstrahlen des neuen Tages durch die Kirchenfenster. Kraftvoll stimmt die Orgel das Gloria an, gleichzeitig läuten alle Kirchenglocken. In seiner Osterpredigt versichert der Geistliche: "Gott liebt dich unendlich, ohne Bedingung und ohne Einschränkung mit all den Schattenseiten und Gespenstern die dich ängstigen, für die du dich schämst und dich gefangen halten." Zuvor ging er auf die Musical-Schauergeschichte "Die Schöne und das Biest" ein. Das Mädchen erlöst das Ungeheuer dadurch, dass es sich von seinem erschreckenden Aussehen nicht abstoßen lässt und es trotzdem liebt. Genau das treffe die frohe Botschaft der Kar- und Ostertage. Der Geistliche führte weiter aus: "Viel Totes, Verwestes ist in uns, vieles, das im Grab liegt, und in uns ein Schattendasein führt." Ab und zu breche es dann wieder störend hervor, wie Gespenster, die aus dem Dunkeln auftauchen. Es lähme den Lebenswillen, lasse uns unerwartet reagieren oder rufe sogar körperliche Beschwerden hervor, die mit herkömmlichen Arzneien nicht heilen könnten, weil sie die Wurzel der Symptome nicht erfassten.

Wenn Christus drei Tage im Grab gelegen war, wenn er in "das Reich des Todes" hinabgestiegen ist, dann sei das unser Totenreich, unser eigenes Seelengrab, das er aufbrechen will, in das er Licht und Leben bringen möchte. "Wir erschrecken oft selbst vor unseren gemeinen und unmenschlichen Gedanken und Wünschen, die in uns aufsteigen, wir sind oft selbst entsetzt über die Zerstörungskraft, zu der wir fähig sind und wie sehr uns diese Mauern den Zugang zu Gott verbauen." Genau darin sieht der Geistliche die Wurzel für alle Kriege und den Terror in der Welt.

Als neuer Mensch leben

"Die Welt ist in einem großen Kriegszustand." Daher sei es wichtig, Mauern von Jesus Christus aufbrechen zu lassen, die man selbst geschaffen habe. Man müsse ihn nur lassen. Wer das erkenne, dürfe auch den Stein wegwälzen, der auf seiner Seelengruft liege. "Dann kannst du auferstehen und als neuer Menschen leben", sprach Dekan Hösl diese zuversichtliche Hoffnung allen Gläubigen zu. "Gott wird nicht ruhen, bis sich auch der böseste Mensch von seiner unverdienten Liebe überwältigen lässt." Daher feiern wir Ostern und müssten es jedes Jahr aufs Neue feiern. "Diese befreiende, frohmachende Botschaft ist der eigentliche Grund unserer Osterfreude". Wenig später ist nach dem Auferstehungsgottesdienst auf dem Kirchplatz überall "Ein gesegnetes Osterfest" zu hören.

Unweit der katholischen Kirche feiert Diakon Fabian Endruweit gleichzeitig mit den evangelischen Christen die Osternacht und traf sich anschließend mit den Gläubigen zum gemeinsamen Frühstück im Gemeindehaus.

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