Preis für Vohenstraußer Realschule
Dialekt am laufenden Band

Die Aufzeichnung von Dialektwörtern gehört dazu: Vohenstraußer Realschüler pflegen die Sprache der Region. Sie erklären Begriffe, Grammatik, arbeiten Eigenheiten heraus. Die Beispiele sind im Internet abrufbar. Bild: dob
Vermischtes
Vohenstrauß
21.03.2017
949
0

Oberpfälzer zu sein macht stolz. Aber wie viel Dialekt ist erlaubt? Sehr viel. Zumindest in der Realschule Vohenstrauß. Die hat ein richtiges "Eckerl" eingerichtet. Und bekam dafür am Montagabend einen Preis.

Vohenstrauß/München. "Braislboart", "Glusthehner", "Duzl", "Zwiderwurzn" oder "Heipl" sind Ausdrücke eines lockeren und bodenständigen Bairisch, wie es im Altlandkreis Vohenstrauß jeder Bewohner versteht. Genau aus dieser Umgebung stammen die Schüler der Staatlichen Realschule Vohenstrauß. Sie reden daheim Dialekt, und auch im Unterricht wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Mit 1000 Euro dotiert


Jetzt durfte sich die Realschule genau deswegen am Montagabend im Kaisersaal der Münchener Residenz mit Persönlichkeiten wie "Waltraud und Mariechen" bei der Verleihung des Dialektpreises Bayern einreihen. Dieser wurde heuer zum ersten Mal gemeinsam vom Kultus- und Heimatministerium vergeben. Die Realschule erhielt den mit 1000 Euro dotierten Preis für das Schülerprojekt "Dialekteckerl" als Auszeichnung für die gesamte Oberpfalz. Die Initiatorin des Dialekteckerl, Realschulstudienrätin Doris Thammer, die das Projekt im Schuljahr 2008/2009 startete, war bereits Tage vor der Verleihung aufgeregt. "Das erlebt man ja nicht alle Tage." Viel zu viele Menschen verknüpfen Dialekt mit einfacher Bildung und sozialen Nachteilen. Ein von Fachleuten und dem Lehrerverband längst widerlegter Irrtum.

"Der Zungenschlag unserer Heimat, das Nordbairische, spielt in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle, denn wenn man in Funk und Fernsehen die bairische Sprache hört, ist es meist das stark nivellierte Mittelbairisch", versichert Thammer, die diese Beobachtungen vor neun Jahren mit dem jetzigen Konrektor Kilian Graber machte und dies zum Anlass nahm, sich gemeinsam mit den Schülern aktiv der Dialektpflege zu widmen. Noch dazu befanden sich die Lehrkräfte in der glücklichen Situation, dass ausnahmslose alle Jugendlichen noch Dialekt sprechen. Diese vorhandene Sprachkompetenz bildete die Grundlage für den Einstieg in das Projekt, dessen Ziel es ist, Schüler der Bildungseinrichtung darin zu bestärken, den Dialekt dort, wo er situationsadäquat ist, auch zu verwenden. Darüber hinaus wollten die Lehrer Bewusstsein dafür schaffen, wie bunt die Welt des Dialekts ist, wie viele Facetten in kleinsten Lauten und Worten versteckt sind, wie viel man damit zwischen den Zeilen ausdrücken kann. So startete das Projekt "Dialekteckerl". Was daraus entstanden ist, kann weltweit im Netz abgerufen werden. Es gibt Schmankerl, nordbairische Grammaturgie, Umbearbeitung von Gedichten in Dialektvarianten, Verwandtschaft Bairisch-Französisch, ein Musik-Projekt mit dem bekannten "Hehnerauch", Bairische Redewendungen oder Namenstage im Lauf des Jahreskreises. Gerade die Redewendungen und Sprichwörter sind das Salz in der Suppe.

Lob von Edmund Stoiber


Die Resonanz ist riesengroß. So stellte der Bayerische Rundfunk das Dialekteckerl bereits im Schuljahr 2011/2012 vor. Auch den Jugendkulturförderpreis des Bezirks erhielt die Realschule. Im August 2014 stand die Verleihung der Bairischen Sprachwurzel an. Damals schrieb Ministerpräsident a. D. Edmund Stoiber: "Das Dialekteckerl ist eine ganz tolle Idee. Das Erfolgsrezept für uns Bayern ist die einzigartige Verbindung von Tradition und Fortschritt. ... Dialektpflege im Internet - besser kann man das Motto 'Laptop und Lederhose' gar nicht in die Tat umsetzen."

Die weiteren Auszeichnungen erhielten am Montag: Liedermacher Willy Michl, Filmregisseur Leo Hiemer (Allgäu), die Mundartkabarettisten Gebrüder Panitz (Nord-/Mittelschwaben), Schriftstellerin Karin Michalke (Oberbayern), Liedermacherin Sara Brandhuber (Niederbayern), Mundartdichterin Annemarie Leutzsch (Oberfranken), Schriftsteller Fitzgerald Kusz (Mittelfranken) und das Unterfränkische Dialektinstitut sowie die Comödie Fürth.

___



Weitere Informationen:

www.realschule-vohenstrauss.de

Shakespeare auf BairischWilliam Shakespeares (1564-1616) 18. Sonett, eine Gedichtform, die meist aus zwei Strophen mit je vier Zeilen besteht, führten die Realschüler aus Vohenstrauß als Preisträger des Dialektpreises im Kaisersaal der Münchener Residenz am Montagabend allen geladenen Gästen als Übersetzung aus dem Mittelenglischen ins Nordbairische vor. Darin hieß es: "Mei Moidl is vüll scheijna weij a Summerdooch, goua niad so wüld weij sWeda, minad ii: Glabbst, dass daj Bluma nu ebbad seang mooch, wenn's amal da Hagl dazaust hout - na waarn's ja hii! Wenn oins in dera Hitz schnauft und schwitzt, is so vüll krachads Leijcht goa nimma scheij, und wenn's vom Himmel leicht und blitzt, doud des im Auch uns sakkrisch weij". (dob)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.