07.11.2011 - 00:00 Uhr
Vohenstrauß

Stalker Alexander S. drückte sich wochenlang in Vohenstrauß herum - Nachbar erzählt Das Phantom von der Prager Gasse

Es ist dieser eine Satz, der ihm nicht mehr aus dem Kopf geht: "Kann ich nochmal mit Ihnen sprechen?" Heute wünscht sich Thomas N., er hätte dem schmächtigen jungen Mann zugehört. "Vielleicht wäre dann alles anders gekommen", sagt der Nachbar der ermordeten Stephanie S..

Die Rollos zur Wohnung des Mordopfers sind heruntergelassen. Die Vermieter putzen Eingang und Treppenhaus. Drei Tage nach der schrecklichen Bluttat steht Vohenstrauß immer noch unter Schock. Bilder: Piehler (2)
von Uli Piehler Kontakt Profil

Freitagabend in der Prager Gasse in Vohenstrauß, etwa halb sechs. Es ist bereits stockdunkel, als ihm Alexander S., "dieser komische Typ", wenige Meter neben der Wohnung von Stephanie erneut in die Arme läuft. Eine seltsame Gestalt: relativ klein, gebückte Haltung, die Hände immer tief in den Jackentaschen vergraben. "Ich hab ihn weitergeschickt", erzählt Thomas N. "Ich hab ihm gesagt: ,Heute nicht.'"

"Da war so viel Blut"

Ob der Stalker zu diesem Zeitpunkt bereits das Messer eingesteckt hatte, mit dem er wenige Minuten später auf die 21-jährige Vohenstraußerin einstach? Stephanies Nachbar mag gar nicht daran denken. Fakt ist: Etwa eine halbe Stunde später klingelte die Vermieterin der jungen Frau an seiner Haustür Sturm. Sie hatte das Opfer, Mutter einer zweieinhalb Jahre alten Tochter, blutüberströmt im Treppenhaus gefunden.

Thomas N. und seine Frau rannten zum Nachbarhaus, wollten helfen. "Aber wir konnten nichts mehr tun. Da war so viel Blut. Wir wussten gar nicht, wo wir anfangen sollten." Die 21-Jährige muss ihrem Mörder arglos die Tür geöffnet haben. Zuerst muss der Täter von vorne zugestochen haben, mutmaßt N. Dann drehte sich die junge Frau um, wollte offenbar über die Treppe nach oben flüchten. Die meisten Einstiche hatte der Körper am Rücken. "Der hat ein langes Küchenmesser benutzt", erzählt N. "Das hat er im Hausgang liegen lassen."

Der Stalker von der Prager Gasse war in Vohenstrauß kein Unbekannter. Fünf Wochen lang geisterte der junge Mann aus Bad Hersfeld schon durch die Straßen, meistens das Handy am Ohr. Häufig drückte er sich vor der Wohnung seiner Internetbekanntschaft herum, versteckte sich hinter Bäumen oder Autos. In einem Lager nahm er einen Job an, in einem Gasthof in der Innenstadt hatte er sich einquartiert.

"Als ich zum ersten Mal bemerkt habe, dass er so rumlungert, habe ich ihn angesprochen", berichtet N. Da habe er gesagt, er warte auf einen Freund, der hier manchmal vorbeikomme. "Da war mir schon klar: Der hat einen an der Waffel." Am Samstag vor einer Woche ging N. auf seine Nachbarin zu. "Dir ist schon klar, dass es da ein Stalker auf dich abgesehen hat?", sagte er. Die 21-Jährige habe nur geantwortet, dass sie Bescheid wisse und Anzeige erstatten wolle. Das hat sie dann Anfang der Woche auch getan.

Die Hände gebunden

Allerdings ohne den gewünschten Erfolg. Die junge Frau habe erzählt, dass die Polizei nichts machen könne, solange nichts passiert sei. "Nach der Tat hat die Polizei die ganze Nacht über das Haus bewacht. Hätten die das lieber mal vorher getan", sagt N. Ein anderer Nachbar äußert eher Verständnis für die Ordnungshüter. "Das ist doch klar, dass die in so einem Fall niemand extra abstellen können."
Eine Frau mit einem kleinen Kind kommt, stellt eine Kerze an den Gartenzaun. "Das ist so furchtbar", sagte sie und hält kurz inne. Vohenstrauß steht auch drei Tage nach dem schrecklichen Mord unter Schock. Die Vermieter Stephanies, ein älteres Ehepaar, sind fix und fertig. Sie können immer noch nicht glauben, was vergangenen Freitag an ihrer Haustür geschehen ist. Am Montagnachmittag putzten sie noch einmal das Treppenhaus, wischten die letzten Blutspuren von der Wand.

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