Vohenstraßer Flurdenkmäler
Mustergültige Restaurierung

Nach dem Unfall war das Thamerbauer-Kreuz in einem erschreckenden Zustand. Der Stein lag weit neben dem Sockel, das gusseiserne Kreuz und die Jesusfigur waren in mehrere Teile zerbrochen. Bilder: hfz (4)
Vermischtes
Vohenstrauß
03.12.2016
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Nach dem Unfall war das Thamerbauer-Kreuz in einem erschreckenden Zustand. Der Stein lag weit neben dem Sockel, das gusseiserne Kreuz und die Jesusfigur waren in mehrere Teile zerbrochen. Bilder: hfz (4)

Das Thamerbauer-Kreuz bei Kößing dürfte wegen seiner exponierten Lage an der Straße zwischen Vohenstrauß und Böhmischbruck eines der bekanntesten Vohenstraußer Flurdenkmäler sein. Nach einem mysteriösen Unfall steht es nun wieder an alter Stelle.

Heimatforscher Rudolf Großmann hat das Schicksal und die mustergültige Restaurierung des Marterls dokumentiert. Adam Lehner ließ das neugotische Marterl 1865 "Zur Ehre Gottes" errichten. Es sollte Schutz für die Fluren, Wiesen und Wälder der alteingesessenen Familie bieten. "Der Hausname ,Thamerbauer' kommt von einem der früheren Hausbesitzer, der Thomas Bauer hieß." Heute gehört es Günther und Robert Lehner aus Kößing.

Vieles überstanden

In über 150 Jahren hat das Thamerbauer-Kreuz zwei Weltkriege, Wind, Wetter, Schnee und Eis überstanden. Auch die Wurzeln der zum Schutz links und rechts gepflanzten Bäume konnten ihm nichts anhaben. Doch im Februar 2016 soll es ein Sturm umgeworfen haben. Daraufhin verständigte die Familie Lehner Hans Oppelt, der sich wiederum mit Großmann in Verbindung setzte.

"Schon während der Fahrt dorthin schien mir die Geschichte mit dem Sturm mehr als unwahrscheinlich. Wir kennen in unserer Gegend zwar böige Ost- und Westwinde, aber ein Marterl aus Granit durch Sturmböen umgeworfen?", wunderte sich Großmann. Immerhin ist es mit Sockel über 2,30 Meter hoch. Daher gab es nur eine Erklärung: Das Feldkreuz musste umgefahren worden sein. Es lag am Boden, der Granitstein schien unbeschädigt, aber das gusseiserne Kreuz und die Arme der Christusfigur waren in mehrere Teile zerbrochen. "Schade, wenn dann die Courage fehlt und das Ganze nicht als Unfall gemeldet wird", bedauerte Großmann. Er und Oppelt rieten den Lehners, den Stein zu säubern, aber nicht sandzustrahlen, und das Kreuz wieder zusammenschweißen zu lassen. Robert Lehner ist gelernter Maschinenbauer, hatte keine Erfahrung mit dem Schweißen von Gusseisen und es sich schließlich selbst beigebracht. "Es war nicht einfach, schweißen, fräsen und schleifen haben drei, vier Tage gedauert", informierte er auf NT-Nachfrage. "Aber das Thamerbauer-Kreuz gehört zum Haus. Es wäre schade gewesen, wenn es nicht wieder aufgestellt worden wäre", begründete Lehner sein Engagement.

"Dass man Gusseisen überhaupt schweißen kann, war für mich schon eine Überraschung. Aber dass man beim fertig geschweißten, geschliffenen und wieder lackierten Kreuz und den Figuren keinerlei Spuren des Unfalls mehr sieht, grenzte an ein kleines Wunder", freute sich Großmann über die gelungene Maßnahme.

Kreuz und Stein kamen anschließend zur Firma Rappl nach Moosbach. Der Granit hatte oben mehrere Haarrisse durch korrodierendes Eisen und gefrierendes Wasser. Die Arbeiter des Steinmetzbetriebs schlossen die Stellen mit Harzkleber, frischten die Schrift auf, befestigten das Kreuz und bemalten Christusfigur sowie Mutter Gottes mit einer speziellen Goldfarbe. "Die erfüllt den gleichen Zweck wie Blattgold, kostet nur die Hälfte und ist selbst vom Fachmann nur schwer zu unterscheiden", erklärte Großmann.

Das Kreuz wäre jedoch beinahe falsch herum montiert worden. Nachdem Großmann alte Fotos in seiner Datenbank wieder und wieder betrachtet hatte, ließ sich dieses Malheur am Ende vermeiden. Das Flurdenkmal ist eines von drei in der Gemeinde, auf dem auf der Rückseite etwas steht: "Gewidmet von Adam Lehner Bauer v. Kössing 1865", ist auf dem Stein zu lesen. "Wanderer stehe still, bete ein Vater unser, das ist nicht viel", heißt der Spruch hinten auf dem Kreuz.

In der Zwischenzeit hatte Werner Lehner ein neues Kupferdach hergestellt. Danach bat er Bürgermeister Andreas Wutzlhofer um technische Hilfe. So brachten städtische Arbeiter das Flurdenkmal vom Steinwerk Rappl in den Bauhof, um es bis zum Sommer zu lagern. Beim Anheben brach das gusseiserne Kreuz erneut ab und musste noch einmal geschweißt werden. Auf der Rückseite erhielt es ein Flacheisen zur Stabilisierung.

Segung im Frühjahr

Seit 29. Juli steht das Thamerbauern-Kreuz wieder am alten Platz, im Frühjahr soll es gesegnet werden. Die Abdeckung der Öffnung des ehemaligen Opferstocks vollendete im Herbst das Werk. Die Renovierung kostete einen Betrag im niedrigen vierstelligen Bereich, vom OWV gab es einen großzügigen Zuschuss.

Das Thamerbauer-Kreuz gehört zum Haus. Es wäre schade gewesen, wenn es nicht wieder aufgestellt worden wäreRobert Lehner
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