22.03.2017 - 12:30 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstraußer Realschüler begeistern 600 Gäste mit Präsentation und nehmen Preis entgegen: Mit „Dialekteckerl“ den Kaisersaal erobert

Von wegen verschrobene Oberpfalz. Vor rund 600 geladenen Gästen im prunkvollen Kaisersaal in der Münchener Residenz präsentierte sich die Delegation der Vohenstraußer Realschule von ihrer besten Seite. Erstmals wurde der neugeschaffene "Dialektpreis Bayern 2017" verliehen - und die Bildungsstätte aus dem Landkreisosten war am Montag mit dem "Dialekteckerl" als einziger Preisträger aus der gesamten Oberpfalz dabei. Der von Kultusminister Ludwig Spaenle und Heimatminister Markus Söder vergebene Preis ist mit 1000 Euro dotiert.

Fesch herausgeputzt und mit dem 18. Sonett von Shakespeare begeisterten die Realschüler die rund 600 geladenen Gäste im prunkvollen Kaisersaal der Münchner Residenz. Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle (links) und Heimatminister Dr. Markus Söder (rechts) überreichten den mit 1000 Euro dotierten Preis an Schüler und Lehrkräfte Kilian Graber (Zweiter von links) und "Dialekteckerl"-Initiatorin Doris Thammer (Dritte von rechts).
von Elisabeth DobmayerProfil

Über 20 Repräsentanten der Preisträger hatten sich auf den Weg in die Landeshauptstadt gemacht: die Schulleitung mit Andreas Meier und Konrektor Kilian Graber, "Dialekteckerl"-Initiatorin, Studienrätin Doris Thammer, dritter Bürgermeister Johann Gollwitzer, der Vorsitzende des Elternbeirats, Otto Janner, und einige Elternvertreter mit den in Tracht gekleideten Schülern. "Es ist für uns alle ein einmaliges Ereignis, heute die Oberpfalz zu repräsentieren", schwärmte Meier bereits bei der Anfahrt.

"Gelebte Kultur"

"Dialekt ist ein Stück Heimat und gelebte Kultur", betonte der Kultusminister in seiner Ansprache. Unter den Gästen befand sich auch der Wittelsbacher Prinz Wolfgang von Bayern, der sich vom Vohenstraußer Projekt ganz angetan zeigte und dies auch in einem Gespräch mit Doris Thammer und den Schülern zum Ausdruck brachte. "Wer Dialekt kann, ist besonders intelligent", meinte Söder: "Das ist uns in unserem Verhältnis nach Berlin schon immer bewusst gewesen." Die bayerischen Städte hätten mit ihrem Dialekt ihre Identität bewahrt.

Nachdem sich die Realschüler mit dem 18. Sonett von Shakespeare in Mittelenglisch und Nordbairisch professionell in Szene gesetzt hatten (wir berichteten), fragte Spaenle in seiner Laudatio auf die Vohenstraußer Preisträger: "Wer braucht Englisch, wenn er Oberpfälzisch hout?" Heute wüchsen Kinder nahezu dialektfrei auf. In den vergangenen zehn Jahren sei das Vermitteln der Hochsprache im Mittelpunkt des schulischen Tuns gestanden.

Für Kinder die aus Familien stammten, in denen gesunder Dialekt gesprochen werde, sei es ein wichtiger Schritt, Schriftlichkeit zu erlernen, sich aber dann auch mit der eigenen Mündlichkeit zu verständigen, betonte Spaenle. Diese natürliche Kraft und "identitätsstiftende Form des Erfahrens der gewählten Sprache" solle auch in den Unterricht eingebracht werden. Insofern habe das Kultusministerium mit einer Handreichung über den Dialekt den Anfang gemacht, "dass so etwas Wunderbares herauskommt". An die Preisträger gewandt, erklärte der Minister: "Durch Ihr Schaffen und Ihr Projekt tragen Sie dazu bei, dass Dialekt aktiv gepflegt wird und bereichern damit nachhaltig unsere Kulturlandschaft."

Zum Preis gratulierten unter anderem die Ministerialbeauftragte in der Oberpfalz und Leitende Realschuldirektorin Maria Kinzinger aus Regensburg sowie Leitender Ministerialrat Konrad Huber aus dem Kultusministerium, der sich vom Beitrag der Mädchen und Buben vollauf begeistert zeigte. Beim anschließenden Empfang im "Kaiserhof" durften sich die Schüler mit vielen prominenten Gästen bekanntmachen. Sonderpreise hatten Volker Heißmann und Martin Rassau ("Waltraud und Mariechen") und der begnadete Blues-Gitarrist und "Isar-Indianer" Willy Michl erhalten.

Für die Jugendlichen gab es nach der langen Nacht in München keine Verschnaufpause: Bereits am Dienstagvormittag zeichnete das Bayerische Fernsehen einen Beitrag für die Abendschau in der Realschule auf.

Wer braucht Englisch, wenn er Oberpfälzisch hout?Kultusminister Ludwig Spaenle

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