06.04.2018 - 10:52 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Diesel oder Benziner - das ist hier die Frage Beratung wichtiger denn je

Die Debatte um Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge ist etwas abgeebbt. In den Autohäusern kämpfen die Verkäufer aber täglich im Kundengespräch mit diesem Thema. "Der neue Tag" fragte bei Vohenstraußer Händlern nach, wie sich die Diskussion im Verkauf bemerkbar macht.

Diesel oder Benziner? Die Diskussion um die Fahrverbote verunsichert die Kunden. Die Verkäufer in den Autohäusern müssen viel Aufklärungsarbeit leisten. Symbolbild: dpa/Sebastian Gollnow
von Christine Walbert Kontakt Profil

Im Vorfeld der Bundestagswahlen im vergangenen Sommer merkte Siegmund Grieb vom gleichnamigen Autohaus bei seinen Kunden eine starke Verunsicherung. "Viele haben dann mit dem Kauf noch gewartet, weil niemand wusste, wie es weitergeht." Mittlerweile habe sich die Lage etwas entspannt. Preislich habe sich natürlich sehr viel getan auf dem Markt. Die begehrten gebrauchten Benziner würden demnach viel teurer gehandelt als Diesel-Fahrzeuge.

Aber es gibt sie noch, die Diesel-Fahrer: "Unseren Privatkunden, der 30 000 Kilometer im Jahr fährt und ein dementsprechendes Auto braucht, interessiert die Diskussion nicht mehr. Der kauft sich einen Diesel, weil der auch vom Preis her sehr interessant ist." Mit Fahrverboten in den Städten rechnet Grieb nicht: "Die Politiker reden alle schlau, wissen aber nicht, wie man das in der Praxis umsetzten soll. Wie wollen sie alleine in München 365 000 Pendler kontrollieren?"

Verkaufsleiter Georg Mitlmeier macht ähnliche Erfahrungen: "Viele Kunden haben erkannt, dass die Jahreswagen bei Opel mit Diesel-Motor derzeit günstiger angeboten werden als vergleichbare Benzin-Modelle. Normalerweise sind die Diesel-Fahrzeuge zwischen 1500 bis 2500 Euro teurer als die Benziner. Deshalb verkaufen wir derzeit die Diesel-Fahrzeuge, die die Euro-6-Norm erfüllen sehr gut." Die meisten Kunden würden sich fragen: "Wann komme ich mal in die Großstadt? Und wenn, dann fahre ich sowieso mit U- und S-Bahn in die Innenstadt." Allerdings seien die Gebrauchtwagen, die nur die Euro-5Norm oder schlechter erfüllen, derzeit sehr schlecht oder nur mit deutlichem Preisabschlag zu vermarkten, betont Mitlmeier.

Peter Dobner muss in seinem Autohaus in der täglichen Kundenberatung nach wie vor "sehr viel Aufklärungsarbeit" leisten. "Die Leute sind vor allem durch die Medien sehr verunsichert und wechseln oft aus Unwissenheit zum Benziner, obwohl es bei der gewünschten Fahrleistung ihres Autos die falsche Entscheidung ist." Der Politik macht er den Vorwurf, dass das Thema noch immer nicht geklärt ist: "Keiner sagt, wie es letztendlich wird." Der Markt habe sich in den vergangenen Monaten mehr zu den Benzinmotoren verlagert. "Ob das umweltpolitisch sinnvoll ist, wage ich zu bezweifeln", meint Dobner.

"Es krankt an der Aufklärung", findet auch Paul Hopf . Die Vorgespräche mit den Privatkunden würden seit dem Diesel-Skandal viel mehr Zeit in Anspruch nehmen. Obwohl er den Trend hin zum Benziner bestätigt, schreibt er die Diesel-Motoren bei weitem nicht ab: "Bei den größeren Autos ist es wie gehabt: Wer einen flotten, starken Wagen will, nimmt nach wie vor einen Diesel", sagt der Händler.

Wolfgang Pröls sieht den Diesel-Gebrauchtwagenmarkt am Boden liegen: "Die Besitzer von älteren Dieselfahrzeugen werden dafür bestraft, was eine Firma verschuldet hat." Vor jedem Verkauf stehe bei ihm eine Bedarfsanalyse, die dem Kunden die Entscheidung erleichtere, für welchen Motor er sich entscheidet. "Ich habe schon noch Diesel-Bestellungen für Firmenfahrzeuge oder Vielfahrer." Aber er verkaufe mittlerweile viel mehr Benziner, "auch wenn die Wartezeiten hier enorm länger geworden sind", weiß Pröls.

Sandro Wildenauer aus Straßenhäuser steckt auch mitten im Diesel-Dilemma. Die älteren Diesel-Fahrzeuge auf dem Hof des Autohauses bringe man nur mit Mühe und als ausgesprochene Schnäppchen an den Mann: "Wir haben letztens einen Diesel Euro 4 unter dem Einkaufspreis hergeben müssen. Selbst beim Euro 5 sieht es schon schlecht aus. Sicher, die Leute, die viel fahren, kaufen sich nach wie vor einen Diesel." Privatleute tendieren aber eindeutig zu einem Auto mit Benzinmotor.

"Die Fahrverbote werden nicht durchzusetzen sein", vermutet Gerald Hanauer aus Waldau. Trotzdem seien hauptsächlich ältere Kunden, die sich vor einiger Zeit ein Diesel-Fahrzeug zulegten, extrem verunsichert. "Sie glauben, dass sie mit ihrem Auto dann gar nicht mehr fahren dürfen. Aber die wenigsten bei uns hier fahren doch nach München oder Stuttgart." Hanauer versucht, seine Kunden auch mit Hilfe von Berichten aus Fachblättern so gut wie möglich aufzuklären.

"Diesel-Urteil"

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am 27. Februar 2018 entschieden, dass Kommunen grundsätzlich Fahrverbote für ältere Dieselautos verhängen können. Damit geben die Leipziger Richter der Deutschen Umwelthilfe recht. Sie hatte die Landesregierungen in Stuttgart und Düsseldorf darauf verklagt, ihre Luftreinhaltepläne nachzubessern. Stuttgart, Düsseldorf und 16 andere Kommunen können nun festlegen, in welchen Straßen Fahrverbote gelten sollen und wer Ausnahmegenehmigungen bekommt. (ck)

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