04.04.2018 - 19:08 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Digitaler Wandel trifft Deutschlands größten Kinder- und Jugendbuchversender Buchhandlung Rupprecht: Aus für Buchversand Rabe

Der "Rabe" fliegt nicht mehr. Die Buchhandlung Rupprecht stellt den einstmals größten Kinder- und Jugendbuch-Versand im deutschen Sprachraum ein. Das - geordnete - Ende nach 25 Jahren kommt nicht überraschend. Das Internet führt zu massiven Änderung im Verbraucher-Verhalten.

"Dieses Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr", sagt Maria Rupprecht zum Ende des Rabe-Versands. In den Händen hält sie die letzten beiden Kataloge vom Dezember 2017 und Frühling 2018 (von links). Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Vohenstrauß/Weiden. Bis zu acht Kataloge im Jahr mit einer Auflage von jeweils bis zu zwei Millionen Exemplaren gingen in den Glanzzeiten von der Zentrale in Vohenstrauß an die Kunden: "An bis zu 5000 Pakete am Tag" erinnert sich Maria Rupprecht, geschäftsführende Gesellschafterin der Buchhandlung Rupprecht GmbH. Zuletzt magerte der Rabe-Versand, der in den Spitzen bis zu 50 Saisonkräfte beschäftigte, auf jährlich vier Kataloge in einer nur fünfstelligen Auflage ab. 2017 trug Rabe lediglich noch 5 Prozent zum Umsatz von 37 Millionen Euro bei.

Gegenüber Oberpfalz-Medien bestätigt Maria Rupprecht das endgültige Aus von Rabe bis Ende Mai. Die 53-Jährige spricht von starken Veränderungen in der Gesellschaft. "Kein Katalog der Welt kann die vielen Websites im Internet abbilden. Man clickt mal da, mal dort ..." Über Jahrzehnte galten die Rabe-Kataloge in Millionen Familien als der Hingucker. Maria Rupprecht ("wir haben hier unendlich viel Energie reingesteckt") sorgte selber für die Auswahl der Kinder- und Jugendbücher. "Wir achteten immer auf die Qualität, die Familien vertrauten auf uns. Die Kinder blätterten in unseren Katalogen wie in einem Bilderbuch." Der digitale Wandel macht jedoch alles anders.

Leidenschaft für das Buch: Im Gegensatz zum Sinkflug von Rabe steht das Wachstum der Buchhandlung auf 39 Filialen (36 in Bayern, 3 in Baden-Württemberg) mit insgesamt 330 Mitarbeitern. 2007 waren es noch 12 Filialen und 200 Beschäftigte. "Wir fühlen uns in der stationären Buchhandlung auch wohler. Da sind wir näher an den Menschen - und kennen die Kunden." Mit Johannes Rupprecht begann Maria 1988 in einem 33-Quadratmeter-Buchladen am Marktplatz Vohenstrauß. Dem Unternehmer-Paar gehört heute eine der großen Buchhandlungs-Ketten Deutschlands zu gleichen Anteilen. Sie verantwortet den literarischen Part, er den kaufmännischen.

Maria Rupprecht versichert, ihr Engagement gemeinsam mit den Mitarbeitern bei den Kinder- und Jugendbüchern in den Buchhandlungen fortzuführen. Dort finden sich rund um den Welttag des Buchs am 23. April rund 16 000 Schulkinder zum Unterricht vor Ort ein. Maria und Johannes Rupprecht war es ein Anliegen, im Interesse der Beschäftigten eine "Lösung ohne Brüche" hinzubekommen. Der Vohenstraußer Bürgermeister Andreas Wutzlhofer wertet Rupprecht als "Aushängeschild" und beurteilt die Internet-Konkurrenz kritisch: "Sie setzt dem Einzelhandel in den Städten zu."

Kinder hören nach wie vor gerne Geschichten. Das Lesen von Büchern eröffnet ihnen neue Welten.Maria Rupprecht, geschäftsführende Gesellschafterin Rupprecht GmbH

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