Martin Kraus entwickelt Verfahren, um Phosphat zu gewinnen
Klärschlamm als Geldquelle

Ordnerweise Patente kann Martin Kraus vorweisen. Jetzt soll ein neues hinzukommen. Bild: Bühner
Wirtschaft
Vohenstrauß
10.01.2017
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Klärschlamm gibt es in Hülle und Fülle. Phosphor dagegen wird immer rarer und teurer. Der Vohenstraußer Entsorgungsunternehmer Martin Kraus hat ein Verfahren entwickelt, um Phosphor aus dem Schlamm zu gewinnen. Archivbild: Götz

Den Nobelpreis wird Martin Kraus für seine Erfindung wohl nicht bekommen. Wer will sich schon mit dem Thema Kläranlagen beschäftigen? Was der Unternehmer aus Vohenstrauß aber entwickelt hat, klingt fast schon genial.

Kommunen und andere Betreiber von Kläranlagen sollten aufhorchen. Martin Kraus, Geschäftsführer und Eigentümer eines Vohenstraußer Entsorgungstechnik-Unternehmens, hat ein Verfahren entwickelt, bei dem Klärschlamm zu wertvollem Phosphat und Schwermetall umgewandelt wird.

Zwei Euro fürs Kilo

"Gut zwei Drittel des Klärschlamms landen in Verbrennungsanlagen. Wertvolle Phosphate gehen für immer verloren. Dafür fallen sogar noch erhebliche Gebühren an", beschreibt der Unternehmer die aktuelle Situation. Außerdem habe die EU ab dem Jahr 2025 ein Verbrennungsverbot für Abfälle mit über dreiprozentigem Phosphatanteil verabschiedet. Jährlich müssten alleine in Deutschland 140 000 Tonnen Phosphat eingekauft werden. Marokko ist weltweit der Hauptlieferant von Phosphat, das häufig mit Uran und Kadmium belastet ist. Die weltweiten Vorräte sollen maximal nur noch für 50 Jahre reichen. Der Kilopreis liegt derzeit bei zwei Euro. Phosphate werden zu rund 90 Prozent in der Düngemittelherstellung benötigt.

Bei dieser Ausgangssituation lag es für Kraus nahe, über ein Rückgewinnungsverfahren für Phosphate und Schwermetalle aus Klärschlamm nachzudenken. Schließlich hat er ein hauseigenes Labor und kann in der Entsorgungs- und Energietechnik eine lange Liste von Patenten vorweisen. Als ausgebildeter Nutzfahrzeugtechniker bildete er sich einst zum Umwelt-Energie- und Entsorgungstechniker weiter. Und weil Kraus schon immer vom Tüftler- und Erfindergeist geprägt ist, begann er vor einigen Jahren mit Versuchen zur Rückgewinnung von Phosphat und Schwermetallen aus Klärschlamm.

Es sei "eine mehrstufige, chemothermische Behandlung in einem speziellen Verfahrensablauf", erklärt er. Aus einer Tonne Klärschlamm-Trockengranulat könnten bis zu 75 Kilogramm Phosphat und bis zu 15 Kilo Metalle zurückgewonnen werden. Der insgesamt in Deutschland anfallende Klärschlamm könne einen hohen Anteil des gesamten Phosphatbedarfs befriedigen. Daneben könne getrockneter Klärschlamm weiterhin auch "zur CO2-neutralen energetischen Verwendung" eingesetzt werden. Insgesamt ein wichtiger Beitrag, so glaubt Kraus, dass künftig weniger Phosphate importiert werden müssen.

Patent anmelden

Das von ihm entwickelte Verfahren will er demnächst als Patent anmelden. Außerdem plant er, eine Demonstrationsanlage für das neue Verfahren zu errichten. Anlagen dieser Art würden sich für die Betreiber aus dem Verkauf der Rohstoffe rasch amortisieren. Sie eigneten sich auch zur Gewinnung von Phosphat aus Tierknochen und anderen phosphathaltigen Abfallstoffen. Kontakte mit potentiellen Herstellern der Anlagekomponenten seien bereits geknüpft.

Der Unternehmer wird die Anlagen nach Bedarf beim Kunden konfigurieren und für deren Programmierung, Steuerung und Betrieb sorgen. Dass sein Unternehmen in der Entsorgungstechnik über viel Erfahrung verfügt, beweisen die bisherigen Geschäftsfelder. Seit Jahren gilt "Kraus Martin" in vielen Landkreisen als führender Hersteller, Betreiber- und Vertreiber von mobilen und stationären Schlammentwässerungsanlagen. Lang ist die Liste seiner Entsorgungsbereiche. Dazu kommen die Herstellung und der Vertrieb von patentierten Klärschlammtrocknungsanlagen sowie viele Dienstleistungen im Bereich der Grundstücksentwässerung.
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