29.08.2017 - 13:30 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Neue E-Tankstelle in Vohenstrauß kommt nicht gut an Elektroautofahrer sind geladen

Seit Mitte März hat Vohenstrauß eine E-Tankstelle. Ab und an sieht man Autos an der Zapfsäule. Meist handelt es sich aber dabei um keine E-Autos. Das Angebot wird spärlich genutzt. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Die E-Tankstelle in Vohenstrauß wird bislang nicht gut genutzt. Erst 50 Ladevorgänge wurden seit der Errichtung Mitte März gezählt. Den einheimischen Elektroautofahrern ist der Strom schlicht und einfach zu teuer. Bild: ck
von Christine Walbert Kontakt Profil

Kein gutes Haar lassen Lothar Danzl aus Böhmischbruck und der Vohenstraußer Wolfgang Pröls an der neuen E-Ladestation. Seit sechs Jahren versucht der Kfz-Sachverständige Danzl mit seinem Hybrid Ampera, der Umwelt zuliebe hauptsächlich mit Elektroantrieb zu fahren. Die Ladestation in der ehemaligen Kreisstadt werde er jedoch nicht mehr ansteuern.

Danzl und Pröls kritisieren vor allem die hohen Kosten, die noch dazu an der Zapfsäule nirgends ersichtlich seien. "An jeder normalen Tankstelle ist der Preis groß angeschrieben. Bei der E-Tankstelle kann man nicht erkennen, was der Strom eigentlich kostet", wettert Danzl. Vier Wochen nach dem ersten Ladevorgang trudelte die Abrechnung von der Firma NewMotion ein.

Für eine Vollladung mit 11 Kilowatt, mit der sein Ampera dann eine Reichweite von 80 Kilometern schafft, muss er knapp 20 Euro berappen. Pro kW sind das 1,70 Euro. "Und das ist nicht gerade prickelnd." Außerdem ärgern ihn die 30 Cent, die er bei jedem Ladevorgang allein für das Anstecken zahlen muss. Wenn er dagegen seinen Opel zu Hause auflädt, kostet ihn das pro kW 18 Cent. Bei seinem günstigen Nachtstrom-Tarif komme er mit 2 Euro für eine Vollladung aus. "Ich will es ja nicht kostenlos, aber es sollte schon ein fairer Preis sein." Zoe-Fahrer Pröls hat sich im Internet über die Ladestation informiert und entschieden, einen weiten Bogen darum zu fahren: "Es ist zu kompliziert und zu teuer. Und der Standort ist unpassend." Der Stadt macht er den Vorwurf, dass sie sich nicht gut genug informiert habe. Es gebe bessere, günstigere Varianten. Schon alleine die Zapfsäule hätte man 2000 Euro billiger haben können. In anderen Städten wie Inzell oder auch Weiden bekomme der E-Autofahrer den Strom kostenlos. Auch das Prozedere könnte einfacher sein: "Es gibt Säulen, da kannst du mit Bargeld oder Scheckkarte zahlen. In Vohenstrauß brauchst du eine Chipkarte, die nochmal 10 Euro kostet."

Danzl findet noch mehr Kritikpunkte. Das Hinweisschild für die E-Tanke sei zu hoch angebracht. Das Display der Ladestation sei zu mächtig: "Der riesige Bildschirm ist alles andere als benutzerfreundlich. Man muss einen Meter zurücktreten, um besser lesen zu können. Für die Bedienung am oberen Rand ist meine Frau zum Beispiel zu klein." Außerdem seien die beiden Ladeplätze nicht entsprechend markiert und würden häufig von "Verbrennern" besetzt. Zu guter Letzt gebe es immer mal Server-Probleme, die das Laden unmöglich machen.

Bürgermeister Andreas Wutzlhofer staunte nicht schlecht, als er erfuhr, wie teuer der Strom an der E-Tankstelle ist. "Hätte ich das gewusst, hätte ich mir die Sache vielleicht nochmal überlegt", gibt er offen zu. Von einem Sprecher der Bayernwerk AG sei ihm dieser Tage ein Preis von 1,22 Euro pro Kilowatt vermittelt worden. Wutzlhofer: "Die Betankung ist zeitabhängig. Die Abrechnung erfolgt nach Minuten. Wenn die Batterie ziemlich leer ist, saugt sie viel Strom in kurzer Zeit. Das Tanken wird dann billiger. Wenn man allerdings nur so zwischendurch mal tankt, dauert das relativ lange, und dann wirds auch teurer."

Er stellt aber in Aussicht, dass die Preise in Zukunft sinken können: "Die Serviceleistungen unterliegen dem Wettbewerb." Hier könne man vielleicht ansetzen. Den "Verbrennern", die die Parkflächen an der E-Tankstelle besetzen, gibt Wutzlhofer zu Bedenken, dass die Polizei ein Auge auf diese Falschparker habe: "Da sind auch schon welche aufgeschrieben worden."

Manuel Köppl, Pressesprecher der Bayernwerk AG, erklärt, dass Wartung und Instandsetzung der E-Ladesäule durch die Bayernwerk Netz GmbH erledigt werde, einer 100-prozentigen Tochter der Bayernwerk AG. "Über die Nutzung der E-Ladesäule haben wir selbst keine Informationen, da die Abrechnung des Stroms die Firma E-Wald aus Teisnach erledigt. Als Netzbetreiber dürfen wir der gesetzlichen Vorgaben wegen nicht auch noch den Strom an die E-Ladesäule liefern und abrechnen. Netzbetrieb und Vertrieb müssen getrennt erfolgen."

Prozedur vor dem E-Tanken

Tatjana Hartl von der E-Wald GmbH erklärt auf NT-Anfrage, dass bislang rund 50 Ladevorgänge an der Station in Vohenstrauß gezählt worden seien. Wie lang ein Auto lädt, sei abhängig vom Fahrzeug, an welcher Station es lädt und mit welchem Kabel (System) geladen wird. Die Station in Vohenstrauß habe eine Leistung von 22 Kilowatt.

Das Prozedere vor der Nutzung: "Damit man an der Station laden kann, benötigt man einen E-Wald Ladechip. Dieser ist zu bestellen unter https://charge.e-wald.eu/. Einfach registrieren, einloggen und Chip bestellen. Der Chip kostet einmalig 10 Euro und kann dann mit Prepaidguthaben aufgeladen werden." Ebenfalls auf dieser Seite sieht der Kunde den Standort der Station beziehungsweise aller E-Wald-Stationen. Zudem kann man dort dann seine Ladehistorie einsehen.

Grundsätzlich betrage der Minutenpreis an einer 22kW-Station wie in Vohenstrauß mit einer E-Wald-Ladekarte 11 Cent in den ersten zwei Stunden, danach koste die Minute 8 Cent. Langsamlader, zu denen ältere Hybridfahrzeuge zählen, können bei E-Wald Sondertarife beantragen. (ck)

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