Vohenstraußer Bestatterin Christine Schmidt reagiert auf Trend
Selig werden nach eigener Fasson

Herz, Kubus, Fußball oder ein schlichter Baumstamm: Für jeden Charakter gibt es die passende Urne. Die Vohenstraußer Bestattermeisterin Christine Schmidt hat mit ihrem Unternehmen darauf reagiert, dass sich immer mehr Menschen für eine Feuerbestattung entscheiden. Bilder: ck (2)
Wirtschaft
Vohenstrauß
18.08.2017
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Eine exklusive Urne aus Edelplatal stellt den Sternenhimmel dar.

Am Ende eines hoffentlich langen Lebens wünschen sich viele Menschen einen würdigen Abschied von dieser Welt. Feuerbestattungen werden immer beliebter. Wem es nicht egal ist, in welcher Urne er seine letzte Reise antritt, sollte sich rechtzeitig mit dem Thema befassen. Die Bestatterin Christine Schmidt reagiert auf diesen Trend.

Mit ihrem Urnen-Shop trifft die Bestattermeisterin den Nerv der Zeit. Schon vor etwa fünf Jahren begann sie, ihre Idee im kleinen Rahmen umzusetzen. Obwohl in ihrem Unternehmen die Erdbestattungen noch deutlich überwiegen, professionalisierte sie im vergangenen Jahr das Geschäft mit den Urnen. Mittlerweile ist die Auswahl auf rund 1300 Modelle angewachsen. Glas, Porzellan, Keramik, Granit, Holz, Acryl oder Marmor - das Material ist genauso variantenreich wie die Formen und Motive der Behälter, in denen man als Häuflein Staub seinen Frieden finden kann.

"Meistens sind es die Angehörigen, die bestimmen, wie die Urne aussehen soll", weiß die 48-Jährige. Die wenigsten kümmern sich noch zu Lebzeiten anhand einer Bestattungsvorsorge um Details des eigenen Abschieds. Tritt der Fall ein, dass die Hinterbliebenen ein Modell auswählen müssen, sollte man dies als Teil der Trauerbewältigung annehmen. "Schließlich muss man sich dann überlegen, welche Urne am besten zum Verstorbenen passt. Was hat den Menschen ausgemacht? Was würde ihm oder ihr gefallen?"

Schmidt füllt mit ihrem Shop im Internet als eine von wenigen Anbietern eine Marktlücke. Mittlerweile verschickt sie ihre Urnen europaweit. Vornehmlich hat sie Kunden aus dem deutschsprachigen Raum am Telefon, denen sie oft auch Trost spendet.

Letzte Reise im Brummi

Am Ende finde man immer das passende Stück: Vor etlichen Jahren schon trat ein Vohenstraußer, der zeitlebens mit dem Fußball eng verbunden war, seine letzte Reise in einer Fußball-Urne an. Erst vor wenigen Wochen schickte eine Frau ihren verstorbenen Mann - einen Brummifahrer - in einer Nachbildung eines Lastwagens auf seine letzte Reise. Ist denn bei sehr ausgefallenen Exemplaren die Pietät noch gewahrt? Die Bestatterin kann diese Frage nicht nachvollziehen: "Was ist denn Pietät? Es geht einzig und allein um die Wünsche des Verstorbenen oder der Angehörigen."

Naturverbundene Zeitgenossen können ihre letzte Ruhe in einem Stück Baumstamm finden. Rosen, Herzen, Kreuze und trostspendende Sprüche sind als Motive genauso beliebt wie ein Bild des Verstorbenen. Designer-Urnen sollten sich die Kunden laut Schmidt am besten zu Lebzeiten als Dekoration ins Wohnzimmer stellen.

Mit Stil abtreten, das können seit kurzem auch Motorradfahrer. Die speziell für Biker entworfenen Urnen sind kleinere Nachbildungen eines Motorradtanks. Sonderwünsche hinsichtlich der Lackierung werden erfüllt. Mit dem Klassiker "R.I.P", "Last Ride to Heaven" oder dem Konterfei des verstorbenen Bikers erhält der Metall-Behälter eine persönliche Note. Exklusive Unikate zum Beispiel für Harley-Davidson-Fahrer stoßen auf große Resonanz, denn "die Leute trauen sich immer mehr, den letzten Weg individuell zu gestalten". Selbst Urnen für Seebestattungen hat die 48-Jährige im Sortiment. Das Material löst sich im Wasser der Ost- oder Nordsee auf.

Bio-Urnen erwünscht

Eine Einschränkung gibt es jedoch. Auf manchen Friedhöfen sind nur Bio-Urnen zugelassen: "Auf den kirchlichen Friedhöfen der Großgemeinde Vohenstrauß sind nur Bio-Urnen erlaubt." In Oberlind, Waldau und Böhmischbruck müssen also auch Harley-Fahrer auf Öko umsteigen. "Allerdings", so beruhigt die Bestatterin, "bekommt man fast jedes Modell in Bio". Nicht möglich ist es, die Asche zu verstreuen oder mit nach Hause zu nehmen.

Bei der Vorbereitung der eigenen Bestattung seien manche Menschen bemerkenswert entspannt. Schmidt erzählt von einem Ehepaar, das sich Helgoland-Urnen zugelegt hat. Bis sie ihren eigentlichen Zweck erfüllen werden, hat das Paar die Behälter zu Keksdosen umfunktioniert. Ob bunt, einfarbig, edel oder schlicht - ein Abgang mit Charakter will gut und am besten vom Betroffenen selbst vorbereitet sein. Nach 20 Jahren im Bestattungswesen weiß die Vohenstraußer Unternehmerin, worauf es ankommt: "Je persönlicher umso besser."

Die Leute trauen sich immer mehr, den letzten Weg individuell zu gestalten.Christine Schmidt, Bestatterin
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