Wasserzweckverband erläutert Einflüsse des Waldes auf die Qualität des Grundwassers
Kahlschlag lässt Nitratwerte steigen

Lokales
Vorbach
24.01.2004
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Als vorbildlich stellten Vertreter der Fachbehörden die Anstrengungen des Wasserzweckverbandes Vorbacher Gruppe und der Landwirte zur Verbesserung der Nitratwerte heraus. Sie seien getragen von gemeinsamer Verantwortung, Offenheit und Transparenz.

Man befinde sich auf dem richtigen Weg, hieß es. Aber es werde noch Jahre dauern, bis sich Erfolge einstellen: "Denn das Wasser hat ein langes Gedächtnis." In der Informationsversammlung (wir berichteten) wurde auch das Thema Wald und dessen Einflüsse auf das Grundwasser behandelt.

Willibald Hofmann, der Vorsitzende des Zweckverbandes, verwies auf viele wissenschaftliche Untersuchungen, in der Mehrzahl vom bayerischen Umweltministerium finanziert. Auch die Untersuchungen des GeoTeams Bayreuth 1998 in der Region hätten gezeigt, dass die Nitratgehalte von Waldböden abhängig sind vom Zustand des Waldes, den örtlichen Gegebenheiten und anthropogenen Einflüssen. Sie bewegen sich zwischen drei und 21 Kilogramm Stickstoff je Hektar.

Waldanteil entscheidend

Im Mittel sind es laut Hofmann zwölf Kilogramm Stickstoff pro Hektar, die je nach Grundwasserneubildungsrate und abhängig von den Bodenverhältnissen bis zu zehn Milligramm Nitrat je Liter im Sickerwasser führen können.

Ausschlaggebend für die Wasserqualität ist nicht die Lage eines Brunnens im Wald, sondern der Waldanteil im Einzugsgebiet der Wasserfassung. Je größer der Waldanteil und je geringer der landwirtschaftliche Flächenanteil, desto niedriger sind die Nitratwerte im Rohwasser.

Kritischer Zeitraum bezüglich des Nitrataustrags in das Grundwasser ist die Verjüngung des Waldes. Nach Ausführungen von Willibald Hofmann sind Kahlschläge bereits ab 1000 Quadratmetern Fläche als sehr problematisch zu beurteilen. Nach einem Kahlschlag werden infolge der starken Mineralisation in den ersten zwei bis fünf Jahren Nährstoffkonzentrationen im Sickerwasser bis zu 100 Milligramm Nitrat je Liter gemessen. Bei Aufkommen der Schlagvegetation sinkt jedoch der Nitratgehalt wieder rapide ab.

Übermäßige Stickstoffeinträge über die Luft bzw. Nitratausträge über das Sickerwasser werden auch im Bereich von Waldrändern, bei ungünstigem Bestandstyp und Bestandsalter, bei ungünstigen Bewirtschaftungsformen, Standorten, Bodentypen und im Umfeld von starken Stickstoffemittenten wie bei Tiermastanlagen festgestellt. Die höchsten Nitratausträge in den Grundwasserkörper wurden bei sehr dichten Fichtenaltbeständen und starken Eingriffen gemessen. "Viele Forschungsergebnisse in der Vergangenheit zeigen, wie wichtig der Wald für die Zukunftssicherung der Wasserversorgung in der ansonsten intensiv genutzten Landschaft ist", sagte Hofmann. Voraussetzung sei jedoch ein gesunder, naturnaher und stabiler Wald.

Sanfte Bewirtschaftung

Um die Nitratwerte im Grundwasser zu verringern, sind nach seinen Worten sanftere Bewirtschaftungsformen, vor allem auf sandigen Böden wichtig. Eine flache, reduzierte Bodenbearbeitung, etwa durch Mulchsaat, führt nachweislich zu geringeren Nitratausträgen ins Grundwasser. Regelmäßiger Fruchtwechsel, zeitgemäße Düngerausbringung, möglichst in mehreren Gaben, wirken sich ebenfalls günstig aus. Das Ausbringen von Wirtschaftsdünger wie Gülle sollte von Oktober bis Anfang März gänzlich unterbleiben, was allerdings ausreichende Lagerkapazitäten voraussetzt. "Die beste und sicherste Lösung zur Verbesserung und Reduzierung von Austrägen diffuser Stoffe ins Grundwasser ist die Umwandlung von Ackerland zu Dauergrünflächen", unterstrich Hofmann. Der Wasserzweckverband unterstützt gemäß Vereinbarung die Umwandlung mit über 1000 Euro pro Hektar einschließlich die Kosten für den Grassamen.

Sollten sich die Nitratwerte in den nächsten drei bis vier Jahren nicht verbessern, so sind laut Manfred Meier vom Wasserwirtschaftsamt Weiden weiter gehende Maßnahmen erforderlich, etwa die Errichtung von Grundwasser-Messstellen auch außerhalb des Wasserschutzgebietes.