Feuerwehr Vorbach bekommt LF20
Diskussion über neues Löschauto

Der Einmündungsbereich des Kirchplatzes in die Hauptstraße (unser Bild) soll neu gestaltet werden. Dazu hofft die Gemeinde auf weitere Fördermittel des Freistaates aus dem Dorferneuerungsprogramm (siehe Infobox). Bild: do
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Vorbach
15.04.2018
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Groß, größer, am größten: Kein mittleres Löschfahrzeug (MLF), kein Löschgruppenfahrzeug des Typs LF 10 - die Feuerwehr des 500-Einwohner-Dorfes Vorbach bekommt ein Löschgruppenfahrzeug des Typs LF 20, ähnlich der Ausstattung bei einer Stützpunktfeuerwehr. Das gefiel zunächst nicht jedem.

Das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Vorbach kommt in die Jahre. 25 Jahre bringt es auf die Räder. Zeit also, über ein neues Feuerwehrauto anstelle des LF 8/6 nachzudenken. Das tun die Brandschützer und die Gemeindeoberen schon seit über einem Jahr. Allerdings gehen die Meinungen über den künftigen Fahrzeugtyp weit auseinander.

Die Spritzenmänner wünschen sich "was Gscheites", während sich Bürgermeister Werner Roder und Teile des Gemeinderates an der "Bedarfsnotwendigkeit" orientieren wollen. Nach einem wiederholten Meinungsaustausch zwischen den Führungskräften der Wehr bis hinauf zum Kreisbrandrat und den Kommunalpolitikern kam es nun auf Regierungsebene zum "Showdown". Roder lud zum Treffen mit der staatlichen Fachstelle. Das Besprechungsergebnis mit dem Fachberater für Brand- und Katastrophenschutz bei der Regierung der Oberpfalz ergab weitreichende Empfehlungen. Vor allem mit Blick auf den Brandschutz bei der Firma Novem habe der Fachberater nun die Anschaffung eines LF 20 vorgeschlagen, teilte Roder seinen Gemeinderäten mit. "Daran sollten wir uns orientieren", bemerkte der Gemeindechef.

Die Stellungnahme des Fachberaters sei für die Kommune zwar keine bindende Vorgabe, die Argumente für die Notwendigkeit eines Löschfahrzeuges des Typs LF 20 seien jedoch überzeugend, erklärte Roder. Über die konkrete Beladung des Fahrzeugs wollte sich der Bürgermeister noch nicht äußern. "Das muss im kleinen Spezialisten-Kreis besprochen werden", meinte er.

Von großer Bedeutung ist für den Bürgermeister die Frage der Finanzierung. Bei Vergleichen mit jüngsten Beschaffungen ist mit bis zu 400 000 Euro zu rechnen. Hoffnungen setzt Werner Roder neben der staatlichen Förderung auf eine Kostenbeteiligung der Firma Novem. Dieser Wunsch ist auch im einstimmigen Beschluss des Gemeinderates verankert, dessen Formulierung auf einen Zuschuss des Großunternehmens abzielt. "Der Gemeinderat erachtet unter Würdigung der Stellungnahme der Regierung die Beschaffung eines Löschgruppenfahrzeuges LF 20 aufgrund der besonderen Anforderungen, die sich durch den abwehrenden Brandschutz bei der Firma Novem ergeben, für erforderlich", heißt es wörtlich im Beschluss.

Zur Beschlusslage gehört auch die Aufforderung an die beiden Feuerwehr-Kommandanten, einen Vorschlag zur Ausrüstung des LF 20 zu erarbeiten und zugleich Kontakte mit anderen Wehren mit der Zielsetzung aufzunehmen, bei Mehrbeschaffungen einen höheren staatlichen Förderbetrag zu erreichen. Auch an eine Kostenbeteiligung des Feuerwehrvereins ist gedacht. "Die Feuerwehr Vorbach wird um schriftliche Mitteilung gebeten, in welcher Höhe sie sich an den Gesamtkosten der in Aussicht genommenen Ersatzbeschaffung eines LF 20 beteiligt", heißt es in einem weiteren Absatz des einstimmigen Ratsbeschlusses. Eng dürfte es dann im alten Feuerwehrgerätehaus werden, wenn einmal das neue Löschfahrzeug mit einem 2000-Liter-Wassertank anrollt. Roders Erkenntnis war vielsagend: "Die Entscheidung wird auch Auswirkungen auf die Debatte über den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses haben." Mit der Standortverlegung des kommunalen Wohnungsbauvorhabens scheinen die Weichen für ein neues Gerätehaus am Wunschstandort der Wehr gestellt.

Die Hinweise auf die großen Brandlasten des Vorbacher Automobilzulieferers veranlassten Tobias Lautner, auch auf das Gefährdungspotential weiterer Firmen und Projekte mit Wasserarmut vor Ort hinzuweisen. Manfred Plößner erinnerte mit Blick auf die Anschaffung eines LF 20 an zusätzliche technische Anforderungen und Aufgaben der Brandschützer, und Sebastian Pittner stellte fest: "Das Land hat kein Wasser." Da sei ein Löschfahrzeug mit einem 2000-Liter-Wassertank hilfreich. Gerhard Retzer bemerkte: "Denken wir an die vielen Aufgaben der Wehr. Die Zukunft wird uns lehren, gleich das Optimale zu beschaffen." Der dritte Bürgermeister dachte in diesem Zusammenhang auch an ein neues Feuerwehrgerätehaus.

In der Außenwahrnehmung nicht nur auf die Firma Novem zu blicken, sondern die Notwendigkeit eines LF 20 auch auf den Brandschutz vieler anderer Objekte zu projizieren, daran erinnerte Dr. Alexander Goller. Der stellvertretende Feuerwehr-Kommandant Stefan Lautner argumentierte schließlich: "Wir sind eine Gemeinde mit einer komplizierten ländlichen Struktur und einem erheblichen Löschwasserdefizit." Die Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges mit hoher Wasserreserve sei deshalb vorteilhaft.

DorferneuerungZusätzliche Fördermittel versucht der Gemeinderat Vorbach im Zuge der "Einfachen Dorferneuerung" zu generieren. Wichtige Projekte sind bereits realisiert. Doch für immer neue Ideen bedarf es eines Ergänzungsantrages beim Amt für Ländliche Entwicklung und der Erweiterung des Fördergebietes.

Das Antragsverfahren für die Bezuschussung weiterer öffentliche Maßnahmen aus dem Dorferneuerungsprogramm in Vorbach eilt. Das Verfahren für "Vorbach 3" steht vor dem Abschluss. Doch Projekte, den Ortskern des Dorfeszu verbessern, gibt es noch genug. Vorstellbar sind für Bürgermeister Werner Roder die Errichtung einer Stützmauer oder einer Gabionenwand auf dem Grundstück mit der Flurnummer 20 südlich des Kriegerdenkmals, das Anbringen einer Vorsatzschale aus Naturstein südlich der Betonstützmauer auf dem Grundstück mit der Flurnummer 55/2 in der Hauptstraße, die dorfgerechte Neugestaltung des Einmündungsbereiches des Kirchplatzes in die Hauptstraße, ein Ersatz der Betonpalisaden im Bereich der Filialkirche St. Anna durch eine Stützmauer aus Naturstein und ein Kellerabbruch zur Sicherung einer Böschung. Alle Maßnahmen wären eine gute Abrundung zu bereits realisierten Projekten, zum Neubau des kommunalen Wohngebäudes und für die künftige Nutzung des Flurgrundstücks Nr. 20, urteilte Roder. Er empfahl zudem Grundstückseigentümern, sich am Maßnahmenpaket der Gemeinde zu beteiligen. Mit diesen Vorstellungen will er in Folgeverhandlungen mit dem Amt für Ländliche Entwicklung treten. Der Segen des Gemeinderates war dem Sitzungsleiter gewiss. Einstimmig beauftragte das Gremium den Bürgermeister mit raschen Verhandlungen. (do)
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