18.08.2017 - 17:10 Uhr
VorbachOberpfalz

Oberbibracher bietet Webcam im Hühnerstall an Sand schlägt Chemie

Fipronil muss nicht sein: Hühner lassen sich auch ohne Chemie frei von Flöhen halten. So macht es Dominik Eckert mit seinem Betrieb in Oberbibrach. Nach dem erneuten Ei-Skandal steigt bei ihm die Nachfrage - trotzdem könnte er weinen. 

Dominik Eckert mit einem seiner Hühner Archivbild: juh
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Von Sofie Dressler

Oberbibrach. Herrliches Badewetter bot die vergangenen Woche. Dies wurde nicht nur in den Freibädern ausgenutzt. Auch bei den Hühnern von Dominik Eckert war Baden angesagt - allerdings im Sand. "Ein Sandbad ist wichtig für die Hühner. Es ersetzt das Insektenmittel. Die Hühner baden sich die Flöhe auf diese Weise ganz natürlich aus dem Gefieder", erklärt Eckert. Und weil der Hühnerfreund auch bei der Nachzucht auf Naturbrut setzt, bekommen die kleinen Küken die richtige Federpflege gleich von der Glucke beigebracht. Insektenschutzmittel wie Fipronil braucht es da nicht. Dank natürlicher Haltung mit großer Freilauffläche kann Eckert sich die Chemiekeule sparen. Entsprechend gesund sind die Eier seiner Hühner.

Eckert betreibt in Oberbibrach das Internetangebot My-Lucky-Ei. Verbraucher können dort Patenschaften für Hühner übernehmen, das Leben "ihrer" Tiere per Webcam verfolgen und bekommen dann auch ihre Eier per Post zugesandt. "Mir tut das Herz weh, wenn ich sehe, wie Eier nun containerweise vernichtet werden. Der Verbraucher weiß gar nicht, wie viel Arbeit in einem guten Ei steckt", bedauert Eckert. "So ein Ei wird nicht im 3-D-Drucker produziert oder kommt aus dem Kaugummiautomat." Hennen bräuchten 24 Stunden bis ein Ei entsteht. Beim Legen haben sie oft zu kämpfen. Dazu käme der Aufwand an Pflege und Futter. Weizen, Gerste, Mais und frischen Quark schlemmen die Hühner auf seinem Hof. Jedes Mal wenn in den Medien von einem Skandal bezüglich Hühnern berichtet wird, fragen auch die Kunden von Eckert nach. "Man merkt, dass die Medien die Leute sensibilisieren." In diesen Zeiten seien seine Eier fast doppelt so gefragt. Den Markt kann er nur bedingt bedienen. "Ich bringe mit meinen Hennen einfach nur eine bestimmte Menge her."

Der Fipronil-Skandal ist seiner Meinung nach nur ein Symptom von Missständen im System der gewerbsmäßigen Hühnerzucht. "Das einzig sinnvolle wäre eine Dezentralisierung der Haltung. Kleingruppen mit 100 bis 150 Tieren, je nach Platzangebot, sind optimal. Jede Ortschaft bräuchte wieder ihre eigene Eierversorgung. Zudem kostet das Ei eines gesunden Huhns 30 bis 40 Cent", sagt Eckert. Die Verbraucher müssten umdenken und wieder Achtung vor den Tieren gewinnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sei ein Ei so wertvoll gewesen, dass es eines der beliebtesten Tauschmittel auf dem Schwarzmarkt war. Zudem müsse man bei Kindern in den Schulen anfangen, sie mit den Tieren auf dem Hof vertraut zu machen. "Für den ein oder anderen mit Garten ist es vielleicht ein Weg, selbst Hühner zu halten. Die meisten Menschen wissen einfach zu wenig, wie es funktioniert. Es ist nicht sehr arbeitsintensiv. Ich helfe interessierten Einsteigern jederzeit gerne weiter", bietet Eckert an.

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