27.02.2018 - 18:12 Uhr
Vorbach

Dorfladen Vorbach Familiär einkaufen wie früher

Seit Oktober 2017 hat Vorbach einen Dorfladen, Bürgermeister Werner Roder ist zufrieden. Ein typischer Vormittag im Laden ist vorbei: 55 Kunden sind gekommen, guter Durchschnitt. Für die Zukunft gibt es Pläne, damit es noch mehr werden.

Die Vorbacher kaufen bereits am Vormittag im Dorfladen ein. Hier finden sie alle Grundnahrungsmittel und auch die ein oder andere Spezialität. Bilder: msh (3)
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

"Der Reis braucht noch ein wenig", ruft Sabine Hacker-Zeitler aus der Küche dem älteren Herren am Tisch zu. Der hat sich das Mittagsmenü bestellt. Es gibt Putengeschnetzeltes. Fünf Minuten vergehen, dann kommt Hacker-Zeitler, grünes Polo, dunkelblaue Schürze, zum Tisch und bringt die Beilage. "Guten Appetit, lass es dir schmecken", sagt sie mit einem Lächeln. "Bisher hat es doch immer geschmeckt Sabine", erwidert der Mann und lacht.

Mit vielen Kunden sind Sabine Hacker-Zeitler und ihre Kolleginnen Angelika Meier und Evi Sloot im Dorfladen in Vorbach bereits per Du. "Seit fünf Jahren wohne ich nun hier. Damals kannte ich niemanden. Inzwischen hat sich das durch meine Arbeit im Laden wahnsinnig verändert", erzählt Hacker-Zeitler. Um 4 Uhr steht sie auf, ab 5.30 Uhr ist sie im Dorfladen, der um 6 Uhr öffnet.

Kurz vor 7 Uhr wuseln Schulkinder mit viel zu großen Schulranzen durch den Laden. Sie kaufen sich Pausenbrote oder Süßigkeiten. Die Verkäuferinnen kennen die meisten Kinder. "Na Jungs? Was darf es sein?", fragt Sabine Hacker-Zeitler. "Wir überlegen noch", antworten die beiden Jungen unsicher. Die große Auswahl an Backwaren überfordert sie. Gerade noch rechtzeitig entscheiden sie sich, denn der Schulbus fährt vor. Ein Nachzügler zahlt eilig und hetzt aus dem kleinen Laden. Schlagartig ist er wie leer gefegt.

Der Dorfladen liegt mitten im Ort an der Hauptstraße. "Es ist schon praktisch für die Schulkinder. Der Bus hält vor der Tür und sie können sich hier ihre Brotzeit mitnehmen. Im Winter kaufen viele auch gar nichts, sondern setzen sich zum Aufwärmen in die Kaffee-Ecke", erklärt Hacker-Zeitler. Die Kunden bekommen hier alles, was sie brauchen: Bäckerei, Metzgerei, Kiosk und Supermarkt. In der Sitzecke finden zehn Leute Platz und können die frisch zubereiteten Mittagessen oder die selbst gebackenen Kuchen genießen. Das Radio läuft im Hintergrund.

Der Laden ist modern eingerichtet, schwarze Lederbezüge auf den Stühlen, neuwertige Regale und eine Eingangstür, die automatisch öffnet und schließt. Zu kaufen gibt es viele Produkte aus der Region. "Der absolute Renner ist das Buchauer Holzofenbrot. Dafür kommen die Leute sogar aus anderen Orten. Leider kommt der Lieferant nur am Dienstag", erzählt Evi Sloot. Zudem beliefern ein Bäcker aus Pressath und eine Fleischerei aus Grafenwöhr den kleinen Laden.

Nach den Schülern kommen einige Mitarbeiter der Gemeinde in den Dorfladen. Im Winter sind es die Männer vom Streudienst, die sich nach ihrer ersten Tour einen Kaffee holen. Angelika Meier und Sabine Hacker-Zeitler wissen genau, wann die Männer vorbeikommen. Zwischendurch wischen die beiden Angestellten durch und fegen den Dreck auf. "Im Winter ist alles gleich nass. Die Kinder laufen viel durch den Laden. Aber es muss sauber sein, deswegen putzen wir gleich hinterher", sagt Angelika Meier. Im Laufe des Vormittags kaufen viele Rentner im Dorfladen ein. "Für die ist es sehr praktisch, wenn sie nicht fahren müssen", weiß Meier.

Bürgermeister Werner Roder ist zufrieden mit dem Dorfladen: "Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Das Ziel ist, in drei Jahren eine schwarze Null einzufahren." Berater Wolfgang Gröll prognostizierte im ersten Jahr einen Umsatz von 350 000 Euro. Genaue Zahlen will Roder nicht nennen, aber der Dorfladen liege im angepeilten Bereich. Für ihn sei er auch ein sozialer Treffpunkt. Hacker-Zeitler bestätigt: "Es ist irgendwie familiär. Das gibt es leider nicht mehr so oft." Die meisten Kunden sind aus Vorbach. "Bei einer Bürgerbefragung vor dem Bau hatten wir 89 Prozent Zustimmung aus Vorbach. Aus Oberbibrach waren es immerhin auch noch um die 33 Prozent", blickt Roder zurück.

"Es ist schon so, dass manche den Laden lieber in Oberbibrach gesehen hätten. Wenn du ins Auto steigst, kannst du auch gleich nach Eschenbach oder Kemnath fahren", erklärt ein Oberbibracher, der regelmäßig in den Laden kommt. Den Bürgermeister überrascht das nicht: "Je näher der Laden am Wohnort ist, desto mehr wird er genutzt." Es ist ein Angebot an die Bevölkerung. "Wir wollen die Gegend entwickeln und deswegen müssen wir die Attraktivität im Ort hoch halten", erläutert er. Und das Feedback der Kunden ist sehr direkt. "Herr Roder, ich kann meinen Hund nirgends anleinen", ruft eine Kundin dem Bürgermeister zu. "Kommt auf die Liste", antwortet er lächelnd. Die Gemeinde plant bereits ein Feedback-Projekt, eine Art "Kummerkasten". Auch um zu sehen, welche Produkte die Kunden haben wollen.

Im Laufe des Vormittags kommen immer mehr Leute, die sich bereits ihr Mittagessen sichern. Viele sind auf der Durchreise: Kaminkehrer, Hauskrankenpfleger, Förster oder Bauarbeiter. "Ich finde es gut, dass es so einen Laden in einem Dorf gibt. Dann kann ich mich auch für ein kurzes Mittagessen hinsetzen", meint ein Mitarbeiter der bayerischen Staatsforsten.

Briefe und Pakete geben die Bürger ebenso im Laden ab. "Es gibt auch die Möglichkeit einen Ablagevertrag zu schließen. Wenn man tagsüber nicht zu Hause ist, dann werden die Pakete hier abgegeben und man kann sie abholen", erklärt Bürgermeister Roder. Ein Briefkasten der Deutschen Post steht bereits vor dem Laden. Die Bürger nehmen dieses Angebot an. Fünf Pakete und drei Briefe werden an diesem Vormittag aufgegeben. Auch die Firma Novem nutzt dieses Angebot und spart sich die Fahrt nach Creußen.

Deren Angestellte sind um die Mittagszeit gute Kunden. Selbst gemachter Pizza-Leberkäse und ein täglich wechselndes Mittagessen sind sehr beliebt. "Es ist preiswert und die Qualität stimmt auch", lobt ein Mitarbeiter der Firma, während fünf weitere Kollegen sich ein Mittagessen besorgen. "Es ist auch praktisch, wenn man nach der Arbeit noch etwas einkaufen will." Eine Kundin kommt mit zwei Töpfen in den Laden. "Einmal Mittagessen und packen Sie es doch gleich hier rein", sagt sie und hält Evi Sloot die silbernen Töpfe hin. Dem Wunsch kommt sie natürlich nach. Es stimmt schon, wenn Sabine Hacker-Zeitler sagt, dass vieles im Laden an früher erinnert. Die Süßigkeiten, die sich die Kinder vor oder nach der Schule holen oder eben Hausfrauen, die sich das Mittagessen mit dem Topf abholen.

Für die Zukunft haben die Angestellten und die Gemeinde bereits Pläne geschmiedet. Ab März ist auch am Donnerstag von 6 bis 18 Uhr geöffnet. Bisher war Ruhetag. Im Sommer will der Dorfladen ein spezielles Treffen für Frauen einrichten. "Da gibt es dann Kaffee und Kuchen zum Spezialpreis", kündigt Hacker-Zeitler an. Viele Kunden schätzen die familiäre Atmosphäre im Dorfladen und dieses Gefühl will Bürgermeister Roder in Zusammenarbeit mit den Angestellten weiter ausbauen. 55 Kunden hat der Dorfladen an diesem Mittwochvormittag. "Zwischen 100 und 150 sind es am Tag", bestätigt Evi Sloot. Einige davon hat das Konzept des Dorfladens bereits überzeugt. "Einkaufen vor Ort bedeutet auch ein Stück mehr Lebensqualität", erklärt Roder.

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