04.09.2017 - 15:12 Uhr
WackersdorfOberpfalz

"Berggeist" wieder unterwegs Mit "Toni" durch alte Gruben

Viel Wissenswertes über den Bergbau in der Region, verpackt in eine Liebesgeschichte: Die "Berggeistwanderung" im ehemaligen Abbaugebiet ist ein Publikumsmagnet. Nicht nur wegen des "Happy End".

Berggeist "Toni" (vorne) vermutet hinter den Wanderern Bergleute, die sich von der harten Arbeit im Kohle-Abbau drücken wollen. Bild: Hirsch
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Mitglieder des Knappenvereins begrüßten die 50 Wanderer mit dem Steigerlied und schickten sie anschließend auf die Berggeist-Tour um den Knappensee. Begleitet wurden die Gäste von Fritz Falter und Willy Braun, die die Teilnehmer über die Geschichte der Braunkohlenförderung rund um Wackersdorf und Steinberg am See informierten. Neu aufgenommen ins Programm der Wanderung wurden das Geotop 99, die Brikett-Presse und das Schaufelrad, das einzige übrig gebliebene Relikt aus der Kohle-Vergangenheit.

Schon in der Vorzeit suchten Menschen nach Steinen und Erzen. Gute und böse Geister beherrschten damals die Glaubenswelt und sollten viele Naturerscheinungen erklären. Besonders empfänglich hierfür waren die in der Finsternis der Schächte arbeitenden Bergleute. Der "Berggeist" war überall, er strafte und belohnte. Auch in Wackersdorf. Dort schlüpfte Anton Bauer in diese Rolle. Der Grubenaufseher und Steiger starb im Dezember 1969 im Alter von 88 Jahren.

Bis zu 1700 Beschäftigte

Von ihm erzählten am Samstag Fritz Falter und Willy Braun bei der Berggeistwanderung um den Knappensee. Über 30 Jahre nach dem Ende der Braunkohlenindustrie lassen die Gemeinden Wackersdorf und Steinberg am See die achtzigjährige Bergbaugeschichte wieder aufleben. Im dortigen Revier förderten bis zu 1700 Beschäftigte insgesamt 180 Millionen Tonnen Braunkohle zutage.

Am 5. Februar 1906 schlug die Geburtsstunde der "Bayerischen Braunkohlen-Industrie" (BBI). 100 Jahre waren vergangen, seit der Schneidermeister Andreas Schuster beim Graben eines Brunnens "schwarze Erde" gefunden hatte. Während des Zweiten Weltkrieges entstand der Plan, Alt-Wackersdorf umzusiedeln.

Das Kraftwerk Dachelhofen brauchte mehr Kohle. Ab Oktober 1948 wurde damit begonnen, die Ortschaft mit 1200 Einwohnern umzusetzen. Die BBI ließ sich die Maßnahme viele Millionen kosten, auch die Gemeinde steuerte ihren Teil bei. Wenn heute vom Berggeist die Rede sei, dann wisse jeder, "dass damit der erste BBI-Steiger Anton Bauer gemeint war", erklärt Fritz Falter den Teilnehmern.

Ein Schauspieler der "Stadtmaus Regensburg" spielt den Berggeist "Toni", der hinter den Wanderern Bergleute vermutet, "die sich wieder einmal vor der Arbeit drücken wollen". Toni erinnert im szenischen Spiel an die Weltwirtschaftskrise, geht durch die Reihen und machte den Umstehenden klar: "Die fetten Jahre sind vorbei".

In der zweiten Szene taucht dann die "Gustl" auf, ein junges Mädchen aus dem Kraftwerks-Standort Dachelhofen, das sich als Bergmann verkleidet, um "ihrem geliebten Toni" nahe zu sein. Doch der Berggeist vertreibt den "Gustl", weil er die Leute nur von der Arbeit abhält.

Neue Technik

Die Wanderer erfuhren etwas von der neuen Technik beim Kohleabbau, von den riesigen Schaufelbaggern und von den Unfällen, die sie ausgelöst haben. Ein Happy-End fand die Liebesgeschichte zwischen dem "Toni" und dem "Gustl" am Ende der fünften Szene. Ausgangs- und Endpunkt der dreistündigen Wanderung war das Museum auf dem ehemaligen BBI-Gelände. Nach der Rückkehr bekamen die Teilnehmer in der Johanniter-Unterkunft als Verpflegung eine pikante Gulaschsuppe.

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