13.04.2018 - 20:00 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Wackersdorf-Film kommt am 20. September in die Kinos Noch fehlt der richtige Ton

Ingo Fliess hat ihn schon gesehen, den Spielfilm "Wackersdorf" - die geschnittene, aber noch nicht kinoreife Fassung. Er ist der Produzent der Geschichte über zivilen Ungehorsam, Glaubwürdigkeit und Entschlossenheit. Bis die Story über die Leinwände flimmert, ist noch viel zu tun.

Ungefähr zehn bis zwölf Mal so viel Material wurde gedreht, wie letztendlich für den zweistündigen Spielfilm gebraucht wurde. Von den Komparsen werden sich die meisten wieder sehen. Bilder: Götz (3)
von Irma Held Kontakt Profil

"Der Film ist fertig geschnitten", sagt Fliess auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Begonnen wurde damit unmittelbar nach Abschluss der Dreharbeiten, die im Oktober und November in der Region, beispielsweise in Schwandorf und Schwarzhofen, und in München stattfanden. In der Landratsamtskantine traf der echte Schuierer auch sein Filmdouble (Johannes Zeiler). Das Schneiden dauerte "mit Denkpausen" vier bis fünf Monate, nahm also deutlich mehr Produktionszeit in Anspruch als das Drehen. In rund sechs Wochen war abgedreht.

Zwei Stunden

Manches fällt beim Schneiden unter den Tisch. Es gebe Szenen, die würden so geschrieben, so gedreht und seien super geworden, aber es gebe auch Szenen, die man nicht mehr brauche oder die man sich einfach toller vorgestellt habe, als sie geworden seien. "Man schneidet viel raus, was man mühsam hergestellt hat", erklärt Fliess am Telefon. Zwei Stunden dauert die Geschichte um Altlandrat Hans Schuierer und die Widerstandsbewegung gegen die WAA (Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Kernelemente). Menschen, die Courage besaßen, sich gegen die Staatsregierung und Franz Josef Strauß zu stellen. Schuierer ist neben dem damaligen Juristen am Landratsamt Claus Bößenecker, die einzige echte Figur dieser Zeit. Alles andere sind Typen aus der Gegner- und Befürworterseite, deshalb erhebt der Film keinesfalls einen dokumentarischen Anspruch, auch wenn ihm reale Ereignisse zugrunde liegen.

Das Drehverhältnis ist bei Spielfilmen nach den Worten des Produzenten 1:10 bis 1:12, das heißt es wird zehn- bis zwölf Mal mehr Material produziert als die endgültige Fassung braucht. Komparsenszenen seien sehr wenige gecancelt worden. Eine beruhigende Mitteilung für die lebenden Kulissen aus der Region - es waren rund 200 Laien eingesetzt - hat er auch parat.

Viele treibt nämlich seit den Dreharbeiten die Frage um: Sind wir zu sehen? "Die meisten werden sich wieder sehen", versichert Fliess. Dabei sind in den mit professionellen Schauspielern besetzten Rollen, unter anderem die aus Schwandorf stammende Anna Maria Sturm und der "Franken-Tatort"-Kommissar Fabian Hinrichs zu sehen.

Wind machen

Derzeit läuft die Tonbearbeitung. Neben dem Visuellen spielt das Akustische eine nicht zu unterschätzende Rolle. "Die Musik ist zu 90 Prozent komponiert." Auch ohne Geräusche kommt kein Streifen aus, zum Beispiel muss Wind gemacht werden. "Und jeder Raum hat seinen eigenen Klang", ergänzt Fliess. Hinzukommen die Dialoge. Nach der Tongestaltung folgt die Tonmischung, die Ende Mai erledigt werden soll. Dem Bundesstart sieht er ganz entspannt entgegen. Unter Zeitdruck stünde die Produktion nicht. Und das Wichtigste wird sich erst offenbaren, wenn nicht nur diejenigen, die daran arbeiten, das Werk kennen: "Man weiß erst, was für einen Film man gemacht hat, wenn man ihn mit Publikum gesehen hat."

Ab 20. September in den Kinos

Der Münchner Filmverleih Alamode hat den Bundesstart von "Wackersdorf" unter der Regie von Oliver Haffner für Donnerstag, 20. September 2018, angekündigt. Der Verleiher bewirbt ihn in einer ersten Meldung an die das Projekt betreuende Agentur mit den Worten: Das packende Polit-Drama erzählt von dem legendären Widerstand gegen die geplante atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf in den 1980er Jahren. Johannes Zeiler spielt den Landrat Hans Schuierer, der sich mit der Strauß-Regierung anlegte und kompromisslos für Recht und Gerechtigkeit kämpfte. Ein Film über die Geburtsstunde der zivilen Widerstandsbewegung in der BRD. Laut Produzenten Ingo Fliess wird es eine Premiere vor dem Bundesstart geben - "mein Wunsch wäre in der Oberpfalz". Außerdem würde er den Streifen gerne auf einem Festival dem Publikum zeigen. Neben seiner Firma "if...productions" sind der Bayerische Rundfunk und Arte Co-Produzenten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp