01.06.2005 - 00:00 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Wackersdorf und seine drei Ehrenbürger - Erstmals gemeinsam in der Gemeinde Als die Entscheidungen fielen

von Redaktion OnetzProfil

Wackersdorf besitzt drei Ehrenbürger. Gestern gelang es erstmals, alle drei gemeinsam in die Gemeinde zu bringen. Die Terminlage passte und so verbrachten Dr. Jochen Holzer, Gert Wölfel und Udo Geflitter zusammen mit Bürgermeister Alfred Jäger den Tag, wobei die alten Wirkungsstätten und damit verbunden die Erinnerungen im Vordergrund standen.

Am Mittag freute sich Alfred Jäger in der "Villa Murano" darüber, dass die Gäste der Einladung folgen konnten. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der OBAG und des Bayernwerks, Dr. Jochen Holzer, sei maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass Wackersdorf zur Industriegemeinde avancierte.

Dank des Bürgermeisters

Gleiches bescheinigte der Bürgermeister Gert Wölfel, dem vormaligen Vorstandsmitglied der DWK (Deutsche Gesellschaft zur Wiederaufarbeitung abgebrannter Kernbrennstoffe) und der OBAG. "Wölfel ist nach dem Aus der WAA hier geblieben, er engagiert sich seitdem privat und gesellschaftlich in der Gemeinde."

Auch Udo Geflitter sei mit Wackersdorf eng verbunden. Er habe für BMW den Standort Wackersdorf zum Innovationspark mit heute 2700 Arbeitsplätzen ausgebaut. Insgesamt seien dort rund 3500 Menschen beschäftigt. Dr. Jochen Holzer, seit 1991 gemeinsam mit Gert Wölfel Ehrenbürger, blendete zurück und konstatierte, dass er schon recht früh mit der Oberpfalz Kontakt bekam. In seinem Rückblick spielte natürlich die Wiederaufarbeitungsanlage eine Rolle: "Ich habe das sehr massiv betrieben, dass die WAA nach dem Scheitern in Niedersachsen in die Oberpfalz kommt."

Wackersdorf habe auch deswegen im Fokus gestanden, weil die Bayerische Braunkohle Industrie ausgelaufen sei. Mithin hätten die 1600 avisierten Arbeitsplätze in einer WAA eine erhebliche Rolle gespielt.

Jenseits der Vorstellung

Dann sagte Dr. Holzer einen bemerkenswerten Satz: "Wir konnten uns nicht vorstellen, dass in der Region ein solch ungemein großer Widerstand gegen das Projekt entstehen würde." Das Schicksal der WAA sei letztlich endgültig besiegelt worden, als die Franzosen eine wirtschaftliche Übernahme der Wiederaufbereitung in La Hague anboten.

"Wir hatten viele Freunde hier und klar war auch, dass wir Wiedergutmachung für die Probleme leisten mussten", erinnerte sich der Sprecher. In einer "Nacht- und Nebelaktion" seien 500 Millionen Mark für Ansiedelungen locker gemacht worden. "Daraus wurde der Innovationspark, heute betrachtet eine tolle Sache", ergänzte er. Die Tragödie habe sich in ein gutes Ende verkehrt. Der Mann, der den Innovationspark realisieren musste, kam 1993 nach Wackersdorf. Udo Geflitter erhielt von BMW den Auftrag, 1600 Arbeitsplätze zu schaffen. Über das "wie" sei gestritten worden, das klassische Produktionswerk wurde schließlich ad acta gelegt.

"Modell funktioniert"

Heraus gekommen sei eine Produktionslinie mit mehreren Zulieferern und dieses Modell funktioniere, minimiere Probleme und spare immens Zeit, sagte Geflitter. Aus den 1600 Arbeitsplätzen seien jetzt 2700 geworden. "Es war mein schwierigstes, aber auch mein schönstes Projekt", so der ehemalige BMW-Manager.

Der Dritte im Bunde, Gert Wölfel, freute sich, dass in Wackersdorf die Verbindung von modernem Industriestandort und Touristik gelinge. Das Vorantreiben der Infrastruktur, beispielsweise mit Großkläranlage und Turnhalle, sei ein wichtiger Faktor. Nun müsse noch ein verstärktes Augenmerk auf die Verbesserung der Verkehrsanbindung gelegt werden.

Am Vormittag sahen sich die drei Ehrenbürger mit Alfred Jäger im Innovationspark um. Am Nachmittag stand der touristische Aspekt von Wackersdorf auf dem Programm.

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