27.09.2017 - 17:46 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Diskussion im Mehrgenerationenhaus Mediziner dringend gesucht

Einer der drei niedergelassenen Hausärzte in Wackersdorf sucht einen Nachfolger. "Keine leichte Aufgabe", stellte Bürgermeister Thomas Falter bei einem Podiumsgespräch am Montag im Mehrgenerationenhaus fest. So wie Wackersdorf ergeht es vielen ländlichen Gemeinden. Sie suchen händeringend nach medizinischem Nachwuchs.

"Allgemeinmedizin auf dem Land - ein Auslaufmodell?" Darüber diskutierten (von links) Dr. Alexandra Wudy, Franziska Büttner, Dr. Klaus Zeitler, Dr. Thomas Ewert, Dr. Marco Roos, Dr. Marie-Luise Vogel, Bürgermeister Thomas Falter und Dr. Hans Rosenbeck von der Schule für Dorf- und Landentwicklung. Bild: Hirsch
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Bei der Frage nach dem Handlungsbedarf der Gemeinde nannten die Wackersdorfer Bürger die medizinische Versorgung an erster Stelle. Das rief den Bürgermeister auf den Plan. Er nahm Kontakt mit der Schule für Dorf- und Landentwicklung Plankstetten auf, die Handlungsstrategien gegen den drohenden Hausärztemangel anbietet und Veranstaltungen vor Ort organisiert. Dr. Marie-Luise Vogel (Neumarkt), Vorstandsbeauftragte für die Hausärzte der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), wies auf die Verbesserungen für die Allgemeinmediziner hin, "die keinen Dienst rund um die Uhr zu machen und auch keine Regressansprüche der Kassen mehr zu befürchten brauchen". Die KVB zahle jungen Nachwuchskräften einen Betrag von bis zu 850 Euro im Monat, "wenn sie aufs Land gehen".

Anreize schaffen

Dr. Thomas Ewert vom Kommunalbüro für ärztliche Versorgung am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erläuterte die Stipendienprogramme für Studenten, die sich verpflichten, nach dem Examen für fünf Jahre in einer ländlichen Praxis zu arbeiten. In seinen Augen sei die Struktur der Einzelpraxen ein Hemmnis. Besser seien größere Einheiten mit mindestens zwei Medizinern, "die sich im Dienst abwechseln können". Den Numerus Clausus hält Dr. Marco Roos, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni-Klinik Erlangen und Vorstand des Verbandes "Junge Allgemeinmedizin Deutschland", weiter für sinnvoll, "weil er der Garant für den erfolgreichen Abschluss des Medizinstudiums ist". Gemeinden könnten mit guten Rahmenbedingungen durchaus junge Leute auf das Land locken.

In vielen Fällen sei der junge Landarzt aber gar nicht das Problem, sondern dessen Partnerin, die, gut ausgebildet, ebenfalls eine berufliche Perspektive brauche. Auch hier könne ein Bürgermeister Impulsgeber und Türöffner sein, so Dr. Roos. Eine andere Möglichkeit der Hausarzt-Anwerbung stellte Dr. Alexandra Wudy vor. Sie gründete die Ferienakademie Altmühl-Franken, in der Medizinstudenten und niedergelassene Ärzte regelmäßig gemeinsam ihre Freizeit verbringen und sich austauschen.

"Tolle Erfahrung"

Eine jener Studentinnen ist Franziska Büttner, die von "einer tollen Erfahrung" in der Ferienakademie berichtete. Sie rät den Kommunen, den Hochschulabsolventen bei der Wohnungssuche behilflich zu sein und finanzielle Anreize zu schaffen.

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