11.07.2017 - 15:12 Uhr
WackersdorfOberpfalz

Ehemaliger Gymnasiallehrer Karl Kirch hält Vortrag beim Wackersdorf Treff "Ketzer" Martin Luther und Jan Hus im Fokus

Die Ketzer der frühen Neuzeit wurden von der Kirche unerbittlich verfolgt. "Warum diese Härte, dieses unversöhnliche Vorgehen? Ging es um die Wahrheit? Um das Seelenheil?" Karl Kirch hat beim Wackersdorf-Treff eine ganz andere Ursache ausgemacht.

Karl Kirch nahm sich beim Wackersdorf-Treff des Themas "Die Bibel, die Kirche und die Ketzer - Jan Hus und Martin Luther" an. Bild: Dobler
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

"Es ging um viel, viel mehr", versicherte der in Amberg lebende, ehemalige Gymnasiallehrer, der auf Einladung der Schwandorfer evangelischen Kirchengemeinde zum Vortrag nach Wackersdorf gekommen war. Dort hatten sich, im neu renovierten Saal der Friedenskirche, Interessierte aus dem ganzen Landkreis eingefunden - zur Freude der Veranstalter gab auch Altlandrat Hans Schuierer der Veranstaltung die Ehre des Erscheinens.

Laut Karl Kirch hatten Martin Luther und Jan Hus, die beiden "Ketzer", um die es an diesem Abend ging, dieselbe Achillesferse der damaligen Kirche aufgedeckt, beide gefährdeten die Existenz des spätmittelalterlichen Kirchensystems und des Klerus. "Es ging nicht um den rechten Glauben. Es ging vielmehr um Macht und Geld."

Es war die Zeit des Frühkapitalismus, in der sich so gut wie alles um das Geld drehte. Der Kaiser wie die Fürsten, die Bergleute wie die Schiffbauer - alle brauchten es, ohne Geld ging nichts mehr, alles war käuflich, Bestechung und Wucher florierten, alle suchten nach neuen Geldquellen, auch die Bischöfe, die Kardinäle und der Papst.

Und so kam man auf die Idee, Ablass für Geld anzubieten. 1410 wurde ein Ablass ausgerufen, damit der Papst einen Krieg gegen Neapel führen konnte. Hus widersprach wie später Luther auch, für beide war der Ablassverkauf der Anlass zum Widerstand. "Allerdings trafen sie damit die Kirche an ihrer verwundbarsten Stelle. Jetzt musste die Kirche hart reagieren, für Hus hat dies das Todesurteil bedeutet."

Jan Hus hatte noch an das Konzil geglaubt, hatte gehofft, in Konstanz gehört zu werden, er war dann mutig, auf Gott vertrauend den Weg zum Scheiterhaufen gegangen. Luther hatte diesen Weg 100 Jahre später noch vor sich, und er begann darüber nachzudenken, worauf er denn bei der Suche nach der Wahrheit bauen könnte. Dieses Nachdenken stieß die Tür auf zur Reformation, zur Kirchentrennung und zur Neuzeit.

Es ging nicht um den rechten Glauben. Es ging vielmehr um Macht und Geld.Referent und ehemaliger Gymnasiallehrer Karl Kirch
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