21.08.2017 - 16:20 Uhr
WaidhausOberpfalz

Aussichtsturm im Rozvadover Ortsteil Brand Blick übers Grenzgebiet

Die wenigen Aussichtstürme in der Oberpfälzer Grenzregion vereinen lange Anmärsche und Standorte mitten im Wald. Doch es geht auch anders.

Der Aussichtsturm bei Brand ist 30 Meter hoch und frei zugänglich. Eine asphaltierte Straße führt bis vor den Eingang. Bild: fjo
von Josef ForsterProfil

Waidhaus/Rozvadov. 126 Stufen führen hinauf zum Plateau in rund 30 Metern Höhe. Mit dem Auto lässt sich der frei zugängliche Aussichtsturm im Rozvadover Ortsteil Brand (Milire) bis zum Eingang auf der asphaltierten Straße anfahren. Eine Wiese daneben bietet genügend Parkplätze.

In weniger als fünf Minuten ist die Spitze erklommen und schon bietet sich ein fantastischer Rundumblick über das böhmisch-bayerische Grenzgebiet. Obwohl nur ein paar Kilometer von Waidhaus entfernt, ist dieser kostenlos zugängliche Aussichtsturm immer noch kaum bekannt. Vielleicht auch, weil in dem nur einen Steinwurf entfernten Dorf Milire nur neun Einwohner leben.

Der Ort liegt am Rande der Pfraumberger Wälder. Seine Anfänge beziehen sich auf das Jahr 1796. Damals erwarb ein Josef Schönkönig an einer als "Katharinerbranten" bezeichneten Stelle von der Obrigkeit ein Grundstück zum Bau einer neuen Siedlung. Bis 1814 entstanden hier weitere 15 Häuser. Die Einwohner gingen zu Fuß ins Nachbardorf Sankt Katharina, um dort einzukaufen und die Kinder waren dort in der Schule.

Zur Arbeit machten sich die Bürger insbesondere nach Dianaberg auf, wo sie im Staatswald oder auf dem Staatsgut von Sankt Katharina arbeiteten. Ungünstige Lebensbedingungen und Probleme mit der Beförderung zur Arbeitsstätte vergraulten die junge Generation. Was dazu führte, dass sie meistens nach einer abgeschlossenen Ausbildung die Ortschaft Brand verließen.

Noch während der Zeit des Eisernen Vorhangs entstand hier aber eine stolze Siedlung aus lauter kleinen Ferienhäusern. Nach 1989 fanden diese zunächst keine Beachtung. Doch nun gibt es wieder genügend Interessenten, welche die Ruhe und die Landschaft hier schätzen. An den Wochenenden und während der Ferien herrscht rund um die Datschen und Ferienhäuser ein reges Leben.

In den Wäldern südlich und südöstlich sind Spuren des Apollonia-Grabens noch vorhanden, der als Wasserkanal für geflösstes Holz gebaut wurde. Auch Ruinen von Waldeinöden und der Forsthäuser Löbl sowie Rosahain liegen hier. Und eben jener Aussichtsturm, der eine neue Ära für diese Gegend aufschlug.

Ein Handy-Provider wollte aufgrund der günstigen Lage auf der Anhöhe unbedingt einen Funkmasten errichten. Das fand zunächst wenig Gefallen im Gemeinderat von Rozvadov. Mit der Zeit entstand durch Verhandlungen jener Kompromiss, welcher in die Kombination aus Funkmast und Aussichtsturm mündete. Der von der Gemeinde seitdem betriebene Turm des Eurotel-Netzes steht auf dem 631 Meter hohen Tomaska-Hügel.

Für die Besucher hat die Kommune Nutzungsregeln aufgestellt. Allen voran ist der Aufstieg nur bei geeignetem Wetter möglich. Kinder unter 15 Jahren brauchen einen Erwachsenen als Begleitperson und mehr als zehn Personen dürfen sich nicht gemeinsam auf dem Turm aufhalten. Tiere dürfen nicht mit.

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