Imker Josef Kick startet in Lüneburger Heide
Bienen im Arbeitsurlaub

Mitten drin im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide durfte Imker Josef Kick 50 Bienenvölker aufstellen. Bild: fjo
Kultur
Waidhaus
12.09.2017
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Die landschaftlichen Vorzüge der Lüneburger Heide rufen auch die Imker auf den Plan. Der Reinhardsriether Bienenzüchter Josef Kick plant seit Jahren ein besonderes Unterfangen, das mittlerweile läuft.

Reinhardsrieth. Vor etwa eineinhalb Jahren musste Kick feststellen, dass sein Inventar nicht für das bevorstehende Bienenjahr ausreichen würde. Nach einigem Stöbern im Internet wurde er schließlich fündig. Die Utensilien bekam er aber nur bei Selbstabholung. Angesichts der 600 Kilometer Entfernung keine leichte Aufgabe. Es half ein glücklicher Zufall: Ein Neuimker, der bei ihm ein Bienenvolk erworben hatte, bot sich spontan mit Fahrzeug und Anhänger für den Transport an. Beim Abholen stellte sich heraus, dass der Verkäufer gebürtiger Nürnberger ist und beim niedersächsischem Bieneninstitut in Celle arbeitet. Er erwies sich als Fachkenner der Heide-Imkerei, der seit Jahren etliche Völker dort aufstellt. Die Chemie zwischen den beiden Bienenzüchtern stimmte. Im Juni kam er zu einem Gegenbesuch in die Oberpfalz. Besonders die beiden ebenfalls bienenbegeisterten Söhne freuten sich, ihre von Kick versprochenen Bienenköniginnen persönlich abholen zu können.

Im Lauf der Zeit vertieften sich die Kontakte und wieder und wieder traten Oberpfälzer Bienenköniginnen per Post den Weg nach Niedersachsen an. Dann kam das Frühjahr mit reichlich überwinterten Bienenvölker, was für Kick viel Arbeit für Frühjahr und Sommer mit sich brachte: "Eigentlich zu viel." Irgendwann wurde der lange gehegte Wunschtraum immer stärker: "Einmal die Lüneburger Heide mit eigenen Augen blühen sehen und zu durchwandern. Völker sind ja genug vorhanden. Vielleicht ein paar mitnehmen?"

Der entsprechende Anruf im Norden folgte, die Antwort fiel positiv aus. Nun stand der Reinhardsriether vor der Frage: "Kleckern oder klotzen?" Die Entscheidung fiel auf Letzteres. Schon im Juni mussten die KFZ-Kennzeichen angegeben werden, um eine Einfahrtgenehmigung ins Naturschutzgebiet zu erhalten. Auch der einwandfreie Gesundheitszustand der Völker musste vom Amt für Tiergesundheit in München bestätigt werden.

Die Vorbereitungen bescherten eine "Wahnsinnsarbeit, da etwa 80 Prozent der Waben ausgetauscht werden müssen. Das bedeutet bei 50 Völkern auf zwei Räumen 800 Rähmchen". Darüber hinaus galt es, passende Waben vorzubereiten, zum Bienenstand zu transportieren, Honigwaben und Pollenwaben zu entnehmen und Leerwaben einzuhängen. Endlich traf das "große Bienenzeugnis" vom Veterinäramt des Landkreises Neustadt/WN ein. Nach sieben Stunden Ft folgten Vorbereitung und Aufstellung der Wanderböcke mitten im Naturschutzgebiet. Nach drei weiteren Stunden wurden die Fluglöcher geöffnet. Die Bienenvölker stehen nun rund 30 Kilometer vor den Toren Bremens, Hamburg ist auch nur 60 Kilometer entfernt. Nun blüht die Heide, und Kick hofft auf passendes Sammelwetter: "Dann haben die Bienen reichlich Arbeit."

Als "Neuling auf diesem Gebiet" ist er natürlich besonders gespannt, welche Früchte die umfangreiche Vorbereitung tragen wird. Auch die Honigernte wird noch ein umfangreiches Arbeitspensum erfordern. Denn Heidehonig kann nicht geschleudert werden, sondern die Waben werden ausgepresst. Mit Ausnahme des Honigs im Naturwabenbau, der in extra zugehängten Rähmchen errichtet wurde. Andererseits gibt Kick zu bedenken: "Dieser Honig wird preislich sehr hoch gehandelt und extra unter dem geschützten Begriff 'Scheibenhonig' vermarktet."
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