12.03.2017 - 20:00 Uhr
WaidhausOberpfalz

Intensiver Diskussionsabend des Bayerischen Amateurverbands: Landtheater auf gemeinsamer Suche nach Lösungen

Die Theatervereine auf dem Land wissen, dass sie ohne Nachwuchs schnell Probleme bekommen werden. In einer über dreistündigen Diskussion erarbeiten sie Lösungsansätze.

Über drei Stunden diskutierten auf Einladung des Bayerische Amateurtheaterverbands Verantwortliche das Nachwuchsproblem. Bild: fjo
von Josef ForsterProfil

(fjo) Zur Diskussion über den fehlenden Nachwuchs hatte der Bayerische Amateurtheaterverband am Freitagabend ins Hans-Sommer-Sportheim eingeladen. Es kamen Interessierte aus der ganzen Oberpfalz. Von einer weitum bestehenden Problematik sprachen nicht nur die Teilnehmer.

Von der lokalen Theatergruppe "Dorfbühne" übernahm Regisseur Josef Kleber die Eröffnung und setzte mit seiner Aussage "Wer keine eigenen Jugendgruppen hat, wird ein Problem haben" eine intensive Debatte in Gang. Doch nach über drei Stunden stand fest, wie man Wege finden kann, auch wenn es kein Patentrezept zu geben scheint.

Der oberpfälzische Bezirkspräsident Guido Rind moderierte den Erfahrungsaustausch und erzählte vom Ausgang einer ähnlichen Zusammenkunft für Oberbayern. "Nach den Erfahrungen im vergangenen Jahr in Kochel ist die Thematik umfangreich, ja unerschöpflich. Aber Zuschneiden muss es jeder auf seine Gruppe selbst." Für die Zusammenfassung der Diskussionsbeiträge und weitreichende Impulse stand mit Thomas Schiffmacher aus Köln ein Experte zur Verfügung, der die Teilnehmer mit provokanten Aussagen zum Mitreden anfachte. "Heute ist man jung, morgen ist man alt" oder "Die jungen Leute haben heutzutage ja viel weniger Zeit". Dies begründete er mit dem enormen Lernstoff in den Schulen, dem ein Zehn-Stunden-Aufwand für das Berufsleben folge. "Und das alles für einen Appel und ein Ei."

Doch nicht nur dem Nachwuchs gehe es so, sondern mittlerweile allen in diesem Lande. Dabei sei doch jegliches vernünftige Hobby Gold wert. "Das bringt Entspannung und Ausgleich mitsamt der nötigen Zeit zum Auftanken", meinte Thomas Schiffmacher.

Attraktive Angebote

Hierauf folgte die Aufmunterung, zunächst auf die "Suche nach jener Zeit zu gehen, die noch zur Verfügung stehen könnte". Präsident Ring hielt dagegen: "Die Jungen müssen heutzutage flexibel sein und dorthin abwandern, wo Arbeit ist. Wenn sie zurückkommen, dann gehören sie schon wieder zu den Alten." Dabei bestehe das größte Problem für die Theatervereine in der Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren, wo das Wegbrechen einsetze. Dennoch sah er Möglichkeiten, wenn die Vereine "Attraktivität als Mittel zum Gegensteuern" einsetzten. Die 22-jährige Katharina aus Mühlhausen bei Neumarkt erwiderte, dass "kaum Zeit zum Textlernen bleibt und für das Proben. Die Prüfungen stehen einfach im Vordergrund, das Lernen und die längere Schulausbildung." Die Medienreferentin des Verbandes, Patrizia Weber, ergänzte: "Dieses Spektrum, dass den Schülern mehr Bildungswege in Aussicht gestellt werden, verhindert, dass junge Leute in die Vereine gehen oder zum Theater."

Bezirkspräsident Rind bekräftigte: "In die Kinder wird zu viel hineingesteckt. Sie werden jeden Tag ausgebucht. Das ist der Wandel, den es in den letzten 25 Jahren gegeben hat." Auch beim Theater könne es intensiv werden, ließ Kleber wissen: "Der Zeitaufwand bei uns beläuft sich auf ein Vierteljahr, ein extremes Vierteljahr, während in der restlichen Zeit eher wenig abläuft." Den Gruppenzwang unter Heranwachsenden, wenn die Feuerwehr oder das Fußballspielen im Vordergrund stehen, und die anderen mitgezogen werden, weil das "in" sei, brachte ein Teilnehmer aus Tiefenbach ins Gespräch.

Schiffmann sah jedoch gerade im damit einhergehenden Interessenwechsel der Jugendlichen die Chance für die Vereine. "Kinder gehen ab einem Alter von 18 Jahren wieder gerne nach Hause." Stefan Lang aus Pfrentsch riet zu vermehrter Mundpropaganda, was zu einem positiven Image beitragen könne, und verwies dazu auf die Akzeptanz, die den Feuerwehren entgegengebracht werde. Schiffmann dankte für diesen Beitrag und empfahl den Theaterleuten: "Versucht, etwas gemeinsam zu unternehmen. Von alleine kommen die Allerwenigsten. Einladen ist das Mindeste, und geht einfühlsam mit dem interessierten Nachwuchs um."

Rind bat die Verantwortlichen zusätzlich, berufliche Aspekte für die jungen Menschen nicht außen vor zu lassen: "Es geht nicht nur um die Schauspieler, sondern auch um Techniker oder Medienreferenten."

Kurz vor Mitternacht zeigten sich die Diskussionsteilnehmer erschöpft, aber auch zuversichtlich, angesichts der von Schiffmann festgehaltenen Ergebnisse und Möglichkeiten. Nun sollten die Theatervereine aus dem Vollen schöpfen können, um durch Jugendtheatertage, Aktionen, Angebote im Ferienprogramm, Ausflüge, Feste oder Stammtische genügend "Köder als Strategie auslegen zu können", wie Schiffmann es formulierte.

Die Jungen müssen heutzutage flexibel sein und dorthin abwandern, wo Arbeit ist. Wenn sie zurückkommen, dann gehören sie schon wieder zu den Alten.Bezirkspräsident Guido Rind

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.