04.09.2014 - 00:00 Uhr
WaidhausOberpfalz

Bühnenspiel am Freitag, 26. September, erinnert an letzte Reise des Reformators vor 600 Jahren Im Sturzflug zu Jan Hus

Jan Hus ist auf seiner letzten Reise nachweislich über Bärnau nach Konstanz gezogen. Diese dauerte vom 10. Oktober bis 3. November 1414 und jährt sich damit heuer zum 600. Mal. Auch wenn der tschechische Reformator nicht durch Waidhaus kam, so ist sich die Marktgemeinde dieses Jubiläums dennoch bewusst.

Ein altes Ölgemälde in der Wallfahrtskirche auf dem Fahrenberg spricht den Hussiten die Schuld an der Ermordung von zwei Mönchen zu.
von Josef ForsterProfil

Nach den großen Erfolgen mit historischen Teilen im Heimatfestjahr geht der Grenzmarkt erneut in die Verlängerung. Mit einem Bühnenspiel wird der Jahrestag am Freitag, 26. September, gefeiert. Denn die Hinrichtung als Ketzer durch die Deutschen lösten in der Folge jahrelang dauerte Kriegszüge der Hussiten aus. Sein Feuertod auf dem Konstanzer Konzil hatte verheerende Auswirkungen auch für weite Teile der Oberpfalz.

Waidhaus als Einfallspforte

Die Überfälle in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts sind immer noch in Erinnerung. In den Berichten wird Waidhaus wiederholt als Einfallspforte genannt. Ein alter Chronist fasste die Feldzüge mit einem Satz zusammen: "Im selben Sommer, nach langer Nacht, waren die Böhmen in Baiern, eroberten hier viele Städte und brannte viele Dörfer nieder."

Nur wenige Todesurteile im Mittelalter blieben wie jene gegen den tschechischen Reformator über die Jahrhunderte im Gedächtnis der Tschechen und Deutschen haften. Bereits im 19. Jahrhundert wurde Hus als Persönlichkeit betitelt, welche einen Weg vom "dunklen Mittelalter" in die "aufgeklärte Neuzeit" anbahnte. Längst wird er nun - auch auf katholischer Seite - zunehmend als Vertreter der kirchlichen Reform gewürdigt.

Vor allem der ökumenische Arbeitskreis "Autobahn- und Radwegekirche" knüpfte deshalb enge Verbindungen zu den hussitischen Gemeinden im nahen Böhmen. Mit einem Theaterprojekt erinnert Waidhaus nun an die Verbrennung von Hus, um in neuer Form Hintergründe und Folgen bewusst zu machen. "Ach, Hus" lautet der Titel des Stücks des Nabburger Bühnenautors Franz Grundler. Er ist ein hervorragender Kenner der Materie und legte 2005 ein umfassendes Werk im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz zu den Hussiten auf.

Für seine Arbeit am mittlerweile achten Theaterstück holte er sich Fachleute, Historiker, Theologen und Theatermacher an die Seite. Professor Dr. Franz Machilek aus Erlangen und der Direktor des Hussitenmuseums in Tábor, Dr. Jakub Smrcka, übernahmen das Lektorat. Der bekannte Stückeschreiber Gerd Lohmeyer aus München förderte obendrein die Produktion. Das Bühnenwerk geht vor allem der Frage nach, warum die Verbrennung des böhmischen Reformators immer wieder - und noch immer - die Geister berührt.

Das Spiel führt in kurzen Szenen durch fünf Jahrhunderte und spürt dabei unterschiedlichen Erinnerungen wie in einem Sturzflug nach. Es schildert ohne Pathos, aber mit beherztem Sprachwitz, Musik und erhellenden Bildern die frühen und späten Nachwirkungen der "Untat von Konstanz".

Mit Siebenmeilenstiefeln quert das Stück, begleitet von Kommentaren, durch die Geschichte: Vom Sommer 1415, als auf der Prager Burg die Botschaft von Hus' Hinrichtung eintrifft, geht es zu Martin Luther, der um 1530 die Hus-Briefe übersetzte und herausgab. Die nächste Wegstation ist schon im späten Barock angesiedelt, als Kirchenmaler Johann Michael Wild seinen Entwurf für das Trautmannshofener Hussitenfresko dem kurfürstlichen Hof präsentiert. 1950 schließlich wird gespielt, wie die Prager Kommunisten Jan Hus und die Hussiten als direkte eigene Vorläufer entdeckten - und die letzte Szene spielt in absurden Untiefen unserer Zeit, wenn nämlich eine bayerische Theatergruppe ein Hussiten-Stück probt.

Vier Akteure in 13 wechselnden Rollen schaffen einen kurzweiligen Bilderbogen. Mit dem Berufsschauspieler Uwe Castor ist auch ein erfahrener Künstler mit von der Partie. Unterstützt wird er von Christina Götz, Tobias Graf und dem Autor selbst. Ein modernes Bühnenbild mit Beamer, eine schlichte Requisite und betont einfache Lichtgestaltung begleiten das rund 80-minütige Stück.

Karten im Vorverkauf

Der Vorverkauf läuft in der Gemeindeverwaltung. Die Eintrittskarten kosten 8 Euro auf allen Plätzen. Einlass ist um 19.30 Uhr, Beginn mit einer Einführung durch Autor Franz Grundler um 20 Uhr. Bürgermeisterin Margit Kirzinger übernahm die Schirmherrschaft, der Markt Waidhaus ist Veranstalter.

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