24.08.2017 - 20:00 Uhr
WaidhausOberpfalz

Fahnder aus Waidhaus und Traunstein bei Einsatz gegen Autoschmuggler Auf Verbrecherjagd in Andalusien

Luxusautos verschwinden über Nacht. Auch in der Oberpfalz. Die Polizei hat meist das Nachsehen. Diebe und Hintermänner teilen sich die Arbeit. Ein Waidhauser Fahnder geht in den Auslandseinsatz ganz im Süden Europas. Im Visier: Autoschieber, die hochwertige Fahrzeuge aus der EU schaffen wollen.

Manuel Rosenmüller von der Polizeiinspektion Fahndung Waidhaus (rechts) beim Einsatz an der EU-Außengrenze in Südspanien. Er war Teil eines internationalen Teams, das Fahrzeugschmuggel aufdecken sollte. Bilder: exb (3)
von Externer BeitragProfil

Algeciras/Waidhaus. Auf Anforderung von Interpol Lyon unterstützten die beiden bayerischen Schleierfahnder Manuel Rosenmüller (Waidhaus) und Martin Emig (Traunstein) die spanischen Behörden. Diese fahnden nach gestohlenen Kraftfahrzeugen in den Fährhäfen von Algeciras und der südlichsten europäischen Stadt Tarifa. "Zusammen mit ihren Kollegen gelang es, innerhalb einer Woche sieben gestohlene Autos und ein entwendetes Motorrad sicherzustellen", teilt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz mit.

Über Interpol Lyon hatte die spanische Polizei um internationale Unterstützung gebeten. Um die Fahndung zu verstärken und um spanische Fahnder zu schulen. Aus Deutschland reisten die beiden Kfz-Fahnder Rosenmüller von der Polizeiinspektion Fahndung Waidhaus und Polizeioberkommissar Martin Emig von der Polizeiinspektion Fahndung Traunstein für neun Tage nach Andalusien. Das Team aus Spezialisten setzte sich noch aus zwei österreichischen Polizeibeamten, einem finnischen Grenzpolizisten, einem italienischen Interpol-Beamten und seinem australischen Assistenten sowie fünf Mann des schwedischen und des französischen Versicherungsverbandes zusammen. Die spanische Polizei stellte acht Beamte aus Madrid für die Fahndungsaktion ab, die unter dem Decknamen "Operacion Paso del Estrecho" lief.

Mehrere Volltreffer

In einer Woche überprüften die Kfz-Fahnder 1800 Fahrzeuge zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten. Das Hauptaugenmerk lag auf der Kontrolle von aus Europa ausreisenden Kraftfahrzeugen. An sieben Einsatztagen Ende Juli und Anfang August stellte das Team sieben Autos und ein Motocross-Motorrad sicher. Alle Fahrzeuge waren entweder erst kürzlich oder aber bereits seit längerer Zeit in europäischen Fahndungsregistern zu finden. Manuel Rosenmüller und Martin Emig hatten ihre bayerischen Fahndungslaptops dabei und konnten damit sechs gestohlene Autos identifizieren.

Die Verschiebung eines BMW X4 M einer deutschen Mietwagenfirma konnten der 38-jährige Rosenmüller und ein österreichischer Kollege vom LKA Wien im Hafen von Tarifa vereiteln. Der Fahrer marokkanischer Herkunft legte für die Überfahrt in sein Heimatland eine angebliche Ermächtigung des Autovermieters vor. "Diese konnten die beiden erfahrenen Fahnder schnell als Totalfälschung erkennen. Die telefonisch in Kenntnis gesetzte Zentrale des Autovermieters in Deutschland reagierte überrascht", berichtet die Polizei weiter. Eine solche Ermächtigung war dort nämlich nicht bekannt. Die spanischen Behörden stellten das Premiumfahrzeug im Wert von rund 100 000 Euro sicher. Gegen den Marokkaner wurden international Ermittlungen eingeleitet.

Falsche Kennzeichen

Im April war ein schwarzer Porsche Cayenne in Deutschland verschwunden. "Jener Premium-SUV sollte nun durch einen marokkanischen Kurier über den Fährhafen Algeciras nach Nordafrika verschoben werden", erklären die Beamten. Vor der Fahrt auf die Fähre erweckte das Fahrzeug aber das Interesse des Polizeihauptmeisters aus Waidhaus. Die am Fahrzeug angebrachten deutschen Ausfuhrkennzeichen stellten sich schnell als Totalfälschungen heraus. Bei der näheren Untersuchung kam zu Tage, dass die Täter eine neue Fahrgestellnummer im Auto eingebracht hatten. Die verwendeten Zulassungsbescheinigungen waren ebenfalls gefälscht. Sie waren in jüngerer Vergangenheit aus einer deutschen Zulassungsstelle gestohlen und nun mit den Daten des Porsche Cayenne ausgefüllt worden. Die Sachbearbeitung übernahm die spanische Polizei. Der SUV wurde sichergestellt und dürfte voraussichtlich bald nach Deutschland zurücküberführt werden. Auch gegen diesen Fahrer wurde ein internationales Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zudem konnten die bayerischen Fahnder einen Audi Q7, einen Citroen C5, einen Mercedes ML 320 sowie einen Mercedes C 200 identifizieren, die im Laufe der letzten Monate oder Jahre gestohlen und anschließend mit veränderter Fahrgestellnummer über den Schwarzmarkt wieder in den Verkehr gelangt sind.

Minister dankt

Der spanische Innenminister Juan Ignacio Zoido besuchte das internationale Fahnder-Team am Fährhafen in Algeciras, ein Zeichen für die Bedeutung der "Operacion Paso del Estrecho". Der Minister ließ sich die Arbeitsweise der Spezialisten erklären und bedankte sich für die Unterstützung der spanischen Exekutive. Über den Besuch wurde landesweit ausführlich in den Fernsehnachrichten und den Print- und Internetmedien berichtet.

Ein "Gracias!" galt bei der Abreise vor allem den spanischen Kollegen, die ihre "Gastpolizisten" herzlich aufgenommen hatten. Die Freizeit war zwar knapp, aber kleinere Ausflüge und gemeinsame Abendessen schweißten die zusammengewürfelte Truppe zusammen. "Am beeindruckendsten waren für mich die Dimension der Kontrollörtlichkeit inklusive des massiven Verkehrsaufkommens und die äußeren Kontrollbedingungen, vor allem hinsichtlich der heißen Temperaturen", erzählt Rosenmüller. Ob und wie künftig ähnliche Aktionen seitens Interpol stattfinden, ist offen. Die bayerischen Schleierfahnder wollen auf jeden Fall wieder mit dabei sein.

EU-Außengrenze

Die beiden Städte Algeciras und Tarifa liegen in der andalusischen Provinz Cadiz und stellen mit ihren Häfen EU-Außengrenzposten dar. Der Hafen von Algeciras in der Bucht von Gibraltar zählt zu den größten und wichtigsten europäischen Fährhäfen. Die abgehenden und ankommenden Fähren verbinden die beiden Städte mit der marokkanischen Großstadt Tanger und mit der auf dem afrikanischen Kontinent liegenden spanischen Exklave Ceuta.

Meist im Halbstundentakt kreuzen die Fähren die Straße von Gibraltar. Diese Verbindungen werden hauptsächlich von in Europa lebenden Marokkanern genutzt, die zum Urlaub in die Heimat reisen. Aber auch Autodiebe machen sich nach Beobachtung der Polizei die Verbindungen zunutze, um in Europa entwendete Fahrzeuge auf diesem Weg in Nord- und Westafrika verschwinden zu lassen. (exb)

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