18.08.2017 - 20:00 Uhr
WaidhausOberpfalz

500 Jahre Reformation Spuren evangelischen Lebens in Waidhaus

Zu den wenigen Ortschaften in Bayern, deren evangelische Geschichte gut erforscht ist, zählt Waidhaus. 500 Jahre Reformation haben dort ihre Spuren hinterlassen.

Vertreter unterschiedlichster Konfessionen fühlen sich in der Waidhauser Autobahn- und Radwegkirche schon immer bestens aufgehoben. Archivbild: fjo
von Josef ForsterProfil

Während in der Autobahn- und Radwegkirche seit wenigen Tagen eine Wanderausstellung die Reformationsgeschichte der Oberpfalz mit einem Schwerpunkt auf der Region widerspiegelt, kann die Gemeinde selbst auf eine reichhaltige Historie zurückblicken. Wie anders wäre die Geschichte vielleicht verlaufen, wenn es im 16. Jahrhundert in der damaligen Kirche zu einer Reformation, einer Erneuerung gekommen wäre?

Das fragte sich der ehemalige Stadtpfarrer von Vohenstrauß, Peter Peischl, bereits vor Jahren. Viel Leid im Dreißigjährigen Krieg - man denke an die Tillyschanz bei Eslarn - wäre den Menschen erspart geblieben. 1534 jedenfalls wurde Andreas Hilburger der erste lutherische Pfarrer in Waidhaus. In der Folge gab es immer wieder ein Hin und Her zwischen unterschiedlichen reformatorischen Strömungen, den "Lutheranern" und "Calvinisten".

Dies endete erst 1626. Da übernahmen Truppen des Herzogs Maximilian die Oberpfalz. Wer nicht zum Katholizismus konvertierte, musste Waidhaus Knall auf Fall verlassen. Die drei verbleibenden Evangelischen gingen in den katholischen Gottesdienst. Danach gab es zunächst kaum mehr evangelische Spuren in dem böhmisch-bayerischen Grenzort. Einzelne Personen fanden sich, die auch im öffentlichen Leben von Waidhaus eine Rolle gespielt haben.

Kirchlich zuständig war das Pfarramt in Vohenstrauß. Dies ist bis heute so geblieben. Wieder war es ein Krieg, der große Veränderungen auslöste. Nach dem Zweiten Weltkrieg schnitt der Eiserne Vorhang Waidhaus von seinem östlichen Umland ab. Nur durch Flüchtlinge und mehr noch durch die Behörden, wie Zoll und Bundespolizei, kam eine große Zahl evangelischer Bürger nach Waidhaus.

Im Nachbarort Eslarn wurde deshalb in den 1960er Jahren ein Vikariat errichtet. Es war auch für Waidhaus zuständig. Da die Mobilität früher nicht so groß war, wurden nun auch immer wieder evangelische Gottesdienste in Waidhaus gefeiert. Aktuell sind es 125 Evangelische, die im Waidhauser Gemeindegebiet leben.

Wer heute nach Waidhaus kommt, der findet auf der Autobahn ein großes Schild vor: "Ökumenische Autobahnkapelle" - es war die erste in ganz Deutschland. Kein Neubau, wie manche Autobahnkirche sonst.

Die Dreifaltigkeitskirche aus dem 18. Jahrhundert bekam eine zusätzliche Aufgabe. In einem Gottesdienst am 25. Juli 2004 erfolgte die Einweihung. Ohne das Engagement der Beauftragten der evangelischen Kirche, Gunhild Stempel, wäre es sicher nicht dazu gekommen.

Der ökumenische Autobahnkirchenkreis organisierte manche Veranstaltung. So trug er auch zum kulturellen Leben bei, was bis hin zu der Gründung eines eigenen Trägervereins führte. Mancher Eintrag in dem in der Autobahnkirche aufliegendem Anliegenbuch zeigt, dass Waidhaus keineswegs am Rande liegt, sondern eine Brückenfunktion hat zwischen Ost und West.

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