Bundespolizei spricht von einer "unglaublichen Tortur"
Zu acht im doppelten Boden

Ein Ermittlungsbeamter der Bundespolizei Waidhaus dokumentiert das Versteck im Schleuserfahrzeug. Bild: Bundespolizei
Vermischtes
Waidhaus
05.09.2017
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 „Wahnsinn“, sagt Franz Völkl, Sprecher der Bundespolizei Waidhaus. „Sowas habe ich noch nicht gesehen.“ Acht illegale Einwanderer lagen im doppelten Boden eines Fiat Ducato, den die Polizei am Montagabend auf der A 6, Ausfahrt Pleystein, aus dem Verkehr zog. Um in das 3,30 mal 1,20 Meter große Versteck zu gelangen, mussten sich die Passagiere auf den Rücken legen und zur Seite ruckeln. Es handelte sich um sieben Männer zwischen 18 und 37 Jahre (fünf aus dem Irak und zwei Türken) und eine irakische Frau (26 Jahre).

Nach ersten Erkenntnissen lagen die Acht in dieser Position zwölf Stunden lang. Ermittlungsdienstleiter Polizeihauptkommissar Ralph Preiß spricht von einer „unglaublichen Tortur für diese Menschen, die sich dabei nicht einmal drehen konnten“. Die 1000 Kilometer lange Fahrt ohne Pausen startete in Rumänien. Seit Ungarn die Grenze nach Süden dicht gemacht hat, steigen die Geschleusten ein Land früher in die Schlepperfahrzeuge. Die Notdurft sei in leere Mineralwasserflaschen erledigt worden.

Die Bundespolizei nahm den rumänischen Schleuserfahrer (41) fest. Den Kollegen der Polizeiinspektion Fahndung ging parallel bei Gröbenstädt ein zugehöriger Späherfahrer ins Netz, ebenfalls ein Rumäne (48). Am Dienstag gestanden die beiden Schlepper vor dem Weidener Ermittlungsrichter gleich noch die Beteiligung an drei weiteren Schleusungsfahrten vom August in Braunetsrieth, Tännesberg und Döllnitz mit insgesamt 21 geschleusten Personen.

Bei der Aktion vom Montagabend handelte es sich um eine „bilderbuchmäßige Kooperation“ der regionalen Sicherheitsbehörden, betonte Dienstgruppenleiter Polizeihauptkommissar Martin Gmeiner. Beteiligt war neben den Bundespolizeifahndern auch die Polizeiinspektion Fahndung (PIF) Waidhaus.

Als die Beamten den Fahrer gegen 19.10 Uhr kontrollierten, trat der zunächst selbstsicher auf. Er zeigte bereitwillig seine Papiere. Er öffnete auch gern die Plane des Kleintransporters und demonstrierte, dass nur einige Paletten und Ersatzreifen geladen waren. Diese „Coolness“ legte sich laut Völkl spontan, als die Bundespolizisten den doppelten Boden der Ladefläche öffneten und darunter acht Personen fanden. Deren nächste Station ist voraussichtlich die Erstaufnahmeeinrichtung in Regensburg.
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