03.01.2018 - 20:00 Uhr
WaidhausOberpfalz

Deutscher Spitzenreiter: Dienststelle Waidhaus Über 100 Kilo Pyrotechnik

Etwa 110 Kilogramm Pyrotechnik hat die Bundespolizei seit Weihnachten sichergestellt. In zehn Tagen. Darunter sind regelrechte Bomben. Waidhaus bleibt damit von allen 85 deutschen Dienststellen führend, was die Aufgriffe nach dem Waffen- und Sprengstoffgesetz angeht.

Links: Der Böller im Krautkopf ist gezündet. Mitte: In Deutschland zugelassene Ware explodiert. Rechts: Illegaler "La Bomba" explodiert. Bilder: bk-media
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Die Bundespolizei-Sprecher Hans Miesbeck und Franz Völkl werden nicht müde, auf die "unkontrollierbare und irrsinnige Sprengkraft" der ungenehmigten Feuerwerkskörper hinzuweisen. "Das gefährliche ist die hohe Schwarzpulverkonzentration. Sowas würde bei uns nie genehmigt", sagt Völkl. Die Bundespolizei hatte unlängst einen Techniker zu Gast. Er zeigte mit Vorführungen, welche Power in illegaler Ware steckt. Dazu steckte er einen der beliebten, daumengroßen "La Bomba" in einen Krautkopf. Die Folge: "Krautsalat im Umkreis von 15 Metern", beschreibt Miesbeck.

Auch "CE" gefälscht

Die sichergestellten Kugelbomben wollte er im Hof der Bundespolizei gar nicht zünden: "Dann habt ihr keine Fenster mehr." Die Kugelbomben sehen aus wie Kokosnüsse mit einer Zündschnur dran. Einen Teil hatten am 30. Dezember drei junge Männer (18, 20, 20) aus Baden-Württemberg ins Land bringen wollen. Der andere Teil der Bomben wurde von einem 21-Jährigen aus dem östlichen Landkreis Neustadt/WN illegal eingeführt. Die Pyrotechnik ist in Tschechien frei verkäuflich. Die meisten Kunden hatten die Böller auf Asiamärkten erworben. Inzwischen prangt meist auch das Prüfzeichen "CE" auf der Packung - natürlich gefälscht.

Sämtliche sichergestellte Ware wandert über den Tisch der Polizeitechniker Günther Schmid und Thomas Graf. Sie registrieren die Asservate und sorgen für die Entsorgung. Dazu fahren alle Jahre nach Neujahr die Entschärfer vom Münchener Flughafen vor. Sie transportieren die illegale Pyrotechnik im explosionssicheren Spezialfahrzeug zunächst zum Truppenübungsplatz Hohenfels zur Zwischenlagerung. Dann geht die Ware zum Entsorger "Energetics" nach Sachsen. Der Beamte am Steuer braucht dazu einen speziellen Beförderungsschein. Die Entsorgungskosten von fünf Euro pro Kilogramm trägt im Übrigen der Straftäter selbst.

Rekord: eine Tonne

"Schon die Einfuhr ist eine Straftat", warnt Miesbeck. Das Gesetz sieht Haft bis zu drei Jahre vor. In der Regel bleibt es bei Geldstrafen. "Rekordhalter" ist ein Vietnamese, der 2009 an der Autobahn A 6 mit einer Tonne Pyrotechniker gestoppt wurde (1000 Euro und Fahrverbot).

Finger weg - sonst Finger ab. Die Bundespolizei hat eindringliche Videos auf Lager, die zeigen, was nach "La Bomba" von Händen noch übrig ist. Die Pyrotechnik ist Bundespolizisten noch aus einem anderen Grund ein Dorn im Auge: "An Bahnhöfen schmeißen Fußballfans schon bei der Einfahrt in den Bahnhof bengalische Feuer und Böller aus dem Fenster." Die Folgen für Kollegen: Knalltraumata und Verbrennungen.

Das Gefährliche ist die hohe Schwarzpulverkonzentration. Sowas würde bei uns nie genehmigt.Franz Völkl, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Waidhaus

Illegale Pyrotechnik

Insgesamt 400 Kilogramm 2017: Damit waren es im letzten Jahr mit 138 Aufgriffen zwar weniger als im Vorjahr, dafür war die Menge an sichergestellter Pyrotechnik größer. Insgesamt stellte die Bundespolizeiinspektion Waidhaus (Grenze Schönsee bis Waldsassen) gut 400 Kilogramm sicher (Vorjahr 295).

"Rekordhalter" ist ein Vietnamese, der 2009 an der Autobahn A 6 mit einer Tonne Pyrotechniker gestoppt wurde. 800 Kilo hatten im Oktober 2009 zwei Holländer im Kofferraum. Sie zahlten je 9000 Euro Geldstrafe.

Fast mannshoch mit gut 1,50 Metern Länge sind die Raketen "Austrian Rocket" und "Deutschland Rocket", versehen mit goldfarbenen "Sprengköpfen".

41 Kilo Pyrotechnik hatten allein zwei Baden-Württemberger dabei, die am 28. Dezember 2017 in Waldsassen von der Bundespolizei kontrolliert wurden. (ca)

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