15.04.2018 - 20:00 Uhr
WaidhausOberpfalz

Fast 25 Flüchtlinge auf Wohnungssuche Eritreern eine Chance geben

Nur wenn sie eine Chance bekommen, kann Integration gelingen. Über 20 junge Eritreer dürfen in Waidhaus ihre Sorgen äußeren. Alle suchen eine Wohnung.

Ganz eng zusammen rücken die interessierten Waidhauser und die Flüchtlinge am Freitagabend im Kolpingheim beim ersten Kennenlernabend. Bild: fjo
von Josef ForsterProfil

Als Fremde und Ausgegrenzte mussten sich die jungen Männer aus Eritrea zumindest am Freitagabend nicht vorkommen. Viel zu erzählen hatte Gertraud Nickl als Moderatorin im Kolpingheim, das aus allen Nähten platzte. "Sie können nicht mehr zurück", erklärte Nickl und hatte für die fast 100 Zuhörer gleich eine Aufgabe parat: "Stellen Sie sich heute Abend noch vor die Entscheidung, dass Sie Ihr Land in dieser Nacht für immer verlassen müssen, ohne so gut wie nichts mitnehmen zu können." Längst wisse die Weltpolitik, dass Eritrea zum Nordkorea Afrikas avanciere. Die diktatorischen Zustände glichen längst den 1930er Jahren in Deutschland. Noch drastischer schilderte die ehrenamtlich Engagierte den Umgang mit Flüchtlingen. "In Europa wollen die meisten Menschen gar nicht, dass sie kommen. Wir schimpfen darüber." Aber kaum jemand beschäftige sich mit den Tausenden, die aufgrund der gleichen Ursache täglich sterben.

"Viele dieser Jungs haben ihre Freunde und Familienangehörigen ertrinken sehen. Sie haben alle ein wirklich hartes Leben hinter sich - selbst in Italien oder in Griechenland." Dort beginne für viele wieder ein Leben auf der Straße, ohne jeden Cent, sagte Nickl. Immer wieder müsse sie hören, dass die Flüchtlinge super Mobiltelefone hätten. Aber keineswegs, um damit nach Hause zu telefonieren oder Nachrichten zu schreiben. Das Handy sei vielmehr eines der besten Mittel, um die deutsche Sprache zu erlernen. Denn viele Menschen redeten noch immer nicht mit ihnen.

Warum die Flüchtlinge nun in Waidhaus und Umgebung sind, gründe in jenem "gewissen Kontingent, das Deutschland übernahm". Durch Aufklärung und mühevolle Weitergabe von Informationen gelinge es, ein kleines Stück Integration aufzubauen. "Es gibt immer wieder Omas und Opas, die sich Zeit nehmen und helfen."

Nach der persönlichen Vorstellung aller fast 25 Flüchtlinge mit Namen, Alter und aktuellem Werdegang erklärte Nickl, dass alle in Waidhaus lebenden Eritreer längst Fehlbeleger in ihrer Gemeinschaftsunterkunft seien. "Sie alle sind anerkannt und sollten eine Wohnung finden." Aus ihrer eigenen Erfahrung ergänzte sie: "Es ist etwas Schönes, wenn man andere Kulturen, andere Religionen im Haus hat. Und es funktioniert." Die Welt rücke näher zusammen, wozu auch die Europäer ihren Beitrag leisteten. "Wir reisen überall hin, und die Leute kommen auch von überall her zu uns." Integration und ein gutes Miteinander könnten nur gelingen, wenn den jungen Afrikanern eine Chance gegeben werde. "Wie sollen sie die Behördenbriefe lesen?" "Wie schwer muss es für sie sein, wenn Post kommt?"

Nickls eindringlicher Schlussappell lautete deshalb: "Geben wir ihnen eine Zukunft, lassen wir sie nicht stolpern!" Dazu genüge es bereits, wenn man mit ihnen Deutsch lerne, eine Wanderung mache und dazu auch Vertrauen schenke. Noch einen Schritt mehr hätten die Flüchtlinge aber davon, wenn man ihnen eine Wohnung oder ein Zimmer vermiete - gerne mit Familienanschluss zum Eingewöhnen und Fuß fassen.

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