16.02.2018 - 12:14 Uhr
Waidhaus

Gerhard Blöderl ist mit 70 Jahre zu alt fürs Schöffenamt Ex-Kriminaler neben dem Richter

Als Polizist darf man keinen Schöffendienst machen und als Ruheständler nicht mehr Ordnungshüter sein. Aber als Pensionist ist für Gerhard Blöderl die Zeit gekommen, auf der Richterbank seinen früheren Klienten gegenüberzusitzen. Zum Jahresende ist für ihn nach fünf Jahren damit Schluss.

Der ehemalige Kriminalpolizist Gerhard Blöderl engagiert sich fünf Jahre lang als ehrenamtlicher Schöffe. Bild: fjo
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Mit 70 Jahren ist der Waidhauser zu alt, um noch eine weitere Amtsperiode als ehrenamtlicher Richter potenzielle Urteile zu diskutieren und seine Lebenserfahrung in die Aufklärung von Verbrechen einzubringen. Ehrenamtlicher Einsatz ist für Blöderl selbstverständlich. "Als der Aufruf 2012 zur letzten Schöffenbewerbung kam, war ich zweiter Bürgermeister in Waidhaus."

Im Landgericht Weiden war Blöderl an 12 bis 14 Verfahren beteiligt. Größter Brocken war die Verhandlung gegen fünf Schleuser aus dem Kaukasus vor der Großen Strafkammer. Ab Dezember 2014 dauerte der Prozess rund 50 Tage. Im Juli 2015 verkündete Walter Leupold das Urteil. Wie bei allen anderen Fällen zogen sich Schöffen und hauptamtliche Juristen immer wieder ins Richterzimmer zurück und besprachen den Fortgang der Verhandlung. Wenn es um das Urteil geht, haben ehrenamtliche Schöffen und die Berufsrichter das gleiche Stimmrecht. "Man sieht die Opferseite anders", sagt der ehemalige Kriminaler über den Blickwinkel von der Richterbank. "Manchmal erkennt man beispielsweise die Zwangslage, in der sich ein Täter befand." Im Arbeitsleben war Blöderl zunächst bei der Grenzpolizei und klärte später in Weiden und Amberg Mord, Raub sowie Vergewaltigungen auf. Bei den Verfahren, die er als Schöffe miterlebte, sei er mit der Vorarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft zufrieden gewesen. Meist sei es klar gewesen, in welche Richtung es ging. "Bei meinen Fällen lag immer ein Geständnis vor", erinnert sich Blöderl.

In Erinnerung geblieben ist ihm auch ein ursprünglich wegen versuchten Mordes angesetzter Prozess. Am Ende wurde schwere Körperverletzung daraus. Blöderl: "Ich habe im Richterzimmer auch mal gesagt' 'so schlimm ist es doch gar nicht', wenn der Hauptamtliche eigentlich härter urteilen wollte."

Die Einladung zu den Verhandlungen, an denen er beteiligt war, erreichte den Waidhauser mit etwa vier Wochen Vorlauf. Das Schreiben enthält lediglich eine Nummer und den Termin. Hinweise, um was es geht? Fehlanzeige. Direkt vor Prozessbeginn erfolgt die Einweisung im Richterzimmer. "Da wird erzählt, welche Straftat ansteht, es geht um mögliche Strafen und Milderungsgründe sowie das Strafverfahrensrecht." Nach fünf Jahren als Schöffe zieht Blöderl ein positives Fazit: "Man sieht, dass mit unserem Rechtswesen alles in Ordnung ist." Er würde auch gerne weitermachen, doch das darf er altersmäßig nicht mehr.

Schöffen gesucht

Bayern sucht wieder ehrenamtliche Schöffen für die Jahre 2019 bis 2023. Die Schöffen brächten "ihre Berufs- und Lebenserfahrung" sowie eigene Überzeugungen mit in die Gerichtsverhandlungen ein und leisten so "einen wichtigen Beitrag zu einer lebensnahen und verständlichen Rechtssprechung", meint Justizminister Winfried Bausback in einer Mitteilung seines Ministeriums. Die Amtszeit beträgt bundeseinheitlich fünf Jahre, Schöffen werden in der Strafjustiz bei den Straf- und Jugendkammern der Landgerichte sowie bei den Schöffen- und Jugendgerichten an den Amtsgerichten eingesetzt. In den Hauptverhandlungen üben sie das Richteramt in vollem Umfang und mit gleichem Stimmrecht aus wie die Berufsrichter. Sie entscheiden mit den Berufsrichtern über die Schuld- und Straffrage. Wer Schöffe werden will, darf nicht vorbestraft sein und muss sich an seinem Wohnsitz bewerben. Wer auf die Vorschlagslisten kommt, entscheiden die Gemeindevertretungen. Gesucht sei ein Querschnitt der Bevölkerung von jung bis alt und quer durch alle Berufsfelder, ergänzt der Weidener Landgerichtssprecher Markus Fillinger. Bisher durften die Ehrenamtlichen ihren Dienst höchsten zwei Perioden lang hintereinander ausüben. Diese Begrenzung ist jetzt weggefallen. Bewerber müssen zum 1. Januar 2019 mindestens 25 und höchstens 70 Jahre alt sein. Voraussetzung sei, dass sie ausreichend Deutschkenntnisse haben, nicht insolvent und gesundheitlich geeignet sind. Ehrenamtliche Schöffen bekommen Spesen sowie 6 Euro pro Stunde plus Verdienstausfall bis zu einem Höchstsatz von 24 Euro. Bei einer Vielzahl von Sitzungstagen kann der noch steigen. (epd/ui)

Parkstein. "Unser Recht gibt es her, dass auch Ehrenamtliche das Recht in der Hand haben." Deshalb habe er sich vor fünf Jahren als Jugendschöffe beworben, sagt Hans Wittmann. "Man kann den jugendlichen Angeklagten eine Chance geben, aber auch die Härte des Gesetzes voll ausschöpfen, wenn es berechtigt ist." Die längste Sitzung an der der heute 53-Jährige teilnahm, dauerte von 8.30 bis 21 Uhr. "Ganz kurz wird es, wenn der Angeklagte mal nicht erscheint." Doch egal, Wittmann will in dem Ehrenamt eine weitere Periode bis 2023 anhängen. Besonders im Gedächtnis ist ihm der Fall eines Jugendbetreuers geblieben, der Mädchen unsittlich berührt hat. "Da fragst du dich schon, was in so einem Menschen vorgeht. Ich bin schließlich selbst bei der Feuerwehr Jugendbetreuer." Der Verurteilte dürfe künftig keine Jugendarbeit mehr machen und brauche professionelle Hilfe. Tiefpunkte nannte der Vater eines 19-jährigen Sohnes die Verfahren wegen Vergewaltigung. "Nicht nur da geht es um Haftstrafen bei jungen Menschen, die deren ganzes Leben beeinflussen." Eine Freude sei es, jemanden nach Hause gehen zu lassen, der unschuldig ist. "Ich war immer davon überzeugt, dass unsere Entscheidungen richtig waren."

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