14.08.2017 - 16:54 Uhr
WaidhausOberpfalz

Neuhäusler Heimattreffen: Tränenreiches Wiedersehen

Ein sattes Programm begleitet das Heimattreffen der Ehemaligen am Wochenende. Die 77-jährige Ortsbetreuerin Berta Weis aus Lahr/Schwarzwald stemmt nicht nur die umfassenden Vorbereitungen, sondern kümmert sich auch um den reibungslosen Ablauf.

Ortsbetreuerin Berta Weis und Annemarie Heilmann leiteten die Gedenkfeier, an der Bürgermeisterin Margit Kirzinger (von rechts) teilnahm. Bild: fjo
von Josef ForsterProfil

Reichenau/Neuhäusl. Nicht nur bei der Wiedersehensfeier im Gasthaus Winkler flossen am Freitagabend Freudentränen. Trotz des nasskalten Wetters am Tag darauf, ging es in Originaltracht in die ehemalige Heimat "auf den Boden, der uns getragen hat". In der 82-jährigen Annemarie Heilmann aus Hanau fand sie zumindest eine Verbündete, die es ihr gleich tat.

Die einstigen Ortsgrenzen überschneiden sich mit der Marktgemeinde Waidhaus, weshalb zum Ortsteil Reichenau enge Verbindungen entstanden. In die große Schar der Ehemaligen mischten sich auch Reichenthaler und Reichenauer - sehr zur Freude der Veranstalterin. Das Wiedersehen sah Weis mit einem weinenden und einem lachenden Auge: "Die zwei Jahre sind wie im Fluge vergangen." Das Häufchen der Ehemaligen werde zwar immer kleiner, doch es rücken viele Nachkommen auf: "Sie wissen, mit was die Eltern verbunden waren. Das bleibt wie ein innerlicher Faden."

Die Teilnahme von stellvertretender Landrätin Margit Kirzinger freute Weis besonders: "Ihre Wurzeln liegen auch in unserer Heimat, stammte doch die Mutter aus Roßhaupt." Am Samstagnachmittag galt das Gedenken den Gefallenen der beiden "unseligen Kriege" am Kriegermahnmal vor der Kirchenruine. "Wir wollen hier unserem verlorenen Dörfchen die Ehre geben", sagte Weis und wünschte sich, dass die Kirche "noch lange als Mahnmal standhält". Ihre sehr weite Anreise aus den Vereinigten Staaten krönte Irmgard Sumner, geborene Plobner, mit einem eigens verfassten Heimatgedicht. Erstmals hatte sie sich mit ihrem Ehemann zu einem Heimattreffen eingefunden.

Bevor es die wenigen Schritte hinunter zum Friedhof zur Andacht ging, erzählte Weis vom Schmuggel und der Rettung des Marienbildes während der Zeit des Kalten Krieges und ergänzte: "Es sind viele Bitten erhört worden, die vor unserer Marienstatue ausgesprochen wurden. Davon könnte fast ein Wallfahrtsort gemacht werden." Das Gedenken schloss sie mit der eindringlichen Bitte: "Liebes Dorf, wir versprechen dir, dass wir uns immer wieder hier einfinden. Du bist in unseren Herzen tief verwurzelt."

Emma Weber übernahm im Auftrag von Ortsbetreuer Erwin Klotz aus Pleystein dessen Grußworte, in denen er an seinen Vorgänger Horst Grünberger erinnerte. Ein Gedicht in Egerländer Mundart steuerte Heilmann dazu und Ortsbetreuerin Weis eine nach altem Ritus gesungene Litanei. Zum Dank für den gepflegten Zustand des Areals an Hans Kaas aus Reichenau als "Wächter unserer Heimat" rückte Kirzingers Enkelkind Jason in den Mittelpunkt. Nicht nur die Bitte: "Vergesst mir die Heimat nicht, weil sie das Schönste ist", empfahl Weis den Ehemaligen, sondern sie blickte auch nach vorne: "Wir müssen auch vergeben. Es ist hier wieder eine ganze andere Generation herangewachsen, die genauso unbedarft in die jetzige Situation hinein kam, wie es uns damals erging."

Beim Heimatabend im Gasthaus Winkler durfte jeder Teilnehmer mit Liedern, Erzählungen und Anekdoten das gesellige Beisammensein bereichern. Bevor das Treffen am Sonntag mit Frühschoppen und Mittagessen ausklang, feierte Pfarrer Georg Hartl in der Filialkirche von Reichenau den Festgottesdienst zu Ehren der Neuhäusler Muttergottes.

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