24.03.2017 - 20:00 Uhr
WaidhausOberpfalz

Schicksal des Försters Smolik: Von Wilderern erschossen

Zwischen den beiden Waidhauser Grenzübergängen hat sich vor etwas über 100 Jahren etwas Dramatisches ereignet. Dem Mord an einem tschechischen Förster folgt ein Fluch, der sich sogar erfüllt haben soll.

Der Gedenkstein für Förster Smolik steht im Revier "Reisiglohe". Diese Woche hatte es auf dem Grenzkamm zwischen Böhmen und Bayern noch einmal Schnee gegeben. Bild: fjo
von Josef ForsterProfil

(fjo) Obwohl der Tatort nur wenige Hundert Meter außerhalb der Marktgemeinde liegt, gehört dieses Gebiet bereits zum Cesky les, den böhmischen Wald, der weiter südlich von den Tschechen liebevoll "Sumava" (die Rauschende) genannt wird. Gleich gegenüber der Grenze gehört der gut gepflegte und ausgedehnte Wald mit dem Flurnamen Tiefenlohe nach der Rückübereignung seit 1995 wieder der Familie Kolowrat im böhmischen Dianaberg.

Beliebt und geachtet

Im Revier "Reisiglohe" steht der Gedenkstein, der allein durch seinen kalten Reimvers aufhorchen lässt: "Hier fand man Förster Smolik von Wilderern erschossen, als Held für Recht und Pflicht hat er sein Blut vergossen." Die Überlieferung erzählt, dass der Forstmann - obwohl Tscheche - in der Waidhauser Nachbar- und Partnergemeinde Roßhaupt sehr beliebt und geachtet war.

Auf frischer Tat muss er am 27. September 1916 Wilderer beim Aufbrechen eines erlegten Sechzehnenders ertappt haben. Ein auf Posten stehender Mittäter habe auf den Förster einen Schuss abgegeben. Am nächsten Tag fand man Smolik, knieend und zusammengesackt, tot auf.

Mangel an Beweisen

Der Tat verdächtigt und umgehend verhaftet wurden ein Vater und sein Sohn, deren Namen nicht überliefert sind. Beide hatten aber schon seit langer Zeit keinen guten Ruf mehr. Aus Mangel an Beweisen mussten sie jedoch wieder freigelassen werden. Ein Jahr später wurde ein bayerischer Forstgehilfe angeschossen. Es war dasselbe Kaliber, wie jenes, mit welchem Förster Smolik erschossen wurde. Außerdem hatte ein österreichischer Zollaufseher die Szene beobachtet. Nun wurde der Sohn wieder verhaftet und zu einer mehrjährigen Kerkerhaft verurteilt.

Die bis heute in der Erinnerung der älteren Bevölkerung in Waidhaus wach gebliebenen Geschichte trug sich dann erst etwa zehn Jahre später zu. Denn Förster Smolik hinterließ nicht nur eine junge Witwe mit einem Kleinkind, sondern das zweite trug sie unter dem Herzen.

Die Frau stammte aus dem Anwesen Kilbert in Reichenthal. Die Witwe habe den überführten Mörder damals in aller Öffentlichkeit immer wieder verwunschen und dazu den Fluch ausgesprochen: "Der rechte Arm soll ihm abfaulen." Tatsächlich hat der Fluch sich erfüllt. Nach einigen Jahren, etwa um 1925, wurde der Täter aus der Haftanstalt Bory bei Pilsen entlassen. Er kam mit nur einem Arm als hinfälliger Mensch nach Hause. Er litt an Knochentuberkolose, ging mühsam am Stock und nahm ein frühzeitiges, schmerzhaftes Ende. Die Ereignisse in der Tiefenlohe wurden der Roßhaupter Chronik entnommen, verfasst Ende der 1970er Jahre von Josef Voit und Franz Voit (Bernadn) nach Aufzeichnungen des Pfarrers Franz Schuster.

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