25.08.2014 - 00:00 Uhr
WaldershofOberpfalz

Bürgermeisterin Friederike Sonnemann besucht Waldershofer Senioren - Zeitzeugen und Vorbilder Den Älteren zuhören und lernen

Die einen machen sich regelmäßig schick für die Kaffeerunde, eine andere Seniorin (94) hackt noch Holz und der älteste Waldershofer dreht gern mehrere Runden mit dem Fahrrad. Bürgermeisterin Friederike Sonnemann besuchte sie am Montag. "Das sind Vorbilder", strahlt sie und freut sich, wenn die Senioren aus ihrem Leben erzählen.

Mit 95 Jahren fast täglich auf dem Fahrrad unterwegs: Johann Busch. Er hält sich fit. Da schade dann auch fettes Essen nicht, meint der Hohenharder augenzwinkernd. Bild: hd
von Harald Dietz Kontakt Profil

Ein Erfahrungsschatz, den man nicht hoch genug bewerten kann, hebt Sonnemann hervor. Natürlich kommen bei den Besuchen auch Schicksalsschläge zur Sprache. "Aber all das macht das Leben aus."

"Tiefschläge sind notwendig", sagt Anna Reichold, "sonst hat man keine Lust mehr zu sterben". Nicht etwa weil Friederike Sonnemann Blumen und einen Likör mitgebracht hat, freut sie sich über den Besuch der Bürgermeisterin. "Ist das wohl ein Brautstrauß", scherzt die 94-Jährige.

Stolz zeigt sie auf einen Stapel Holz (mehrere Ster). Anna Reichold: "Holzhacken ist gut. Da sehe ich, was ich getan habe." Nur am Nachmittag, ist eine Pause Pflicht. "Da kommt ,Sturm der Liebe' im Fernsehen. Ich lass' dann alles liegen und stehen. Hinterher geht's weiter."

Zupackend

Den Haushalt erledigt sie noch immer alleine: putzen, Wäsche waschen und aufhängen. "Nein, einen elektrischen Wäschetrockner brauche ich nicht", betont sie auf Nachfrage von Bürgermeisterin Sonnemann. Die Seniorin wohnt im ersten Stock des Hauses, das sie zusammen mit ihrem Mann baute. Holz und Kohlen trägt sie täglich nach oben.

Entmutigen lässt sich Anna Reichold nicht so schnell. Nie mit Reichtümern gesegnet ("Ich war das zwölfte Kind"), verlor sie vor 19 Jahren ihren Ehemann, vor 16 Jahren einen Sohn. Arbeit - unter anderem in der Porzellanfabrik Haviland - prägte ihr Leben. "Wenn die jetzt abgerissen wird, blutet vielen hier das Herz. Da hängt Vergangenheit dran." Schicksalsschläge und Operationen gab es viele. "Der Schutzengel hatte schon viel Arbeit mit mir", merkt die Seniorin mit Blick auf mehrere Stürze an. "Aber Sie wirken recht rüstig", fällt Friederike Sonnemann auf. Auf die Frage, was sie sich gönne, zeigt Anna Reichold auf eine Tasse. Die mache sie jeden Abend halbvoll - mit Bier. Ein Löffel Zucker dürfe nicht fehlen.

Warmes Essen

Hannchen Leder (93), die am Montag ebenfalls Besuch von der Bürgermeisterin bekam, trifft sich gerne mit Dorothea Zembsch, der ältesten Waldershoferin zum Kaffeetrinken. Dafür machen sich beide stets schick. Hannchen Leder, im Glauben fest verwurzelt, ist froh, dass sie ihr Leben noch eigenständig gestalten kann. Dazu gehöre, täglich ein warmes Essen zu kochen. Gurkensalat bereitet auch Johann Busch noch selbst zu, und natürlich Spotzn. Den Schweinebraten überlässt er Jüngeren in der Familie. Am liebsten mag er ihn fett. Naschereien dürfen nicht fehlen - Gummibärchen oder Plätzchen. Der Gesundheit sei das nicht abträglich. Die vielen Treppen im Haus sind für ihn keine Qual. Er nutzt sie als Fitnessgerät, läuft täglich mehrmals rauf und runter. "Oben nehme ich mir ein Fernglas und schaue hinunter auf Waldershof", berichtet der Hohenharder begeistert. Friederike Sonnemann freut sich über die positive Lebenseinstellung des mit 95 Jahren ältesten Mannes in der Stadt Waldershof. Die gute Luft und die herrliche Landschaft blieben nicht ohne Wirkung; vermutlich deshalb treffe man Johann Busch stets wohlgelaunt. Nicht missen möchte er das Fahrradfahren. Bis vor drei Jahren war er auch noch mit dem Auto unterwegs.

Nicht ohne "Neuen Tag"

Fest zum Tagesablauf gehört das Zeitunglesen. "Der neue Tag" liefert ihm alle wesentlichen Information aus Stadt, Region und der Welt. "Mit der Gesundheit bin ich zufrieden", resümiert der 95-Jährige. Gerne erzählt Busch, der heute noch ein paar Hühner hält, wie früher auf dem Hof geschlachtet und dann Blut- und Leberwürste hergestellt wurden. Auch das Holzmachen im Wald habe ihm gefallen. "Doch es ist gefährlich. Darum lassen sie mich jetzt nicht mehr alleine in den Wald." Aber auf dem Hof in Hohenhard gibt es jeden Tag etwas zu tun. "Und das hält jung."

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