29.08.2017 - 17:58 Uhr
WaldershofOberpfalz

"Schändlicher Umgang" mit geschichtsträchtigem Denkmal Stein-Frevel an der Wald-Kapelle

Vor vielen Jahrzehnten haben Einheimische und Wanderer Sühnesteine an das Marterl im Steinwald getragen. Doch seit einigen Monaten werden diese nun zu "Steinmandln" umfunktioniert.

Im Jahr 1974 wurde die ökumenische Dreifaltigkeitskapelle bei der ehemaligen "Hohen Tanne" errichtet. Das davor stehende Marterl war bis vor einigen Monaten von einem großen Steinhaufen umgeben. Wandernde "Künstler" haben die "Sühnesteine" zweckentfremdet und zahlreiche Steinmandln bei der Kapelle errichtet. Bild: fpoz
von Oswald ZintlProfil

Waldershof/Friedenfels. Der Naturpark Steinwald hat mit der Burgruine Weißenstein und dem Oberpfalzturm zwei äußerst attraktive Wanderziele. Dazu kommt seit dem Jahr 1974 die ökumenische Dreifaltigkeitskapelle an der "Hohen Tanne". Diese ist auch das Ziel vieler Christen. Dort steht ein Marterl, in dessen Granit-Fuß die Jahreszahl 1845 eingemeißelt ist.

Das dürfte auch die Zeit gewesen sein, in der das Marterl im Steinwald aufgestellt wurde. In den folgenden Jahrzehnten - so ist es überliefert - wurde der Steinhaufen um das Marterl immer größer. Um Steinhaufen und Marterl ranken sich allerlei Geschichten. So haben die einen als Kinder Steine herangetragen, dass eines Tages damit eine Kapelle gebaut werden kann. Bei anderen herrschte der Glaube vor, dass man durch die Wallfahrten mit den Steinen - sie wurden teilweise von der Kösseine dorthin geschleppt - auf diesem beschwerlichen und steilen Weg die Vergebung von Sündenstrafen erlangen kann. Das Marterl war zur damaligen Zeit mit einem Dreifaltigkeitsbild - es zeigte Gottvater mit dem Zepter, Jesus Christus mit dem Kreuz und den Heiligen Geist in Form einer Taube - versehen. Über die Jahre hinweg wurde das Bild im Marterl immer bleicher. Annelie Psiorz, eine Lehrerin aus Berlin, die heute noch regelmäßig ihren Urlaub in Hohenhard verbringt, gestaltete das Dreifaltigkeitsbild für das Marterl im Jahr 1999 neu und in Farbe. Gegenüber dem ursprünglichen Bild verewigte die Künstlerin darauf auch die Anäider Antonius-Kapelle, deren 250-jähriges Bestehen im vergangenen Jahr gebührend gefeiert wurde. An der Kreuzung Plattengasse/Kammweg befand sich in früheren Zeiten anscheinend eine zur Burg Zwernitz gehörende Kapelle. Auf einer alten Landkarte ist diese Stelle mit "Bei der Kapelle bezeichnet." Ein Blick in alte Aufzeichnungen erinnert auch daran, dass vor dem Deutsch-Französischen Krieg im Jahr 1870 die zu den Waffen gerufenen Einheimischen sich am Marterl im Steinwald trafen und sich schworen, dass kein Franzose deutsches Gebiet betritt. Viele Einheimische aus den Ortschaften rund um den Steinwald verstehen die Entwicklung rund um das Marterl nicht mehr. Sie ärgern sich über den "schändlichen Umgang" mit diesem geschichtsträchtigen Denkmal. "Der Stein-Frevel hat sich bereits negativ auf die Standfestigkeit des Marterls ausgewirkt. Durch das Herausnehmen der Steine bis unter die Grasnarbe hat sich der Granitstein schon beträchtlich nach vorne geneigt", stellt der Vorsitzende des Musik- und Heimatvereins Hohenhard-Steinwald, Gerhard Schinner, verärgert fest.

Unfallrisiko

An die Adresse der "Steinkünstler" appelliert Gerhard Schinner: "Wer sich mit Kunstwerken in der Natur verewigen will, soll gefälligst die dazu benötigten Materialien selbst mitbringen. Noch besser wäre es allerdings, wenn die Kunstwerke im eigenen Garten oder vor der Haustüre des jeweiligen Kunstschaffenden entstehen würden. Die zahlreichen Steinmandln vor der Dreifaltigkeitkapelle stellen zudem ein erhöhtes Unfallrisiko dar, so Schinner. Im Sommer verdeckt hohes Gras die sogenannten Kunstwerke und im Winter sind sie unter der Schneeschicht nicht auszumachen. Der Vorsitzende der Musik- und Heimatfreunde Hohenhard-Steinwald, Gerhard Schinner, wird in den kommenden Wochen Gespräche mit dem Waldbesitzer und anderen Vereinen führen, um das Marterl wieder auf ein festes Fundament zu stellen.

Steinwald

Wer sich intensiver mit der Geschichte des Steinwaldes und den angrenzenden Gemeinden befassen will, kann gerne auf die Schriftenreihe "Wir am Steinwald", herausgegeben von der "Gesellschaft Steinwaldia" in Pullenreuth - sie hat auch die Wiederherstellung der Burgruine Weißenstein vorangetrieben und mit zahlreichen ehrenamtlichen Helfern beim Aufbau mitgeholfen - zurückgreifen. Im Naturpark Steinwald werden seit Jahren die Artenhilfsprojekte Arnika, Kreuzotter und Flussperlmuschel betrieben. Neben Wandern, Nordic Walking, Mountainbiking und Klettern bietet der Steinwald in schneereichen Wintern ideale Voraussetzungen für Skilangläufer. Der Naturpark bietet zusätzlich botanische Streifzüge, erdgeschichtliche Wanderungen und Exkursionen an. (fpoz)

Durch das Herausnehmen der Steine bis unter die Grasnarbe hat sich der Granitstein schon beträchtlich nach vorne geneigt.Gerhard Schinner

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