14.08.2009 - 00:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Eine "nahrhafte" Wanderung von Konnersreuth zur Kappl "Hannisch doch jesäht!"

Die „fremden“ Autokennzeichen verraten es. Für viele motorisierte Reisende sind die Waldsassener Stiftsbasilika, die nahe gelegene Kappl und die Stätten in Konnersreuth, die an den 1716 in Äthiopien ermordeten und 1988 selig gesprochenen Liberat Weiß sowie an die 1962 verstorbene stigmatisierte Therese Neumann erinnern, besuchenswerte Ziele. Wanderern dagegen begegnet man - noch - selten. Nach mehreren Kurzbesuchen des Stiftlandes reifte der Entschluss: Wir wollen einmal ein Stückchen dieser geschichtsträchtigen Landschaft „auf Schusters Rappen“ erwandern.

Beim Heraustreten aus dem Münchenreuther Wald überrascht die ungewohnte Perspektive der Kappl mit ihrem im Wasser gespiegelten Türme-Trio. Bilder: Tamme
von Redaktion OnetzProfil

Dieses Vorhaben beginnt beim Lehenbühl, auf dem sich der mit Birken umgürtete Hochbehälter für die Konnersreuther Wasserversorgung befindet, mit einem „Rundumsicht-Paukenschlag“: Im Westen schimmert in der Ferne das Fichtelgebirge, in der Nähe Reichsforst und Kohlwald. Im Süden erkennt man den Oberpfalzturm im Steinwald und im Vordergrund den Ort Großbüchelberg, links davon die markanten Schlote von Mitterteich. Im Nordosten kann man die Türme der Kappl leicht mit den hohen Fichtenwipfeln verwechseln.

In deren Richtung geht es los auf einem Weg, der mit vulkanischen Bruchsteinen befestigt ist und auf dem sich viele Kohlweißlinge sonnen. Am Wegesrand leuchten aromatisch schmeckende Himbeeren, „beschützt“ von Brennnesseln. Am Rand des riesigen Münchenreuther Waldes „plündern“ wir ausgiebig einen wilden Kirschbaum, dessen kleine Früchte zartbitter schmecken und genießen wieder die Blicke in die Landschaft und auf die Wolkengebirge über uns. Im dunklen Nadelwald leuchten Glockenblumen, Fingerhut und Ackerschachtelhalm.

Am Ruderbach mit seinen Teichen sonnen sich exotisch gefärbte Schmetterlinge auf violetten Distelblüten. Das Tretboot mitten im See wartet anscheinend auf einen Wochenend-Freizeitkapitän. Eine Bank lädt zum Verschnaufen ein, bevor es auf bemoosten Waldwegen weitergeht. In der Gemarkung Möselbrand fragt uns ein mit schweren Rucksäcken bepacktes Jungmänner-Quartett nach dem Weg zur Grenzlandhütte. Im Weggehen brummt einer:„Hannisch doch jesäht!“ Nun wissen wir, dass sie aus dem Rheinland kommen und es einer den andern drei „doch gesagt hat“.

Beim Heraustreten aus dem Wald überrascht uns die ungewohnte Perspektive der Kappl. Während wir die Spiegelung des Türme-Trios im Teich bewundern, haben wir ein wenig das Gefühl, dass alle an ihrem Ziel angekommenen Fußpilger befällt. Nach einer Brotzeit und einem Besuch von Georg Dientzenhofers Meisterwerk bringen wir unsere Beine wieder auf „Betriebstemperatur“, indem wir zum höchsten Punkt dieses Ausflugs wandern, dem Dietzenberg.

Von hier geht der Blick weit ins Böhmische mit dem markanten 939 Meter hohen Tillenberg. Zurück im lichten Wald stoßen wir bald auf Schwarzbeeren, Walderdbeeren, Preißelbeeren und Eierschwammerln. Den Durst löschen wir in der Grenzlandhütte, deren Weiher zum Verweilen einlädt.

Auf dem Rückweg begleitet uns zunächst der Krebsbach. Im Dorf Grün empfangen uns laut schnatternde, zukünftige Weihnachtsgänse. Der Ortsname führt zu der spontanen Frage, welche Partei die Bewohner wohl wählen. Doch der kleine Ort scheint verlassen. Nur in einem Stall hört man Kühe, die sicher auch lieber draußen in der Natur wären.

Am Ortsausgang verkündet ein Schild „1 km Konnersreuth“, zwanzig Meter weiter sind es zwei Kilometer! Ob das die Wanderer beflügeln soll? Fest steht, dass es zum Schluss kräftig bergauf geht. Eine letzte Einkehr ist die Folge, bevor ein Rundgang durch den Markt Konnersreuth diese „nahrhafte“ Wanderung beschließt.

Tipps zur Route

Anfahrt Die A 93 bei der Abfahrt Mitterteich-Süd verlassen; auf der Umgehungsstraße B 299 Mitterteich umfahren bis zum Linksabzweig nach Konnersreuth. Dort parken beim Therese-Neumann-Platz.

Wegbeschreibung In nordöstlicher Richtung auf der Pfarrer-Schuhmann-Straße (blaues Kreuz auf weißem Grund) Konnersreuth verlassen, nach links Abstecher zum Wasserbehälter, dann bis zu Straße Grün-Groppenheim. Auf dieser 200 Meter nach links, dann auf Feldweg rechts bis zum Waldrand, dann links zur Kreuzung. Blauem Kreuz auf weißem Grund folgen bis zum Teichgebiet Ruderbach.

Nach Osten (blauer Punkt auf weißem Grund), bis man vor der Kappl steht. Auf dem "Ostweg" (weißes O auf rotem Grund) nach Norden bis zum Dietzenberg, links in den Wald bis zum Schild "Zur Grenzlandhütte". Von hier nach Süden am Krebsbach entlang bis zum Weg Grün-Seedorf, dem weißen Pfeil nach Grün folgen, durch den Ort zurück nach Konnersreuth.

Gehzeit und Länge Die Gesamtlänge beträgt elf Kilometer. Stellt man das Auto nahe dem Wasserbehälter ab, spart man zwei Kilometer. Man sollte mit etwa drei Stunden reiner Gehzeit rechnen. Hinzu kommen Pausen, Einkehr, Besichtigungen der Kappl und von Konnersreuth.

Informationen Der Markt Konnersreuth informiert mit "Flyern" vor allem über die Stätten, die an Therese Neumann erinnern, für die der Seligsprechungsprozess läuft. Eine Wanderkarte ist noch in Arbeit. Adresse: Markt Konnersreuth, Hauptstraße 17, 95692 Konnersreuth; Telefon 09632/92110; E-Mail: tourist-info@ konnersreuth.de. Internet: www.konnersreuth.de

Umgebung In einem Extra-Flyer weist die Marktgemeinde auf eine Vielzahl von Zielen in der Umgebung hin: u.a. Waldsassen, die Luisenburg, den Oberpfalzturm auf der Platte oder die tschechischen Bäder-Städte.

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