23.02.2018 - 15:50 Uhr
Waldsassen

Imkerverein Waldsassen feiert 100-jähriges Bestehen Gründung aus der Not heraus

Der Imkerverein mit dem versierten Experten Josef Ernst an der Spitze feiert in einer Woche 100-jähriges Bestehen. In Verbindung damit wird auch der Oberpfälzer Imkertag ausgerichtet. Ein Anlass, die bewegte Geschichte und Entwicklung des Jubelvereins in Erinnerung zu rufen.

Vorsitzender Lothar Holm überreichte im Sommer 1992 in Anwesenheit der damaligen Vorstandsmitglieder an Engelbert Häckl, Neudorf, das Ehrenzeichen samt Urkunde für langjährige Mitgliedschaft. Von links Otto Hültner, Vorsitzender Lothar Holm, Walter Schönborn und Engelbert Häckl. Bild: pz/Vereinsarchiv
von Autor TMLProfil

Im Pfarrdorf Münchenreuth hatte sich durch die Initiative des damaligen Pfarrers und Imkers Gottfried Wöhrle (1821 - 1866) schon im Januar 1865 ein Verein von Bienenfreunden gebildet, aus dem sich wenig später dann eine Art Kreisverband entwickelte. Förderer der Bienenzucht fanden sich im Stiftland später auch im Leonberger Pfarrer Gottfried Mayer und im Tirschenreuther Stadtpfarrer Gottfried Staudinger, wobei an beiden Orten auch Ortsvereine entstanden.

Nach Waldsassen kam 1882 Johann Baptist Sparrer als neuer Pfarrer. Er hatte sich schon an seinem vorherigen Pfarrort Premenreuth der Bienenzucht gewidmet und brachte nun ab 1883 wieder neues Leben in den ruhenden Kreisverband. Mit dem Weggang von Pfarrer Sparrer 1905 verloren allerdings Waldsassen und der Kreisverband seine Stütze. Vor allem im Laufe des Ersten Weltkriegs kam es zu massiven Versorgungsschwierigkeiten. Beherzte Imker gründeten am Sonntag, 13. Januar 1918, im Gasthaus August Franz - dem heutigen Gasthaus Zoigl am Eck - den Bienenzuchtverein für Waldsassen und Umgebung. Damit waren dieser Verein, wie schon kurz zuvor gebildete Kleintierzuchtverein Kinder ihrer Zeit - aus der Not geboren, um einen bescheidenen Ausgleich zur mangelnden Versorgung zu bewirken.

Interessensvertretung

Die Gründungsversammlung mit Imkern aus Waldsassen und vielen umliegenden Orten bis hin nach Kleinsterz und Großbüchlberg wollte aber auch als Interessenvertretung auftreten. Zum Gründungsvorstand wählte man den Imker und Porzellanoberpacker Josef Männer (1857 - 1921). Der Jahresbeitrag betrug 2 Mark. So widmete sich der Verein fortan allen Belangen der Imker, organisierte Vorträge und sorgte sich um die Zuweisung des benötigten Zuckers zur Fütterung. Dazu wurde im Mai 1920 beim neuen Vorstand Baumeister Franz Kassecker eigens auch eine Honigsammelstelle für Waldsassen eingerichtet.

Im Januar 1922 übernahm Johann Baptist Männer (1883 - 1940), der Sohn des Gründers, den Vorsitz im Verein. Männer führte ihn mit viel Herzblut durch eine bewegte Zeit. So fand etwa 1930 eine vielbeachtete Honig- und Bienengeräte-Ausstellung im Gasthof Schmidt-Papierer statt. Die Nachfolge als Vorstand trat 1938 der Bezirkskaminkehrermeister Georg Bauer (1879 - 1961) an, der die Leitung der "Ortsgruppe Imker Waldsassen und Umgebung" bis 1946 inne hatte. Dann wurde er abgelöst von Malzfabrikant Otmar Renner. 1947 musste sich auch der Ortsverein für Bienenzucht im Zuge der Entnazifizierung seine Lizensierung erkämpfen und dazu immerhin fünf neutrale Bürgen aufbieten.

100. Jubiläum bereits 1965

Als Vorstände fungierten in der Folgezeit bis 1963 Christian König, bis 1974 Eduard Sandner und bis 1982 Max Grillmeier. Im September 1965 feierte man ein 100. Vereinsjubiläum - in der irrigen Annahme, dass sich die Gründung des Kreisverbandes 1865 in Münchenreuth doch wohl auf Waldsassen bezogen habe. 1982 wurde mit dem Polizeibeamten Lothar Holm ein neuer Vorsitzender gewählt. Er führte den Verein in eine neue Ära. Denn die Sorgen und Probleme waren nicht weniger geworden. So stand man vor dem Kampf gegen das Auftreten der Varroamilbe und die damit verbundene Schädigung der Bienenvölker. 2003 forderte man den Einfuhrstopp von Bienen mit ihren Krankheiten aus Übersee. Schließlich sind Bienen für die intakte Ökologie von größter Bedeutung und bilden der Honig und das Bienenwachs noch immer lebenswichtige Produkte. Seit 1996 steht Josef Ernst, Münchenreuth, an der Spitze der Imker. Er brachte neues Engagement in den Verein verschafft den Belangen der Imkerfreunde auf allerlei Weise Geltung. Dabei wurde und wird Ernst bei seinen Aufgaben unterstützt von etwa 35 Mitgliedern und weiteren Funktionären - besonders in langen Jahren von Engelbert Kunz, Kondrau, als 2. Vorstand und heutigem Ehrenvorstand und seit 2016 von Kerstin Walch, als derzeitige 2. Vorsitzende, Josef Grillmeier als Kassier und Johannes Meckl als Schriftführer. Info-Kasten

Große Herausforderungen für Imker

Trotz des stolzen Jubiläums warten große und ernste Herausforderungen. 100 Jahre nach der Gründung des Imkervereins sterben wegen zahlloser Pestizide weltweit Milliarden von Bienen. In den USA gibt schon jetzt nicht annähernd genug Honigbienen.

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