29.09.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Sonderausstellung im Stiftlandmuseum Schalt’ dein Radio ein

"Rundfunk im Wandel der Zeit": Die aktuelle Sonderausstellung im Stiftlandmuseum ist eine stattliche Sammlung historischer Geräte und weiterer Belege aus rund 90 Jahren Rundfunk-Geschichte.

Anton Malzer. Bild: Archiv Treml/exb
von Autor TMLProfil

Als Geburtsstunde des deutschen Rundfunks gilt der 29. Oktober 1923, als an diesem Tag erstmals eine Unterhaltungssendung aus dem Vox-Haus in Berlin ausgestrahlt wurde. Etwa 6 Monate später im März 1924 folgte mit der "Deutschen Stunde" auch eine Sendung aus München. Freilich gab es anfangs nur wenige Insider, die mit selbst gebastelten Geräten die Sendungen empfangen konnten.

Ein solcher "Ersthörer" ließ sich auch in Waldsassen ausfindig machen,in der Person des Lehrers und Stadtrats Josef Wagner. Er war 1891 in Regensburg geboren und um 1913 nach Waldsassen gekommen. 1916 hatte er hier in die Rockstroh-Familie eingeheiratet. Seine Korrespondenz hat sich erhalten und kam später in den Handel. Daher fand sich auch ein Beleg, dass Josef Wagner im Januar 1924 die Zeitschrift "Der Deutsche Rundfunk" bezog und damit als früher Rundfunk-Hörer zu gelten hat.

Peter Rieder Pionier

Pionier auf diesem Gebiet war in Waldsassen auch der Elektro-Installateurmeister Peter Rieder (1903 - 1958). Er handelte anfangs mit Fahrrädern und führte ab November 1930 auch Rundfunk-Apparate der Marken Oswin und Lumophon. Dabei kosteten die Dreiröhren-Fernempfänger mit Röhren 136 Reichsmark und die Vierröhren-Schirmgitter-Fernempfänger mit Röhren immerhin 209 Reichsmark.

Ein stolzer Preis, den sich nur Wenige am Ort leisten konnten: Denn 1930 herrschte gerade Weltwirtschaftskrise und grassierte eine horrende Arbeitslosigkeit, wo auch in der Klosterstadt die meisten Industriebetriebe stillgelegt waren oder sich mit Kurzarbeit über die Runden zu retten versuchten.

Fernseher im Schaufenster

Ab 1930 konnte man in der "Grenz-Zeitung" dann auch schon das umfangreiche Wochen-Programm der bayerischen Rundfunk-Sender nachlesen. Als weiterer Stern am örtlichen "Radio-Himmel" darf auch der Elektromonteur Anton Malzer (1908 - 1982) gelten. Er eröffnete im November 1934 zunächst in seinem Elternhaus beim "Untern Malzer" ein Radio-Fachgeschäft und siedelte 1938 um in das Wohn- und Geschäftshaus Prinz-Ludwig-Straße 26/28. Hier etablierte er nun sein renommiertes Elektrogeschäft samt einem reichhaltigen Lager an Rundfunkgeräten aller Art. Ab Ende der 1950er Jahre führte Malzer die ersten Fernsehgeräte, wobei man die Sendungen sogar im Schaufenster mit verfolgen konnte. Das Geschäft bestand bis März 1983, nachdem Malzer als passionierter Segelflieger im Juni 1982 mit seinem Segelflugzeug tödlich verunglückt war.

Im Dritten Reich waren bekanntlich die sogenannten Volksempfänger VE 301 weit verbreitet und wurden massenweise produziert, um die Reden und Kundgebungen der NS-Prominenz in ganz Deutschland hören zu können. Kurioser Weise gab es am Ende des 2. Weltkriegs in der Porzellanfabrik Bareuther einen großen, eingelagerten Vorrat an Radios, die geplündert wurden. (Info-Kasten)

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Die Fotostory dazu im Internet:

https://onetz.exposure.co/ die-boesen-klingen-graesslich

14 Vitrinen

In 14 Vitrinen ist die Entwicklung der Radioapparate vom einfachen Detektor von 1924 bis zum digitalen DAB-Gerät von 2016 dargestellt. Außerdem ertönen auf Wunsch historische Tondokumente. Auf einem Einkreis-Empfänger von 1930 kann sogar noch ein Mittelwellensender mit diversen Ansagen eingestellt werden. Das Museum ist täglich von Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

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