27.01.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Altarraumneugestaltung in der Basilika Waldsassen Auerkalk der perfekte Stein

Die Pfarrei Waldsassen hat die Gelegenheit genutzt und bei der Generalsanierung der Basilika gleich noch eine neue Altar-Ausstattung in Auftrag gegeben. Daran arbeitet derzeit der Thanhausener Bildhauer Herbert Lankl mit Hochdruck. Im Februar beginnt die Installation vor Ort.

Das maßstabsgetreue Modell zeigt sehr schön die künftige Situation. Bild: tr
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Waldsassen/Bärnau. Derzeit ist die Basilika komplett geschlossen, weil darin das Gerüst abgebaut wird. Da das Gotteshaus ohnehin lange Zeit Baustelle sein würde, hatte die Kirchenverwaltung beschlossen, auf eigene Kosten auch die liturgischen Orte, dazu zählen unter anderem Altar, Ambo, Priestersitz, Vortragekreuz und Osterleuchter, zu erneuern. Wie Stadtpfarrer Thomas Vogl erklärt, sei die Neugestaltung des Altarraumes quasi als Abschluss der Generalsanierung zu verstehen, auch wenn das kein restauratorischer Beitrag sei. Die künstlerische Ausgestaltung lässt sich die Pfarrei etwa 50 000 Euro kosten. Die Diözese beteiligt sich mit einem Zuschuss von 45 Prozent. Auch einzelne Privatspenden sind dafür eingegangen, "wobei wir nie eigens für die Altarraumgestaltung Spenden erbeten haben."

Wobei wir nie eigens für die Altarraumgestaltung Spenden erbeten haben.Stadtpfarrer Thomas Vogl

Bei der Maßnahme wird auch der Taufstein von der linken Seite nach rechts in den Bereich des Bernhardsaltars verortet. Die Altarinsel nach den Plänen von Herbert Lankl hat die Firma Karl Fröhlich aus Altenhammer bei Flossenbürg bereits gesetzt. Sie besteht, wie auch sämtliche anderen Teile, aus Auerkalk aus dem Steinbruch Essing bei Kelheim. "Schon als ich die Kirche unter dem Aspekt hier tätig zu werden, das erste Mal genauer betrachtet habe, war mir klar, dass nur dieser Stein infrage kommt", erklärt Lankl.

Passt zur Fassung

"Unbehandelt ist der Stein gelblich und hat rosa Einschlüsse. Schleift man ihn hochglänzend, dominiert die gelbe Farbe, schleift man ihn halbmatt, hält sich gelb zurück und rosa wird dominanter. Das passt hervorragend zur neuen Fassung der Figuren im Gotteshaus, die ebenfalls ein helles Rosa aufweisen. Der Stein korrespondiert dadurch auch perfekt mit den vorhandenen Solnhofer Bodenplatten, die ebenfalls beide Farbtöne zeigen. Besser geht es nicht".

Bevor der Steinbildhauer mit der Arbeit begann, hat er sich mehrmals vor Ort umgesehen und Fotos gemacht, um sich die Situation genau einzuprägen. Ein Modellbauer fertigte danach mehrere Modellplatten im Maßstab von 1:10 bis 1:50. Wichtig beim Setzen der Altarinsel sei gewesen, dass beim Schneiden keine Bodenplatten in Mitleidenschaft gezogen werden und auf Fugenniveau gearbeitet werd. Das definierte letztendlich auch die genaue Lage das Bauwerks. Ende Februar will Lankl mit dem Einbau beginnen. Die Steine werden am Einbautag direkt im Werk abgeholt und nach Waldsassen gebracht. Alleine der Altarstein wiegt 3,6 Tonnen. Aus dem Grund arbeitet Lankl, der eigentlich bevorzugt alleine werkelt, diesmal im Team.

Kommando delegiert

Das "Kommando" übergibt er freiwillig an seinen langjährigen Freund, den Steinmetzmeister Bernhard Hirschbeck aus Weigelshofen bei Forchheim. "Der kann besser anschaffen als ich - nein ich kann das überhaupt nicht"-, denkt er laut nach. "Läuft alles gut, sind Altar und Ambo an einem Tag eingebaut. Die Restbodenplatten, sind dann wieder Aufgabe von Karl Fröhlich. "Der Altar muss kabelfrei bleiben und darf auch nicht angebohrt werden. Alles, was an Technik installiert wird, muss geschickt versteckt werden."

Der kann besser anschaffen als ich - nein, ich kann das überhaupt nicht.Herbert Lankl über seinen Kollegen

Pfarrer Thomas Vogl und Kirchenpfleger Martin Rosner waren Ende Sommer des vergangenen Jahres im Steinbruch bei Kelheim und suchten zusammen mit Werksleiter Willi Hoffmann den Stein aus. Schnell sei man dabei zum Konsens gekommen, erzählt Lankl. Schon vor Weihnachten wurde der Block im hauseigenen Werk direkt beim Steinbruch grob in Form geschnitten.

Dann folgte viel Schleifarbeit. Vor allem an die Arbeit an der Buchablage im Ambo erinnert sich Herbert Lankl eher ungern. Die musste er in mühevoller Handarbeit trocken aus dem Stein herausfräsen und -schleifen. Eine staubige Angelegenheit: schleifen, Schutzbrille saubermachen, schleifen. "Tage dauerte das", erinnert sich der Bildhauer.

Vier Wettbewerbe infolge

Vier Wettbewerbe infolge hat Herbert Lankl im Vorjahr gewonnen. So ist er in den kommenden Jahren in Grafenwöhr an einer kleinen evangelischen Kirche beteiligt. Ein weiterer Auftrag führt ihn nach Neuhausen auf den Fildern. Die größte Baustelle tut sich für ihn in Fichtelberg auf. Dort wird eine alte Kirche abgerissen und neu gebaut. Herbert Lankl macht die Komplettausstattung. Neben Wettbewerben ist der Steinkünstler auch immer wieder an Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt. Während des "Cooltour-Sommers" im Tirschenreuther Fischhofpark ist er an einem internationalen Symposium beteiligt. Er fertigt dort eine Steinskulptur, die im Fischhofpark ihren Platz finden wird.

Das Jetzt im Blick

Herbert Lankl hat bei der Neugestaltung des Altarraumes in der Waldsassener Basilika bewusst nicht versucht, irgendetwas auf Alt zu machen oder gar zu barockisieren. "Der Stein passt wunderbar zur Situation. Man soll sehen, dass die Altarausstattung im 21. Jahrhundert gemacht ist. Das Jetzt soll zum Tragen kommen, denn da leben wir ja auch."

Mit einem festlichen Pontifikalgottesdienst mit Weihe von Altar und Ambo wird die Stiftsbasilika am Sonntag, 26. März, um 10 Uhr wiedereröffnet.

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