19.02.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Ausstellung Jeff Beer im Kunsthaus Von der Genauigkeit des Sehens

"Unverkennbar Jeff Beer" gibt es nicht. Wer in den Werken des Gumpener Künstlers einen Wiedererkennungswert sehen möchte, sucht vergeblich. Jeff Beer ist ein Multitalent. Seine Werke haben tausenderlei Facetten und sein Bekenntnis lautet: Einseitigkeit ist langweilig.

Jeff Beer ist einer der wenigen Ausnahmekünstler, der in Bereichen wie Bildhauerei, Malerei, Fotografie, Grafik und Musik gleichermaßen verblüfft. In der Region erstmals gezeigt werden unter anderem seine aufwendig gearbeiteten Collagen, die zu seinen neuesten Werken zählen. Bild: Baumer
von Ulla Britta BaumerProfil

Dabei zeigt sich das 65-jährige "Talent der Vielfältigkeit" in bescheiden-zurückhaltender Genialität. Selten lässt er in der Heimat von sich hören, um oftmals lange Zeit gänzlich aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit zu verschwinden. Dann entstehen große Werke auf seinem Bauernhof in Gumpen. Knapp 100 herausragende Arbeiten, darunter Aquarelle, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen und Collagen, zeigt er jetzt im Kunsthaus und liefert damit den Beweis: Dieser Mann hat das Potenzial, auf den Weltbühnen der großen Künste mitzumischen.

Der Samstagabend ist in der Klosterstadt ein besonderer Moment der Präsentation. Das Kunsthaus lädt zur Vernissage von Beers Ausstellung "In drei Stunden zum Augenblick". Dafür hat er in den vergangenen Monaten und Jahren viel gearbeitet. Derart viel, dass den zahlreichen Gästen nicht nur bei der Laudatio, vorgetragen von Jennifer Horn, ein wenig schwindelig wird, über das bereits Erreichte. Und für das Kunsthaus kommt es einer kleinen Sensation gleich, solch eine umfangreiche Präsentation zeigen zu dürfen.

Tief verwurzelt

Dabei ist Jeff Beer tief in der Oberpfalz verwurzelt. Mit einem kleinen Notizzettel in Händen steht er vor seinen Gästen und erzählt dann frei, präzise und tiefer in seine Arbeit eintauchend, was er sagen kann über seine Kunst und seine Beweggründe. Er nimmt das Handwerk zum Anlass, um ins Detail zu gehen. Die so erklärten technischen Feinheiten sind es, die Beers nicht selten unnahbare Schaffenskraft neue Betrachtungsweisen geben.

Es ist ihm außerordentlich wichtig, Kunst vom ersten Pinselstrich, vom ersten Griff nach dem Bleistift, von der ersten gedanklichen Idee an zu vermitteln. Um Schweißarbeiten zu erklären, wird Beer vor seinem Publikum selbst zur Eisenskulptur. Hoch reckt er die Hand empor, nimmt eine unbequeme Steh-Position ein, um aus dem Menschen eine Plastik zu machen.

Dann erklärt er, warum er die Genauigkeit des Sehens, Stehens, Gehens und Stillstands erforscht, um dann mit der Arbeit zu beginnen. Das löst vielfältige Möglichkeiten aus: Hinter der skurril hochragenden Eisenskulptur, hinter unendlich vielen Bleistiftstrichen, hinter der träge dahinfließenden Naab steckt mehr als nur Rost, Farbe oder Wasser.

"Manchmal bin ich verliebt in eine Inspiration. Das sind die Glücksstunden eines Künstlerlebens", erklärt Beer, um danach die Hände kreisen zu lassen zur Demonstration, wie er für eine Zeichnung zwanzig Stifte gleichzeitig zum Schwingen bringt. Er überlässt dabei seine Arbeit nicht dem Zufall. Leidenschaftlich spricht er über das Zusammenführen der Dinge, was einem Umwälzungsprozess gleich komme, der ihn immer wieder erstaune.

Trommeln und Glocken

Dann entschuldigt er sich für die zu lange geratene Einführung, um ein drittes Mal an diesem Abend sein Talent als Musiker zu demonstrieren. Beers Trommeln und Glocken schwingen sich ein in die Herzen der Anwesenden, die es erlauben, sich auf diese Art der Kunst einzulassen. Der Handwerker, der Musiker, der Maler, der Grafiker, der Fotograf, der Bildhauer: Es ist ein großes Erlebnis, Beers viele Facetten zu erleben.

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Die Ausstellung ist noch bis 19. März zu sehen. Öffnungszeiten: mittwochs von 18 bis 20 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr. An den Sonntagen ist der Künstler persönlich vor Ort.

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