Ausstellung mit Rainer Sollfrank in der Volksbank Raiffeisenbank
"Die Antworten liegen in der Stille"

Mit seiner "Digi-Art" ist Rainer Sollfrank künstlerisch angekommen. Der Kunsterzieher im Ruhestand ist in vielen Genres unterwegs. In der digitalen Welt hat er einen Weg gefunden all seine Begabungen quasi in einem Guss einzubringen.
Kultur
Waldsassen
13.10.2017
219
0
 
"Schüchternes, rotes Dach" (links) und "Schlafende" (Mitte) titelte der Künstler diese beiden Bilder. Seine "Digi-Arts" hat Sollfrank in vier Bildbänden verewigt - der Fünfte ist in Arbeit (rechts).

Schlicht "Digi-Art", heißt die Ausstellung des Kemnather Künstlers Rainer Sollfrank, die in den kommenden vier Wochen in der Volksbank Raiffeisenbank zu bewundern ist. Eine außergewöhnliche Präsentation, die viel Spielraum für eigene Interpretationen zulässt.

Bürgermeister Bernd Sommer erklärte, dass er als er am Morgen der Vernissage in seinem Terminkalender, "19 Uhr, Vorano - Ausstellung" las, habe er sich ein wenig schwer getan. Er präzisierte und erklärte: "Ich habe erfahren, dass ,Vorano' im Rathaus das Kürzel für die neue Konstellation Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz ist. Was aber schwieriger war, es ist kein Titel zur Ausstellung im Kalender gestanden." Habe eine Bilderausstellung einen Namen, könne man sich da schon meist einen ersten Eindruck verschaffen. Nicht so hier. Diese Tatsache habe ihn aber auf der anderen Seite neugierig gemacht, auf das was ihn erwartet. "Ich danke Ihnen, dass sie meine Neugierde geweckt haben", sagte er zu Sollfrank, dessen Bilder dazu geschaffen seien sich Gedanken darüber zu machen und ins Gespräch zu kommen.

Künstler klärt auf

Was unter "Digi Art" zu verstehen ist, beschrieb Rainer Sollfrank so: Bei den meisten Erklärungsversuchen wäre zu lesen, "mit dem Computer generierte Bilder, oft erzeugt durch Malprogramme". Das würde aber bedeuten, dass letztendlich das Programm das Bild entstehen lasse. "Meiner Meinung nach ist das eine völlig eindimensionale Definition der Reduzierung des Schöpferischen - fast gleich dem Malen nach Zahlen", sagte Sollfrank. Grundlage seiner Werke seien sehr viele Fotografien von Strukturen, Linearem, Farbflächen und allem Stofflichen. Diese Bilder lege er virtuell so übereinander, wie man früher Folien auf einem Overheadprojektor zu einer Komposition vereinigte. "Bei diesem Vorgang lasse ich mich vom Bildentstehungsprozess leiten, welcher nie vorhersehbar ist und unendliche Variationen bietet." Aus diesem Grund entstehe der Titel eines Bildes auch erst zum Schluss. Oberste Priorität bei seiner Arbeit seien die Gesetze der Komposition. Somit sei das Abstrahieren der meisten Bilder fast zwingend. Und doch liege auch eine beschwingte Freiheit in dieser speziellen Arbeitsweise. "In meinen Bildern versuche ich eine Synthese von Fotografie und Malerei zu erreichen, bewege ich mich zwischen Abstraktion und Surrealismus. Warum nicht träumen?", fragte Sollfrank. Denn nicht der Autor, sondern das Bild solle sprechen.

Thema Sehnsucht

Rainer Sollfranks Bilder sind weit entfernt von fotorealistischen Auffassungen. Ihn beschäftigten Traum und die seelischen Kräfte des Unbewussten. Der Dichter Hölderlin habe das ganz treffend formuliert, indem er gesagt habe: "Ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt." Für Sollfrank kein Paradoxon. "Ist es nicht so, dass der Traum die größte Realität ist, die keine Instanz, kein Verbots- oder Gesetzesverzeichnis einengt", gibt er zu bedenken. Sei nicht das große Thema der Menschheit die Sehnsucht?, hinterfragt er weiter. Sehnsucht und die Fantasie seien, vorausgesetzt wir erstickten sie nicht durch Logik, Ratio und Berechenbarkeit, ein Bollwerk gegen alles Lebensfeindliche.

So wie der Roman, das Leben mit der Wirklichkeit versöhnen könne, so könne vielleicht das eine oder andere seiner Bilder dazu beitragen zu erfahren, dass die Antworten in der Stille liegen. "Tasten wir uns von der Ansicht zur Einsicht der Bilder vor, vom Äußeren zum Inneren, dann gelangen wir von der Information zur Animation" erklärte der Künstler, wie man sich seinem Werk nähert.

Der Betrachter werde transformiert, durch die Zwiesprache mit dem Bild selbst zum Künstler. Stille sei nicht ein Vakuum ohne Inhalt und Aussage, im Gegenteil ermögliche sie erst eine Antwort. "Diese Antwort ist für jeden eine andere, aber das ist gut so.

Neben den Mitarbeitern der Volksbank Raiffeisenbank, die ihm beim Aufbau und der Organisation seiner Präsentation unterstützt haben, dankte Sollfrank vor allem einem langjährigen Weggefährten. Der Waldsassener Albert Schneider habe ihm in Zeiten analoger Fotografie und Labortechnik in diese Geheimnisse eingeweiht. "Er ist einfach unschlagbar in dieser Disziplin", lobte er seinen Freund.

Unbewusst im Trend

Martin Siller Bereichsleiter Multi-Kanal-Vertrieb von der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz aus Weiden verglich Sollfranks Werk ein wenig mit seiner eigenen Arbeit, bei der es darum ginge im Marketingbereich klassische und moderne Methoden zu verknüpfen. Das Beste aus den analogen Zeiten mit den Möglichkeiten der digitalen Welt zusammenzubringen, wäre heute angesagt.

___



Weitere Bilder im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie



___



Weitere Informationen:

http://portfolio.fotocommunity.de/raisol

Künstlerische VitaNach Volksschule und Gymnasium Ausbildung zum Kunst- und Werkerzieher in Bayreuth und Bamberg. Lehrtätigkeit in Weiden, Nabburg und von 1972 bis 2007 an der Mittelschule Kemnath, wo Sollfrank auch seit 1972 wohnt. In der Öffentlichkeit taucht Rainer Sollfrank mit ersten Werken 1985 auf. Er gibt einen Heimatkalender mit Grafiken heraus. 1987 gründet er die Radierwerkstatt Kemnath/Bayreuth. Ab 1987 folgen zahlreiche Fotografie- und Malereiausstellungen, unter anderem in Bayreuth, Kemnath, Grafenwöhr, Tirschenreuth, Waldsassen sowie in Tschechien und Slowenien. Desweiteren hat Sollfrank viele Kalender, Flyer und Bücher der Heimatliteratur mit seinen Werken illustriert. Mit seinen "Digi-Arts" ist er künstlerisch angekommen. (tr)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.