Ausstellung Susane Neumann
Rätselvolle Liebeserklärung an den Wald

Die in Waldsassen geborene und aktuell in Wien und Waldsassen lebende Künstlerin Susanne Neumann bezieht sich mit dem Titel ihrer Ausstellung "Sacro Bosco" auf einen "Heiligen Hain" in Italien - eine Art Zauberwald mit grotesk anmutenden Renaissance-Skulpturen. Bild: Neumann
Kultur
Waldsassen
02.01.2017
129
0

Nürnberg/Waldsassen. Auf einem Weg, der sich durch das Tal des Sacro Bosco schlängelt, gelangt der Wanderer in den "Heiligen Wald". Man nennt ihn auch den "Park der Ungeheuer", weil hier rund 30 bizarre und riesige Skulpturen aus Peperin-Gestein vulkanischen Ursprungs "hausen" und die Besucher in ungläubiges Staunen versetzen. Auch Susanne Neumann hat sich von dem Geheimnis umwobenen Park, 80 Kilometer nördlich von Rom, inspirieren lassen. Ihre zu Kunst gewordenen Gedanken kann man noch bis 14. Januar im Nürnberger Kunstverein Kohlenhof (Grasersgasse 15/21) bewundern.

Archaische Fetische

Die sehenswerte Schau der 1975 in Waldsassen geborenen Künstlerin ist eine Liebeserklärung an den Wald. Jagdtrophäen und archaische Fetische, großformatige Malereien und Fotografien, kuriose Objekt-Installationen und ungewöhnliche Video-Aufnahmen setzen ihn immer wieder neu ins Bild. Vieles ist so rätselhaft wie die Skulpturen von "Sacro Bosco". Objekte werden ihrem Alltag entrissen und stellen in ihrer Kombination mit dem gemalten Bild Denkaufgaben: "Der Wald ist einerseits ein leicht lesbarer Raum, wird aber aufgeladen mit Zauberhaften und Bedrohlichem - mit Hänsel, Wolf, Giftpilz, Rückegasse und Borkenkäfer", erklärt Susanne Neumann. Ihre Ausstellung dient aber nicht nur als Quelle der Inspiration, sondern liefert auch wissenschaftliche Erkenntnisse und kritische Fragen. Mit Fundstücken von Flohmärkten erinnert Neumann, dass der Weihnachtsbaum ursprünglich mehr war als nur ein Schmuck für das Wohnzimmer und dass auch hierzulande heilige Haine die ersten Sakralräume bildeten. Einige Installationen rufen wiederum zum Kampf gegen wilde Mülldeponien und das gnadenlose Abholzen langgehegter Waldungen durch Holz- oder Kranvollernter auf. Die Maschinen fixieren die Bäume, fällen sie und legen sie zum Abtransport ab. Den Wald als Ort der Sehnsucht schützen - für die Künstlerin ist das zur Lebensaufgabe geworden. Waldesdunkel und Waldeinsamkeit, romantische Zufluchtsorte der Innerlichkeit, man kennt diese Themen in der europäischen Kunst und Literatur. Philosophen wie Edmund Burke und Friedrich Schiller dachten nach über das Sublime beziehungsweise Erhabene und das Schöne als Ausdruck der Freiheit.

Hochsensibles System

Die Oberpfälzerin lässt diesen Gedanken über den Wald als "hochsensibles System miteinander vernetzter Lebensgemeinschaften" Taten folgen: Erst Anfang Juni protestierte sie mit mehreren Anwohnern von Wirtsberg bei Waldsassen gegen die Holzernte im Staatsforst, um ein wichtiges Stück Heimat zu retten.

Die Ausstellung wurde bis 14. Januar verlängert und kann noch an folgenden Tagen besucht werden: 5., 6. und 7. Januar (jeweils 14 bis 19 Uhr) sowie am 12., 13. und 14. Januar (jeweils 14 bis 19 Uhr) und nach Vereinbarung.

___



Weitere Informationen:

www.kunstvereinkohlenhof.de www.susanneneumann.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.