16.10.2017 - 17:50 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Der Londoner Musiker Robert Coyne begeistert im Kunsthaus Waldsassen Die Kunst des Weglassens

Wer leise Töne mag und klare Strukturen liebt, ist am Samstag genau richtig beim Konzert von Songwriter Robert Coyne im Kunsthaus. Der Ausnahmekünstler aus London nimmt sich und seine Musik auf eine Weise zurück, die unglaublich rein ist und unglaublich still macht. Ein nahezu leerer Raum, mittig ein einzelner Stuhl und ein Wasserhahn, der stetig tropft, in einer Regelmäßigkeit, die Gesetz wird. Sonst nichts. So könnte Robert Coynes Musik beschrieben werden.

Schlagzeuger Werner Steinhauser (links) und Songwriter Robert Coyne (rechts) begeisterten mehr auf die leise Art. Das Konzert war gleichzeitig der Abschluss der "NineDaysAWeek"-Tour durch Bayern. Bild: Baumer
von Ulla Britta BaumerProfil

Musik räumt auf

Einfach, puristisch, schnörkellos. Was der Sohn von Englands außergewöhnlichstem Songwriter der 70er und 80er Jahre, Kevin Coyne, ist einmalig. Robert Coyne schreibt und komponiert seine Songs mit Titeln wie "Golden Arc", "Slow Down", "Oh Julia" oder "Second Fiddle" auf reduzierte Art. Tonangebend in seiner Musik ist der stets gleiche Rhythmus, unterstützt von Schlagzeuger Werner Steinhauser. Derart viel Purismus in einem Konzert muss zuerst bewusst wahr- und aufgenommen werden.

Tatsächlich breitet sich diese Zurückgenommenheit wenig später im Körper aus wie Wasser, das über ein Becken rinnt und dabei alles mitnimmt. Erst wenn sich die Zuhörer offenherzig auf die eigenwillige Musik einlassen, macht sich eine gewisse Aufgeräumtheit breit. "Jetzt bin ich runtergekommen. Ich war so angespannt heute", beschreibt es eine Zuhörerin in der Pause. Worte sind ansonsten für diesen streng strukturierten Kompositionen schwer zu finden. Coynes Musik will sich nicht einreihen lassen, ist wortlos.

Lebhaft, wie in Zeiten des Rock-Musikers Kevin Coyne, ist dieser Konzertabend nicht. Äußerst sensibel begleitet Steinhauser, der 13 Jahre als Bandmitglied mit dem Vater unterwegs war, die Musik des Freundes. Erstaunlich, dass überhaupt eine solch melodiöse Stille mit einem auf Lautstärke getrimmten Schlagzeug erzeugt werden kann. Steinhauser gelingt dies Kunststück.

Der Singer/Songwriter unterhält zwischen den Liedern mit Erzählungen aus seinem Leben als Buchhändler in London, die auch Gegenstand seiner Texte sind. Seine Sicht der Dinge, die ihm täglich begegnen, ist von einer Eigenart wie die Kompositionen selbst.

Kunst wirken lassen

Für die Kunsthaus-Bühne, wo schon so oft Außergewöhnliches fesseln konnte, ist dieses stille, dennoch nicht melancholisches Konzert bestens gewählt. Diese Musik ohne Namen inspiriert. Denn Berührungsängste mit dem Über-Vater und dessen Schaffenskraft als Musiker und Künstler hat Robert Coyne nicht. Der 48-Jährige ist dem Vater längst ebenbürtig, ohne nachzuahmen. "Out of your Tree" und "Bonus Track" sind zwei Titel der neuen CD, die im Januar erscheint.

Robert Coyne zollt dem Kunsthaus Respekt als bestens geeignetes "Haus der schönen Künste". Ein Lob für die Macher vom Verein, die stets bemüht sind, Besonderes zu präsentieren. Zwei Zugaben gibt es, darunter "Sugar Candy Taxi", ein Song, den er mit seinem Vater komponiert hat. Ein leiser Abgang folgt, wenig spektakulär.

Ein Abend, bei dem die Kunst des Weglassens dominant war, geht zu Ende. Wenig später liegt eine spürbare Entspanntheit im Raum, während einige Gäste sich noch Zeit nehmen, die Kunstausstellung mit Kevin-Coyne-Werken anzuschauen.

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