09.04.2018 - 17:12 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Jeannine Platz zeigt 30 Werke im Kunsthaus Waldsassen Herzklopfen der Weltmetropolen

Erzählt Jeannine Platz von Metropolen wie New York, Sydney, Lissabon, Oslo, Dubai, Moskau und anderen, ist das ein einziges großes Abenteuer. Kein Wunder, denn die Künstlerin aus Hamburg hat diese Städte nicht nur bereist. Sie malt deren schönste Silhouetten von Hotelsuiten aus.

Jeannine Platz ist auch eine sehr gute Kalligraphin. Wer sich ihren Bildband kaufte, bekam auf der Vernissage eine persönlich gezeichnete Widmung dazu.
von Ulla Britta BaumerProfil

Jeannine Platz gibt diesen Orten beim Malen nicht nur ein Gesicht. Sie hat die außergewöhnliche Gabe, das "Herzklopfen" der Weltmetropolen auf die Leinwand zu bannen. In nur zwei Jahren hat die 44-jährige Hamburgerin und Mutter von zwei Töchtern auf fünf Kontinenten in 31 Ländern und 41 Städten gewirkt.

Dass sie jetzt im Kunsthaus Waldsassen (KuWa) 30 ihrer Gemälde zeigt, ist den Kontakten von Peter Karwath aus Mitterteich und dem KuWa-Vorsitzenden Wolfgang Horn zu verdanken. Als Jeannine Platz spontan "Ja" sagt, ist die Aufregung im Vorfeld groß. Denn damit holt das Kunstdomizil der Waldsassener eine "ganz Große" ins Haus, die sogar bereits in der Hamburger Elbphilharmonie ausgestellt hat.

Einladungen aus aller Welt

Am Freitag feiert der Verein mit der Künstlerin Vernissage. Horn stellt Platz als eine liebenswerte Künstlerin vor. Und die Gäste schließen diese charmante Frau umgehend in ihr eigenes Herz. Platz erzählt, dass alles auf Hamburger Containerschiffen begonnen habe. Dort sei ihre Leidenschaft zum Malen von ganz oben geweckt worden. Zuerst seien die Hotels zögerlich gewesen, als sie aus den Zimmerfenstern malen wollte. Inzwischen ist es umgekehrt: Platz kann die vielen Einladungen der berühmtesten Hotel der Welt nicht mehr bewältigen.

Fast ertrunken

Umso schöner für das KuWa, dass sich die Hamburgerin am Samstagvormittag Zeit nimmt für eine Führung durch die Ausstellung. Etwa 15 Teilnehmer lernen eine überaus aktive Frau kennen. Unterhaltsam erzählt sie von ihren Wirkungsorten. Ihre Spontanität hat sie zu manch gefährlichen Aktivitäten verleitet, so dass sie einmal beinahe im Ozean ertrunken sei.

Nicht weniger abenteuerlich sind ihre Arbeitsplätze. Die Hamburgerin malt, was sie beim Blick aus den Fenstern der Hotelsuiten sieht. "In Tokio war das Zimmer so klein, dass ich das Bild zerreißen musste", schmunzelt sie. Umgekehrt habe man ihr Suiten mit 700 Quadratmetern angeboten. Luxus pur gehört dazu, wie in Athen, wo Platz von ihrem Swimmingpool aus malte. Aber es habe auch Enttäuschungen gegeben. So sei ihr erstes Gemälde von Oslo beim Transport nach Hause kaputt gegangen.

330 000 Flugkilometer habe sie zurückgelegt. "Dann wollte ich nicht mehr." Sie habe sich in den Zug gesetzt und sei auf Sylt gefahren. "Manchmal muss man weit weg, um das zu schätzen, was daheim da ist", lautet ihre Erkenntnisse dazu. Auch dort sei ein Werk entstanden, ebenso wie in Hamburg.

30 Kunstwerke zeigen die schönsten Plätze der Welt, allesamt malt Platz nur mit ihren Händen auf den Fußböden der Hotelsuiten. Groß ist das Staunen, als sie berichtet, dass sie das große Bild "Hongkong" in nur zwei Tagen schaffen musste. Viel Lacher gibt es beim Bild Moskau. Dort wollten die Hotelmanager mit ihr Wodka trinken. "Mir wurde gesagt, ich darf das nicht ablehnen. Also habe ich jeden Wodka genommen, aber nicht getrunken. Bis etliche Gläschen vor mir standen", lacht Platz.

Überall nimmt sie sich Zeit, die Städte erst kennenzulernen. Feinfühlig hört sie sich dieses "Herzklopfen" der Metropolen an, bevor sie malt. Farbspritzer dienen ihr dann dazu, um das Leuchten und Flimmern der Nächte zu zeigen. Und sie lässt nichts unversucht, selbst das "Klappern von Stöckelschuhen am frühen Morgen in Athen" irgendwie fühlbar zu machen.

Das spürt der Betrachter. Klaus und Dorothea Kupke können sich bei der Vernissage nicht sattsehen an Hongkong, wo das Unternehmerehepaar oft Gast war. Und am Samstag steht die Münchnerin Brigitte Dekrell vor der mächtigen Silhouette New Yorks und sagt überwältigt: "Genau das habe ich erlebt." Die Ausstellung kann bis 13. Mai jeweils samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr (außer am 15. April) besichtigt werden.

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