Konzert in Basilika Waldsassen
Mit traumwandlerischer Souveränität

Von links: Florian Prey (Bariton), Wen-Sinn Yang (Violoncello), Andreas Sagstetter (Orgel) und Stefanie Heinrich (Violine) ließen barocke Klänge in der Basilika in Waldsassen erklingen. Bild: Zeigler
Kultur
Waldsassen
10.07.2017
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Es schickt sich nicht, in der Kirche zu klatschen. Doch Wen-Sinn Yang lässt dem Publikum am Sonntag beim Konzert in der Basilika Waldsassen kaum eine andere Wahl. Gleich zu Beginn wird deutlich, dass die Zuhörer ein ganz besonderer Konzertgenuss erwartet.

Mit Werken aus dem Barock und der Klassik begeistern Florian Prey (Bariton), Ingolf Turban (Violine), Wen-Sinn Yang (Violoncello) und Andreas Sagstetter (Orgel) das Publikum. Für Barbara Turban (Violine), die aus privaten Gründen verhindert war, springt kurzfristig Stefanie Heinrich ein. Eröffnet wird der Abend mit "Exaltabo te, Deus meus, rex" von André Campra (1660 - 1744) und der anschließenden Arie "Singet Gott in eurem Herzen" aus der Kantate "Die Ehre des herrlichen Schöpfers zu melden" von Georg Philipp Telemann (1681 - 1767).

Perfekte Intonation

Florian Prey singt leidenschaftlich mit perfekter Intonation, einer großen Portion Humor und nicht zu übersehender Freude. Aus dem ernsten Lobgesang wird ein erfrischendes Gelächter durch "Lauda-ha-ha-ha-ha-mus". Auch in der Arie singt er bei "singet, spielet" mit strahlendem Gesicht. Die Musiker kosten die gesamte Gefühlspalette aus. Einfühlsame Cantilenen, muntere, mitreißende Rhythmen sowie lyrische und bedrückende Melodien lassen das Publikum atemlos lauschen. Nicht gerade leicht verdaulich sind die Suiten für Violoncello und Partiten für Violine von Johann Sebastian Bach (1685 - 1750). Solche Werke können sich durchaus mal hinziehen. Bei fast 30 Minuten Barockmusik die Zuhörer bei der Stange zu halten, gelingt nicht jedem. Wen-Sinn Yang (Violoncello) und Ingolf Turban (Violine) hingegen schaffen dies mit der Suite für Violoncello Nr. IV in Es-Dur und der Partita II in d-Moll für Violine geradezu mit Leichtigkeit. Yang spielt das Cello virtuos und leidenschaftlich.

Fesselnd bis zum Schluss

Nach der großartigen Dynamik, der mitreißenden rhythmischen Artikulation, den wunderbaren gesanglichen Tönen und einer fesselnden Gigue gibt es am Schluss etwas selten Gehörtes während eines Konzertes in der Basilika: Applaus.

Ingolf Turban spielt die Partita II mit großartigem Klang und traumwandlerischer Souveränität. Zwischen den dynamischen und einfühlsamen, hüpfenden und tänzerischen Sätzen Allemande, Courante und Gigue steht eine gravitätisch schreitende Sarabande, die trotz aller Würde auch locker und leicht daher kommt. Ein Gegensatz, den Turban zu vereinen versteht.

Die Ciaccona jedoch ist die finale Krönung. Feierliche Doppelgriffe mit virtuosen Läufen durchsetzt, fesselnde Harmoniefolgen und ein atemlos verhallender einzelner Schlusston, lassen wieder langanhaltenden Beifall aufbranden. Nach der Arie "Ew'ger Vater, deine Güte reicht so weit" (Telemann) gibt es nicht enden wollenden Applaus für die Künstler, die sich jedoch nicht zu einer Zugabe überreden lassen.
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