Künstlerfamilie Dick im Kuwa
Zurück in der Szene

Jung und Alt waren zur Vernissage der Mitterteicher Künstlerfamilie Dick ins Kunsthaus nach Waldsassen gekommen, darunter viele Künstler. Bilder: tr (7)
Kultur
Waldsassen
30.06.2017
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Vor zwei Jahrzehnten waren Inge und Carsten Dick aus Mitterteich zwei "große Nummern" in der regionalen Kunstszene. Dann herrschte plötzlich Funkstille. Familie und so. Die beiden Söhne sind mittlerweile erwachsen, und die Eltern melden sich mit ihnen mit einer großen Ausstellung zurück.

Im Kunsthaus Waldsassen (Kuwa) präsentiert die vier-köpfige Künstlerfamilie bis zum 23. Juli 100 Werke. Darunter Skulpturen aus Holz und Stein, Gemälde in Pastell, Acryl und vor allem Mischtechniken sowie Fotografien. Eine komplette Künstlerfamilie, das hat Seltenheitswert. Vielleicht waren auch aus diesem Grund so viele Interessierte zur Eröffnung gekommen. Als fünfter Künstler veredelte Wolfgang Charanza die Eröffnung musikalisch. Der Blick ins Auditorium identifizierte noch viele weitere kreative Kollegen, die aber diesmal nur Gäste waren.

Viele Faktoren

Der Vorsitzende des Kuwa, Wolfgang Horn, stellte die Mitterteicher Familie und ihre Arbeiten vor. Carsten Dick ist 46 Jahre alt, bildete sich in seiner Jugend an der FOS Weiden in der Fachrichtung Gestaltung und am Institut für Kunst und Design in Neustadt/WN fort und absolvierte zudem eine Ausbildung als Schreiner. Für ihn sind Malerei und bildende Kunst Ausdrucksmittel, die er so einsetzt, wie andere Menschen Literatur oder Musik. Auf eine bestimmte Technik oder Verfahrensweise will er sich nicht festlegen. Es spielten viele Dinge eine Rolle, ob ein Werk als Aquarell, Tuschezeichnung,, Acrylbild oder aus Holz, Metall oder Glas entstehe, so Horn.

Inge Dick ist 45 Jahre alt und Rektorin der Grundschulen Wiesau, Falkenberg und Friedenfels. Am Gymnasium belegte sie bereits den Leistungskurs Kunst. An der Uni in Bayreuth studierte sie Lehramt und Kunst als Nebenfach. Für sie ist Kunst die Form, eigene Stimmungen und Gefühle darzustellen. Sie möchte den Betrachter dazu hinführen, tief in sein Innerstes zu gehen, um zu fühlen, was die Kompositionen bei ihm auslösen.

"In hoher Qualität"

Levi Dick ist mit 17 Jahren der jüngste "Dick-Künstler". Der Fachoberschüler der Fachrichtung Gestaltung macht ab kommendem Schuljahr eine Ausbildung zum Produktdesigner an der Porzellanfachschule in Selb. Levi absolvierte bereits diverse Praktika, unter anderem bei einer Werbeagentur, bei einem Dekorateur und einem Airbrush-Künstler. Schon als Kleinkind hat er gemalt und gezeichnet. Nicht immer zwangsläufig auf Papier, sondern manchmal auch sehr abstrakt auf den eigenen vier Wänden, was seine Eltern nicht immer lustig fanden. Levi experimentiert mit den verschiedensten Malutensilien, die er immer "in hoher Qualität" bei seinen Eltern ordert. Die zweite Leidenschaft des jungen Mannes ist das Fotografieren. Und die ausgestellten Exponate zeigen - auch dafür hat er ein Auge.

Moses Dick ist 18 und steckt gerade in der Ausbildung zum Gärtner. Seit frühester Kindheit hat er ein Faible für Holz und für Maschinen, mit denen er das Material bearbeiten kann. Dementsprechend waren mit vier, fünf Jahren seine Weihnachtswünsche Stichsäge, Schleif- und Bohrmaschine. "Aber richtiges Werkzeug, kein Spielzeug", formulierte er. Und er schraubte und sägte, was das Zeug hielt. Seine erste Holzskulptur, die in der Ausstellung zu sehen ist, fertigte er im zarten Alter von 14 ohne Wissen der Eltern mit einer Flex im Garten. Seither setzt er seine Ideen mit Motorsäge und Flex in Holz um.

An Schnittstellen

Inge Dick machte sich bei der Vernissage allgemeine Gedanken zum Kunstbegriff an sich. Sie geht dabei mit Joseph Beuys konform, dass jeder Mensch die prinzipielle Möglichkeit in sich trägt, Künstler sein zu können, was aber alleine noch lange nichts über die Qualität, die dabei entstehen kann, aussage. Kunst habe immer mit schöpferischer Kraft zu tun. Eine Kraft, die jedem Menschen von Natur aus mitgegeben sei. Schöpfen bedeute entstehen lassen, etwas sichtbar machen. "Man erschafft etwas, was im Innern schlummert." Deshalb sei Kunst auch nicht gleichzusetzen mit naturalistischer Malerei. Für die brauche es zwar handwerkliches Können - aber dass es Kunst werde, dazu gehöre mehr.

Viele Menschen spürten die schöpferische Kraft in sich, gerade an den Schnittstellen ihres Lebens, nach Extremsituationen. Deshalb werde dieses Zugreifen auf das Innerste vor allem auch im Rehabereich als heilend empfunden. Für die Zurückhaltung des künstlerischen Ausdrucks im Alltag sieht Dick die Wurzeln schon in frühester Jugend, wenn es heiße "Das musst du aber genauer malen" oder "Du darfst nicht über das Blatt malen". Dieses "Schöner" ersticke viele kreative Ansätze bereits im Keim. "Freilich wirkt nicht alles harmonisch auf uns, aber darf es deshalb nicht sein?", fragte die Sprecherin. Aus diesem Grund müssten wir schon in den Kindern diese heilende schöpferische Kraft fördern, die so vieles im Leben bewirken könne.

Ein neuer Anfang

Bei ihren Kindern hat das funktioniert - aber man weiß ja auch, "der Apfel fällt nicht weit vom Stamm". Übrigens trägt die Präsentation den Titel, "Not the End oft the Way". Ein Fingerzeig, denn das alles soll nicht das Ende der Künstlerfamilie sein.

Die Präsentation ist jeweils mittwochs von 18 bis 20 Uhr und sonntags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Am Bürgerfestsonntag, 4. Juli, ist das Kuwa von 14 bis Mitternacht Uhr offen. Und da kann die Ausstellung selbstverständlich auch besichtigt werden.
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