06.10.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kunsthaus Waldsassen zeigt Werke von Kevin Coyne Vernarbte Seelen und schräge Vögel

Einige Waldsassener erinnern sich noch an Kevin Coyne. Der Liedermacher aus Großbritannien gab in den 70er Jahren in der Städtischen Turnhalle ein Rockkonzert. Mitveranstaltet hat es damals Wolfgang Horn, Vorsitzender des Kunstvereins Waldsassen (KuWa). Und auch Blues-Musiker Wolfgang Bernreuther, der bei der Vernissage wunderbare Musik von sich und Kevin Coyne spielt, erinnert sich. Jahrzehnte später kehrt Kevin Coyne zurück. Im Kunsthaus sind 50 Werke von ihm ausgestellt.

Die Macher dürfen stolz sein auf diese Ausstellung sein, die als einer der besten Präsentationen seit Eröffnung des Kunsthauses gelten darf. Bürgermeister Bernd Sommer, Blues-Musiker Wolfgang Bernreuther, Nachlassverwalter und NT-Kulturchef Stefan Voit, Witwe Helmi Coyne und KuWa-Vorsitzender Wolfgang Horn sind glücklich über die gelungene Vernissage. Bild: ubb
von Ulla Britta BaumerProfil

Kevin Coyne ist 2004 im Alter von 60 Jahren in Nürnberg gestorben. Die Witwe des Musikers, Malers, Dichters und Schauspielers, Helmi Coyne sitzt unter den Gästen, während Stefan Voit, Kulturchef von Oberpfalz-Medien, das Leben dieses "Phänomens, des "großen Unbekannten" im Zeitraffer versucht zu fassen.

Voit ist Coynes Nachlassverwalter, über 1000 Werke - darunter Bücher und Malereien - hat Helmi Coyne in die Obhut des Redakteurs gelegt. Für Voit ist das eine Ehre. Er ist ein großer Fan von Coyne, der in jeder Kunstrichtung richtig gut war, aber es nie zum großen Durchbruch schaffte. "Als Kevin Coyne 1944 geboren wurde, tobte der Zweite Weltkrieg", sagte Voit. Seine Biografie liest sich, als hätte dieser Mann auch noch nach dem Krieg ein grausames, individuelles Leben erlebt. Helmi Coyne nickt dazu leise. "Er war kein einfacher Mensch", sagt sie.

Zuerst als Musiker erfolgreich wird er zum Segen der Kunstszene. Coynes Werke sind von einer Genialität, die unbeschreiblich aufregend ist. Teils sind seine bunten Bilder von einer beängstigenden Wahrheit angeleitet worden. "Vernarbte Seelen" hat Kevin Coyne dargestellt, wenngleich der erste Eindruck mehr der Handschrift eines Karikaturisten gehören mag.

"He will smile and smile till the teeth fall out of his head", zitiert Coyne einen gemalten Hund. Viele seiner Werke sind mit solch vermeintlich witzigen Zitaten versehen. Doch ist das Motiv hintergründiger. Wer diese Art der Schaffenskraft als Metapher versteht, liegt nicht falsch. Der Kunstkenner kann aber auch seine Betrachtungsweise hineinlegen. Nichts jedoch, was Coynes Genialität ausmacht, ist als seicht zu betrachten. Hier hat ein kreativer Kopf sein Wissen darüber hinterlassen, wie die vernarbten Seelen der Menschheit aussehen.

Geprägt hat ihn das Leben selbst: Der Therapeut einer psychiatrischen Klinik hat vor seiner künstlerischen Laufbahn als Sozialarbeiter Alkoholkranke betreut, die ihm "unter den Händen" weggestorben sind. Dann verlief sein Leben ebenfalls ausgesprochen intensiv und keinesfalls leicht, was in den Gemälden zum Ausdruck kommt. (Info-Kasten)

Konzert und Filmabend zur Ausstellung

Zu sehen sind Kevin Coynes Bilder im Kunsthaus Waldsassen noch bis 29. Oktober unter dem Titel "Psycho" - jeweils mittwochs von 18 bis 20 Uhr und sonntags von 16 bis 18 Uhr. Am Samstag, 14. Oktober, um 19.30 Uhr folgt ein Konzert von Sohn Robert Coyne im Kunsthaus. Robert Coyne beschließt seine "Nine Days A-Week-Tour" in Waldsassen. Dabei begleiten ihn Werner Steinhauser, der ehemalige Schlagzeuger seines Vaters und der in Waldsassen geborene Blues-Musiker Wolfgang Bernreuther. Mittwoch, 18. Oktober wird der Film "Kevin Coyne - One Man Room" von Boris Tomschiczek gezeigt. Filmabend kostenfrei, Karten fürs Konzert bei der Tourist-Info. (ubb)

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