13.10.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kunsthaus Waldsassen zeigt Zeichnungen aus dem Nachlass von Kevin Coyne Bilder einer vernarbten Seele

Von Ulla Britta Baumer

Daumen hoch von Helmi Coyne (Dritte von links). Auch Nachlassverwalter und NT-Kulturchef Stefan Voit, Blues-Musiker Wolfgang Bernreuther und KuWa-Vorsitzender Wolfgang Horn (von links) sind glücklich über die gelungene Vernissage. Bild: Baumer
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Waldsassen. Zuerst einmal scheint es nicht schwer, sich in die Malereien des Londoner Rockmusikers und Künstlers Kevin Coyne hineinzuversetzen. Bunt kommen sie daher und lustig. Als hätte ein Maler seine gesamte Farbpalette ausgeschüttet, um fröhliche Comics aufs Papier zu bringen. Nur der Anschein: Die außergewöhnliche Coyne-Ausstellung im Kunsthaus Waldsassen birgt mehr Hintergründiges als vermutet.

Kevin Coyne war ein kritischer Mensch, ein schwieriger Mensch, kein leiser Mensch. Er war ein Mensch mit genialem Geist, der leider dem Alkohol verfiel und viel zu früh starb. Coyne hat es nie auf die ganz große Bühne geschafft. Und nur wenige wussten, dass er auch malt, um seine "Menschen-Beobachtungen" auf Papier zu bannen.

Dennoch gibt es einige Waldsassener, die ihn erlebten. Sie organisierten in den 70ern in der Städtischen Turnhalle Rockkonzerte. Wolfgang Horn und Wolfgang Zwerenz gehören zu den wenigen, die den Ausnahmekünstler persönlich kannten. Zwerenz, heute daheim in Landsberg am Lech, traf Coyne später sogar zum Kaffeetrinken in Nürnberg.

Auch für Wolfgang Horn, Vorsitzender des Vereins Kunsthaus Waldsassen (KuWa), sollte Coynes Konzert nicht die einzige Begegnung sein. Gemeinsam mit Kurator Stefan Voit hat Horn im KuWa eine sehr schöne Coyne-Ausstellung konzipiert. Voit betreut seit einigen Jahren den Nachlass des Rockmusikers. Zahllose Bilder hat dessen Witwe Helmi Coyne, die auch bei der Vernissage anwesend ist, in Nürnberg aufbewahrt. 50 davon sind in Waldsassen zu sehen.

Wenn der talentierte Außenseiter auch tot ist: Seine Gemälde, seine Musik, seine starke Aussagekraft leben in diesen Werken weiter. Coyne, der selbst als Sozialarbeiter unter anderem Alkoholiker betreute, hat die menschliche Psyche intensiv studiert und vieles von dem Hässlichen, Skurillen und Absonderlichen des Menschen auf Leinwand übertragen. Es sind die vernarbten Seelen, die frech in diesen Malereien ihre Zunge herausstrecken, um dem Betrachter den Spiegel seines Egos vorzuhalten. Comic und Karikatur bedienen den schwarzen Humor, dargestellt mit Buntstift oder Wasserfarben. Mit "Psycho" wird diese Kunstausstellung umschrieben, aber sie ist nicht zum Fürchten. Eher witzig kommen die Bilder daher. Wer sich darauf einlässt, wird seinen Spaß haben.

Service

Zur Ausstellung gibt es zwei interessante Begleittermine: Am Samstag, 14. Oktober (19.30 Uhr), spielt Sohn Robert Coyne aus London ein Konzert im Kunsthaus, begleitet vom Schlagzeuger seines Vaters, Werner Steinhauser und dem Blues-Musiker Wolfgang Bernreuther. Am Mittwoch, 18. Oktober (19 Uhr), wird der Film "Kevin Coyne - One Man Room" von Boris Tomschiczek bei freiem Eintritt gezeigt. Konzertkarten sind bei der Tourist-Info Waldsassen, Telefon 09632-88160 erhältlich. Die Ausstellung kann bis 29. Oktober jeweils Mittwoch von 18 bis 20 Uhr und Sonntag von 16 bis 18 Uhr besichtigt werden. (ubb)

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