02.05.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kunsthaus wird zum Instrument

Vereinsvorsitzender Wolfgang Horn ist schlichtweg begeistert: Seit Samstag hat das Kunsthaus Waldsassen ein eigenes Lied. Komponiert haben es der Musiker Klaus Rosner und die Tänzerin Nikola Müller auf höchst eigenwillige Weise.

Klaus Rosner ist einer der wenigen Musiker, die das Marimbaphon bedienen können. Bilder: ubb (2)
von Ulla Britta BaumerProfil

Musik, die wie ein Wasserfall aufs Publikum herabregnet, ein Gebäude, das zum Instrument wird, eine Tänzerin, die sich anmutig durch den Zuschauerraum tanzt und als Instrument das nicht alltägliche Marimbaphon: Dies und mehr ließ das Publikum staunen. Nikola Müller und Klaus Rosner hatten versprochen, die Gäste mit einer etwas anderen Konzertform "mittendrin" sein zu lassen im Kunsthaus - und sie haben Wort gehalten. Bei der Veranstaltung "Wo Tanz und Rhythmus aufeinandertreffen" gab es nicht nur ausgezeichnete Klanggenüsse. Obwohl die Instrumente selbst bereits extravagant waren, hatten sich der Percussion-Musiker und die Profi-Tänzerin vorgenommen, ihrem Auftritt eine weitere außergewöhnliche Nuance zu verleihen.

Rosner eröffnete den Abend - vor wieder vollem Haus - mit dem Preludium von Ney Rosauro. Dem folgend interpretierte Nikola Müller das für Marimbaphon komponierte Stück "Nancy" von Emanuel Sejourné als eine Liebeserklärung an den Tanz. Wobei laut Rosner nicht sicher ist, dass es sich bei "Nancy" tatsächlich um ein Liebeslied handelt. "Sie dürfen es sich selbst aussuchen", überließen die Künstler deshalb die Auslegung des Stücks dem Publikum. Illusionen und Träume wurden wach bei "Springtime" von Werner Treiber. Von der Galerie aus bediente Rosner dazu das Vibraphon und ließ sphärische Klänge einem Wasserfall gleichend auf das Publikum regnen. Was für ein Hör-Erlebnis! Ein Beweis mehr, dass das Kunsthaus auch als Resonanzkörper von allen drei Ebenen aus bestens unterhalten kann.

Körperbeherrschung

Nicht nur das Marimbaphon, aufgestellt im Zuschauerraum, kam zum Einsatz. Rosner hat sich inspirieren lassen von der puristischen Aufgeräumtheit der Kultstätte. Bei "Momtong" von Eckhard Kepetzki gelang ihm der Versuch sehr gut, dies musikalisch mit einer schlichten Trommel unter Einsatz der Hände und des Brustkorbs als zweite "Trommel" darzustellen. "Nun bitte Vorsicht und Füße einziehen": Dieser Aufforderung kamen alle gerne nach, als bei "Les Violons" Nikola Müller die Bühne verließ, um im engsten Kontakt mit den Zuschauern tanzend Körperbeherrschung hautnah zu zeigen.

Mit einem modernen Tango kam nach der Pause Temperament ins Spiel, roter Rock und rote High-Heels unterstrichen den heißblütigen Charakter der sinnlichen Grazie. Dem wollte der Marimbaphon-Spieler mit "Iljas", einem ebenfalls flotten Stück, in nichts nachstehen. Der vollendete Tanz "Ghanaia Szene 4" von Matthias Schmitt erinnerte an die Kunsthaus-Eröffnungsfeier. Sehr zur Freude des Vorsitzenden Wolfgang Horn folgte eine verblüffend andere Liedpremiere, die dem Gebäude selbst gewidmet war: Die beiden kreativen Köpfe brachten das gesamte Haus mit rhythmischem Klopfen an der Holzpanele und am Mauerwerk zum Klingen und nannten ihre Musik "Kunsthaus". Geduldig machte das Gebäude den Spaß mit, was mit Jubelrufen der Zuhörer und Extra-Applaus belohnt wurde.

Rosners "Liebeslied" von Zirkovic krönte den schönen Abend. Als Zugabe hatten die Künstler ein weiteres eigenwilliges Schmankerl im Gepäck: "Unplugged" klatschten vier Hände zum Dank für das Zuschauer-Klatschen "Clapping Music". Was für ein kreatives Konzert! Das fanden auch die Vorsitzenden Wolfgang Horn und Markus Braun, die nicht nur Nikola Müllers Beweglichkeit und Rosners Musikertalent bewunderten, sondern auch um die Überlassung einer digitalen Aufnahme des Kunsthaus-Liedes baten. Denn ein eigener Song sei nicht alltäglich und sollte nicht in Vergessenheit geraten.

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