04.09.2017 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Meilenstein der Zeit

Ein neues Kunstwerk ziert seit kurzem den Basilikaplatz: Der "Meilenstein der Zeit" symbolisiert den Kugeltabernakel und den Hochaltar der Stiftsbasilika sowie die Werkzeuge des Barockbildhauers Johann Karl Stilp.

Der "Meilenstein der Zeit" symbolisiert den Kugeltabernakel und den Hochaltar der Stiftsbasilika sowie die Werkzeuge des Barockbildhauers Johann Karl Stilp. Bild: kgg
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Geschaffen wurde das aus rotem Sandstein bestehende Kunstwerk vom tschechischen Künstler Petr Círl aus Pilsen. Zur Enthüllung hatte Bürgermeister Bernd Sommer zahlreiche Gäste aus dem Nachbarland sowie Alfred Wolf vom Verein "Via Carolina" begrüßt.

Der Werdegang und die Tätigkeit des Barockbildhauers Johann Karl Stilp (geboren 1668 in Waldsassen) hängen eng mit der aufstrebenden Entwicklung und Bedeutung des Zisterzienserklosters Waldsassen zusammen. Um 1700 wurde Stilp auch für das Stift Tepl im Egerland tätig und richtete eine Werkstatt in Eger ein. Der Bildhauer schuf 1699 den Hochaltar der Stiftsbasilika aus Salzburger Marmor und die einmaligen lebensgroßen Schnitzfiguren in der Klosterbibliothek. Dabei hat sich der Künstler - so die volkstümliche Deutung - mit der Träger-Figur am Eingang zur Bibliothek pockennarbig und in Alltagskleidung selbst dargestellt. Neben vielen Werken im Stiftland und im Egerland wird auch die Figur des Heiligen Florian, des Patrons der Feuerwehr, am Giebel des klösterlichen Rentamts und heutigen Finanzamts Johann Karl Stilp zugeschrieben.

Die Goldene Straße ist das zweitgrößte Bodendenkmal Deutschlands. Kaiser Karl IV. gelang es, durch Kauf oder Erbschaft so viel Land zu erwerben, dass er die gesamte Strecke zwischen Nürnberg und Prag, immerhin 300 Kilometer, auf eigenen Straßen reisen konnte, ohne Zölle zu bezahlen. Die Goldene Straße hat in den vergangenen Jahren durch die Initiative des tschechischen Vereins "Terra Tachovia" eine enorme Bereicherung erfahren. Von Stríbro (Mies) bis nach Bärnau wurden insgesamt 19 Meilensteine der Zeit errichtet. Diese Kunstwerke, die geschichtlichen Persönlichkeiten gewidmet sind, die eng mit der bayerisch-böhmischen Geschichte verbunden sind, wurden von tschechischen Bildhauern individuell gestaltet.

Auf Initiative des bayerischen Vereins "Via Carolina" wurde im Rahmen des "Interkommunalen, grenzüberschreitenden Begleitprogramms zur Landesausstellung Karl IV.", die 2016 bis 2017 in Prag und Nürnberg stattfand, an diese Idee angeknüpft. In jeder am Begleitprogramm teilnehmenden Gemeinde wird ein Meilenstein mit einem für die Gemeinde bedeutenden Motiv aus der Geschichte entworfen und künstlerisch gestaltet. So werden im Rahmen des Projekts auf beiden Seiten der Grenze 16 Meilensteine der Zeit und 20 Infotafeln errichtet. Damit entsteht ein einmaliges grenzüberschreitendes Band aus insgesamt 35 Kunstwerken, das in nachhaltiger Weise eine Brücke zwischen den beiden Ländern bildet und die jahrhundertelange enge kulturelle Verbindung wiederbelebt. In Zusammenarbeit mit dem Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald wird bis Ende September zu den Meilensteinen eine Broschüre mit genauer Beschreibung erscheinen.

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