27.02.2018 - 20:00 Uhr
Waldsassen

Musikkabarettist Matze Wolf sorgt für volles Haus im Kunsthaus Frecher Wortwitz mit viel Sinn

Ungewöhnlich jung war der Publikumsschnitt am Samstagabend im voll besetzten Kunsthaus. Der Grund: Musikkabarettist und "Wortverdreher" Matze Wolf stand auf der Bühne. Der gebürtige Bärnauer, der in Würzburg Lehramt studiert, fesselte das gut 80-köpfige Publikum mit seinem Wortwitz.

Matze Wolf (rechts) holt auch seinen Nachbar in der Studentenwohnung, Elias (links), auf die Bühne für "wortgewandte Witzeleien". Bild: ubb
von Ulla Britta BaumerProfil

Zwölf Monate nach der viel beklatschten Premiere steht Matze Wolf wieder auf der Bühne des Kunsthauses - selbstsicherer als beim ersten Mal, vielleicht auch ein wenig schludriger, aber nicht schlechter deshalb. Zwischen Gitarre, Noten, Klavier und scheinbar unnötigen Requisiten sitzt ihm der kindliche Schalk im Nacken. Das gefällt, kommt an, wie der Zwischenapplaus immer wieder zeigt.

Die Zuschauer plaudern mit dem Bühnengast. Matze Wolf sucht den Kontakt zum Publikum, überlässt "denen da unten" bei manchem Liedbeitrag gerne auch die Rolle des Refrain-Chors. Er besingt einen genervten Mann, der einer zu viel redenden Frau zuhören muss. Aber aus welchem Grund auch immer ist eine Flucht vor den "Laberern dieser Welt" nie möglich. Sommerfeeling bei zehn Grad Minus draußen? Kein Problem. Matze greift zur Gitarre. Nein, jetzt wird's nicht Helene-Fischer-mäßig! Der Bärnauer nimmt mit seinen Worten die perfekt funktionierende (Kapital-)Gesellschaft aufs Korn. Manchmal muss man zweimal hinhören, dann sitzt die Pointe aber.

Schade, dass der Poetry Slam zu kurz kommt. Matze Wolfs einziges längeres Gedicht ist eine Wiederholung aus 2017. Aber das heißt nicht, dass der Musikkabarettist nichts gearbeitet hat. Die Lyrik ist kürzer, dafür sind die Lacher hinterher länger.

Beim Lied "Wie die Dinge eben sind" klingt der nachdenkliche Philosoph in Matze Wolf durch. Die "Dinge", die er benennt, sind die Menschen selbst und ihre Handlungsweisen. Die Nummer "Tauben vergiften" ist eine einzige Zwerchfellattacke: "Absurdistan" der Menschheit lässt grüßen. Wie köstlich sich vorzustellen, wie ein älteres Stadtpärchen sich anschickt, auf den Marktplatz zu gehen zum Taubenmorden. Matze ist in jeder Richtung wunderbar humororientiert. "Ich sehe dich am Rheinufer stehen" heißt sein Liebesdrama. Ja, wenn's nicht will? Muss eben das Messer her. Nach Mord und Totschlag frei nach dem Kinderlied "Mariechen war ein Frauenzimmer" beherrschen Elefanten und frohlockende Affen den Raum. Es wird mitgetönst und geäfft, weil's Spaß macht.

Mit "Ich will nach Berlin" beendet Matze Wolf seinen zweiten Auftritt in Waldsassen. Berlin steht als Synonym für die menschliche Sehnsucht nach Freiheit und Veränderung. Bevor Matze endgültig von der Bühne geht, gibt es noch zwei Zugaben und das Versprechen an KuWa-Vorsitzenden Wolfgang Horn, 2019 wieder zu kommen. "Abgemacht", so der selbstbewusste Nachwuchskünstler. "Egal, auf welcher großen Bühne ich bald stehe: Nach Waldsassen komme ich immer!"

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