11.05.2018 - 20:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Neuer Förderverein sucht Mitglieder Stiftsbasilika mit vielen Freunden

Die Stiftsbasilika ist nach ihrer Sanierung noch mehr ein Ort, an dem sich Glaube und Kultur, Musik und Kunst, vereinen. Damit dieses Erbe bestmöglich erhalten bleibt, gründen die Waldsassener einen Förderverein.

Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter, Willi Prechtl (stellvertretender Vorsitzender) und Stadtpfarrer Thomas Vogl (von links) engagieren sich im neugegründeten Förderverein Freunde der Basilika Waldsassen. Bild: Lena Schulze
von Lena Schulze Kontakt Profil

Besonders 2017 stand die Basilika, die zu den prächtigsten im Süddeutschen Raum gehört, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Nach vier Jahren Bauarbeiten ist die nervenaufreibende Sanierung abgeschlossen. "Wir haben zweimal Abschluss gefeiert", sagt Stadtpfarrer Thomas Vogl. Ende März 2017 feiert er den ersten Gottesdienst in der frisch sanierten Basilika. Noch vor Ostern weihte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer den Altar. Danach wurde noch die Orgel gereinigt und intoniert sowie die Seitenaltäre eingebaut. Zur Kirchweih Mitte Oktober waren alle Arbeiten abgeschlossen.

Prominenter Initiator

Schon bei der Sanierung ist die Idee geboren, auf längere Sicht nachhaltig zu handeln: Ein Förderverein, der die Basilika nicht nur während der Bauarbeiten unterstützt. Zwar war die Spendenbereitschaft während der Baumaßnahme ziemlich hoch, aber sie stagniert nach der Sanierung.

Von dieser Idee hört Professor Ludwig Güttler, bekannter Trompeter und Dirigent, bei einem Basilika-Konzert im Mai 2017. Sein Name ist untrennbar mit der Dresdner Frauenkirche verbunden. Der Musiker gibt als Sprecher der Bürgerinitiative Güttler den Anstoß zum Wiederaufbau der berühmten Kirche. "Güttler meinte einfach: ,Fangen sie an!'", erinnert sich Willi Prechtl.

Nach diesem Impuls machten sich die Waldsassener direkt im Anschluss an die Sanierungsarbeiten der Basilika ans Werk. Gründungssitzung war am 15. November. "Wir wollten den Schwung gleich noch mitnehmen, die Sanierung und Festivitäten um die Basilika waren allen noch im Gedächtnis", sagt Vogl. Schnell gab es viele Interessierte und es fand sich eine Vorstandschaft. Güttler steht als Initiator als erster Vorsitzender an der Spitze. Neben Willi Prechtl, Alois Michl und Johannes Röttges gehören auch Stadtpfarrer Thomas Vogl, Kirchenpfleger Martin Rosner sowie Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter dem Vorstand an.

Der Verein hat zum Ziel, die Basilika zu fördern und zu unterstützen. Zum einen als Ort der Liturgie, zum anderen als Ort der Kirchenmusik. Zusammengefasst heißt das "Raum - Kunst - Musik", die Basilika nicht nur als Kirche, sondern als Ort für Kultur und Glaube vereint. "Wir wollen eine Verbundenheit zur Basilika schaffen. Sowohl die einheimischen Bewohner wachrütteln, was für ein kulturelles Gut sie vor der Nase haben, als auch auswärtige Touristen dafür sensibilisieren", sagt Willi Prechtl, zweiter Vorsitzender. "Wenn Touristen kommen, dann wegen der Basilika und dem Kloster", weiß er. "Naja, mittlerweile bestimmt auch wegen dem Titel Genussstadt. Aber Musik und liturgische Konzerte sind auch ein Genuss - für die Ohren."

Adeliger Unterstützer

In knapp einem halben Jahr Förderverein scharen die Freunde der Basilika Waldsassen mehr als 175 Mitglieder um sich. Viele davon sind aus der Region, auch einige Auswärtige unterstützen das Projekt. Seit Anfang März haben die Waldsassener Freunde einenen Förderer mit "blauem Blut", Herzog Franz von Bayern. Zum Erfolg führen eine Anschreiben und eine Informationsbroschüre. Der Urenkel des letzten Bayernkönigs überweist eine "ansprechende" Spende, wie es Prechtl formuliert. Mitglieder und Unterstützer spenden "von ganz klein bis ganz groß", erwähnt er.

Sorgenkind Orgel

Die Spenden werden dringend benötigt. Nachdem die Orgel im Zuge der Sanierung komplett gereinigt und intoniert wurde, fällt eine erneute Komplett-Reinigung an. Bei kleineren nachträglichen Bauarbeiten verschmutzte Staub die Orgel, so dass eine erneute Reinigung nötig ist. "Die verantwortlichen Baufirmen sind uneinsichtig, wir werden wohl auf den Kosten sitzen bleiben", meint Vogl. Der Fall liege gerade der Rechtsstelle der Diözese vor. "Aber das kann sich ziehen. Erfahrungsgemäß dauern Streits vor Gericht lange. Währenddessen nichts an der Orgel zu unternehmen ist fahrlässig gegenüber dem Instrument." Die Angelegenheit könnte ein erster Fall für den neuen Förderverein sein, die Basilika finanziell zu unterstützen.

Nicht nur das sensible Instrument, auch die Gema-Neuregelung macht Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter Sorgen. Dieses Jahr änderte sich die Rechtslage bei Aufführung von Musik von kirchlichen Konzerten oder anderen außerliturgischen Veranstaltungen: Jedes Konzert muss bei der Gema angemeldet werden und der Veranstalter hat die entstehenden Gebühren selbst zu entrichten. Die Pauschalvergütung über den Verband der Diözesen Deutschlands erfolgt nicht mehr. "Da kommen immense Kosten auf uns zu", erklärt Sagstetter das Problem. Die Gebühr wird nämlich nicht an der tatsächlichen Zahl der Zuhörer berechnet, sondern wie viele Gäste potenziell Platz haben.

Auch die Unterstützung des kirchenmusikalischen Angebots auf allen Ebenen haben sich die Basilika-Freunde zur Aufgabe gemacht, zum Beispiel für Notenmaterial, besonderen Konzerte oder eine finanzielle Beteiligung für Orchester und Chor, die beinahe jeden Sonntag die Liturgie in der Basilika mitgestalten. Musik ist der bewussten Feier zuträglich und schafft eine besondere Atmosphäre, "vor allem in diesem Raum", weiß Stadtpfarrer Vogl.

Sagstetter arbeitete das Programm für die Basilika-Konzerte aus: "Ich freue mich auf alles. Jedes Konzert ist auf seine Weise schön." Auch wenn es nicht das große Werk ist, und auch nicht die große Masse an Besuchern zu erwarten sind, die Künstler seien top. Als Kirchenmusikdirektor wählt er die interessantesten Künstler aus. "Das Publikum kann uns vertrauen", ist sich Sagstetter sicher.

Ziel: 1000 Mitglieder

Die Treffen der Vorstandschaft des Vereins finden unregelmäßig statt. "Bis der Flyer fertig war, gab es mehrere Treffen", jetzt sei es etwas ruhiger geworden. Der Verein überlegt, wie man weitere Mitglieder anwerben kann. "Ich habe nachgesehen: Das Durchschnittsalter liegt jenseits der 50. Wir überlegen, wie wir an jüngere Leute kommen und sie für den Verein begeistern können", überlegt Prechtl. Die erste Jahreshauptversammlung ist für Juni angesetzt.

Der Stadtpfarrer steckt sich hohe Ziele: 1000 Mitglieder soll der Verein einmal haben. "Mal sehen, wen wir noch anschreiben und einladen können. Wir machen das Schritt für Schritt." Vor allem bei den Basilika-Konzerten wollen sie auf den Verein hinweisen. Die Mitglieder sollen sich nicht nur auf das Stiftland beschränken, wünschen sich Vogl und Prechtl. "Wenn wir jedes Jahr hundert neue Mitglieder schaffen, ist das Ziel gar nicht so abwegig."

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Weitere Informationen:

www.basilikafreunde-waldsassen.de

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